| Kriester, Rainer |
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"Große Stele II"
Die Reduzierung von Kriesters "Kopfzeichen" schreitet fort, so sind seine jüngsten Werke schlanker geworden - Werke von karger Strenge, bei denen wenige Linien die Fläche wie Meridiane gliedern; als Stelen stehen sie in einer langen kunstgeschichtlichen Tradition hoheitsvoller Denkmäler und antiker Grabstelen. Die eckige, leicht sich verjüngende, hell patinierte und rotgolden glänzende "Große Stele II" zeigt ein solches Liniengefüge aus Dreiecken, das den Blick des Betrachters nach oben führt; der stilisierte Kopf-Aufsatz wendet sich der Stadt zu, dennoch ist sie eine "Rundrum-Skulptur", die in ihrer hermetisch-sparsamen Form an einen abstrakten "Wächter" erinnert.
"Goslarer Nagelkopf"
Der Bildhauer Rainer Kriester (1935-2002), der in Berlin und Castellaro/Ligurien lebte und arbeitete, fand in überhelmten, verschnürten, durchnagelten Köpfen ein beeindruckendes Symbol des heutigen "entfremdeten" Menschen in seinen Zwängen und Bedrängtheiten, das zugleich ein positiv-freies Gegenbild menschlicher Existenz wachrufen soll. - Die Augen durch eine Maske geblendet, der Schädel durchbohrt von dolchartigen Nägeln, der Mund vor Qual verzerrt, aufgerissen zu einem stummen Schrei - der "Nagelkopf" ist ein Gleichnis für Ausgeliefertsein. Andere Arbeiten aus Kalkstein und Bronze heißen "Tätowierung", "Kopfzeichen", "Schwarzes Fragment" - der Kopf "pars pro toto" für den ganzen Menschen blieb Kriesters unerschöpfliches Thema, in seiner letzten Schaffensphase erweitert durch Stelen zum Thema Vergänglichkeit. |


* 12.6.1935 in Plauen/Vogtland, lebte in Berlin und Castellaro/Ligurien/Italien