Goslarer Straßennamenkatalog - Kornstraße


Kornstraße

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Die Kornstraße beginnt heute am Breiten Tor und verläuft zum großen Teil parallel zur Breiten Straße bis zum Marktplatz. Der untere Abschnitt der Kornstraße wird erstmals auf der Karte von Griep, Goslar um 1500 dargestellt als Straße „Gegen der Mauer“. Zuvor verlief in diesem Bereich noch das Fahrwegwasser. Der obere Abschnitt, der bereits auf seiner Karte von Goslar um 1200 eingezeichnet ist, teilte sich damals in die Abschnitte „In den Gröpern“ und Kornstraße. Um 1800 findet man für den unteren Bereich die beiden Bezeichnungen „Hinter der Mauer“ und „In den Gröpern“, der obere Teil hieß da bereits durchgängig Kornstraße. In der Literatur wird auch vereinfacht von Gröpernstraße und Töpferstraße gesprochen. Dies hat ihren Ursprung darin, dass in der damaligen Gröpernstraße die „Grapengießer“ oder auch „Gröper“, die Töpfer nämlich, angesiedelt waren und auf den umliegenden Märkten ihre Produkte anboten.

Die Bezeichnungen „Hinter der Mauer“ und „Gegen der Mauer“ beziehen sich auf die Lage der Straße an der Stadtmauer. Eingangs des oberen Straßenabschnitts befand sich in der Stadtmauer früher das Gröpertor mit dem Gröperturm. Das Gröpertor wurde im 16. Jahrhundert zusammen mit den Wallanlagen aufgegeben. Restbestandteile des Tores wie Mauern und Fundament sind noch vorhanden und zu erkunden. An die Grapengießer erinnert jedoch leider nicht mal mehr eine Hinweistafel. Ein Streugutkasten passt an dieser Stelle nicht so recht ins Bild.

Der Name Kornstraße bezieht sich auf die hier einst befindlichen Kornlagerhäuser. Dort wurde das im Umland von Goslar angebaute Korn zunächst gelagert, bevor es von den städtischen Mühlen gemahlen werden konnte. Nach dem Mahlvorgang wurde das Korn von den Bäckern in der Nähe, nämlich in der parallel liegenden Bäckerstraße, zu Brot weiterverarbeitet. In der Kornstraße 91 finden wir heute eine Grundschule, die Goetheschule. Früher befand sich in diesem Gebäude das Kornstraße Christian-von-Dohm-Gymnasium. In der Kornstraße 8 wiederum befindet sich noch heute die Freimaurerloge „Hercynia zum flammenden Stern“. Die Loge ist eine sehr alte Bruderschaft, in die Handwerker und Geschäftsleute eintraten, um sich gegenseitig zu unterstützen. Das Haus wurde bereits 1501 erbaut und seit 1808 von der Loge genutzt. Zuerst waren die Logenbrüder dort Mieter. Seit 1834 befindet sich das Haus in ihrem Besitz. Im Sommer 1935 wurde es im Rahmen der Zwangsauflösung der Loge durch die Nationalsozialisten dem sogenannten Reichsnährstand zugewiesen. Dieser war zuständig für die Beschaffung und Verteilung von Nahrungsmitteln vom Rohstoff bis zum fertigen Lebensmittel. In dem Gebäude war die Verwaltung untergebracht. Im Zweiten Weltkrieg diente es als Lazarett und später dann als Altenheim. 1956 ging das Gebäude wieder in den Besitz der Goslarer Loge zurück.

Quellen:

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.