Goslarer Straßennamenkatalog - St. Annenhöhe


St. Annenhöhe

St. Annenhoehe 1
St. Annenhoehe 2
St. Annenhoehe 3

Die St. Annenhöhe erstreckt sich von der Glockengießerstraße, vorbei an den Judenteichen bis zum Zwingerwall. Ihren Namen trägt sie, da sie vom St. Annenhaus beginnend eine Anhöhe überwinden muss.

Das St. Annenhaus war eines von zehn bürgerlichen Hospitälern. Es war zur Unterbringung von alleinstehenden alten Menschen 1488 von der Familie Bornhusen gestiftet worden und hat eine enge Verbindung zur St. Annenhöhe. Hier gab es einen Armenfriedhof, in dem die mittellosen Verstorbenen recht formlos „beigekuhlt“, also verscharrt wurden. Diese derbe Ausdrucksweise war im Mittelalter üblich. In einem Spottgedicht auf Goslars damaligen Bürgermeister Heinrich von Alvede aus dem Jahr 1445 geht ähnliches hervor. „Dat he is gevallen in die Kuhlen der gepingen, dat he sylvest makede“ ist nur eine Variante von dem Sprichwort über den Sturz in die Grube, die man selbst gegraben hat. Auch verschiedene Bruderschaften hatten das Recht, ihre Toten hier zu Grabe zu tragen.

In der St. Annenhöhe befindet sich ein kleiner, noch zur halben Höhe vorhandener Turm. Er gehörte einst zum Lamborger Tor. Diese Pforte gehörte seit dem Ausbau der Stadtverteidigung von 1500 zu den Befestigungsanlagen. Hier befand sich auch eine kleine Kapelle, die Katharinenkapelle, welche dem Kloster auf dem Petersberge unterstand. Nach der Zerstörung des Klosters im Jahr 1527, bekam sie 1533 eine große Bedeutung als Zufluchtsort des Konvents und wurde damit Stiftskirche. Nachdem das Vermögen des Klosters 1802 dem Goslarer Stiftskirchenfond zufloss, wurde die Kapelle 1825 verkauft und 1850 abgebrochen. Heute sind an der Ecke St. Annenhöhe und Glockengießerstraße nur noch einige Baureste erhalten und durch Ausgrabungsfunde belegt. Ein Bild der Kapelle ist in einem Steinrelief an der Kurie des Stifts St. Peter in der Unteren Kirchstraße zu sehen.

Nach ein paar Schritten befindet man sich in den Wallanlagen bei den Judenteichen. Eine parkähnliche Anlage mit schönen alten Bäumen lädt förmlich dazu ein, sich hier auf einer der Bänke niederzulassen und dem munteren Treiben der Enten auf dem Gewässer zuzusehen. So wechseln sich in der Altstadt Historie und Erholung ab. Überall lassen sich verwunschene, romantische Winkel und kleine Plätze finden, wo man gern verweilen möchte.

Quellen:

  • Auberg, Günther; Rundwege Goslar
  • Griep, Hans-Günther; Harzer Legenden. Geschichte in Geschichten
  • Hasselbring, Kurt; Stephanikirche zu Goslar
  • Gottschalk, Werner; Chronik der Stadt Goslar 919 – 1919

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.