Goslarer Straßennamenkatalog - Am Breiten Tor


Am Breiten Tor

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Die Straße befindet sich, wie der Name schon sagt, direkt am Breiten Tor im Nordosten der Stadt. Die sehr kurze Straße verbindet die Mauerstraße mit der Breiten Straße und besteht aus nur 3 Häusern, wovon eines in die Mauer der alten Wehranlagen hineingebaut ist. Der Straßenname Am Breiten Tor wird 1971 erstmals im Straßenverzeichnis der Stadt Goslar genannt. Sie liegt unmittelbar hinter der inneren Stadtmauer und ist so schmal, dass sie früher höchstens ein Durchgang für die Torwächter gewesen sein kann. Auf der von Hans-Günther Griep 2006 erstellten Karte von Goslar um 1200 trägt sie den Namen „Gosewinkel“, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Zweigstraße der Fischemäkerstraße. Beim Breiten Tor musste die Gose die Stadtmauer passieren und wurde in einem Winkel um das Tor herumgeführt. Hierdurch entstand der damalige Name. Auf Karten, die Goslar in späteren Jahren darstellen, blieb die Straße dann regelmäßig ohne Bezeichnung.

Das Breite Tor war das größte und bedeutendste Stadttor Goslars. Es wurde 1443 errichtet und in über 100 Jahren zu einem Bollwerk ausgebaut, das manch gewöhnliche Burganlage in den Schatten stellte. Da das Breite Tor an der Straße lag, die zum Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel führte, wurde es besonders massiv ausgebaut. Mit diesem Herzog lag die Stadt Goslar im Streit und ihr Wohlstand lockte ohnehin viele unliebsame Zeitgenossen an.

Die Wehranlage bestand früher aus einem äußeren und einem inneren Tor. Das äußere Tor wurde markiert von zwei mächtigen Rundtürmen, an denen die innere Stadtmauer begann. Beide Türme sind noch erhalten. Der rechte Turm, der mit einer Höhe von 21 m bis zur Dachtraufe und einem Durchmesser von etwa 20 m das Gesamtbild dominiert, trägt den Namen Rieslingsturm. Dazwischen lag linksseitig die Kaserne der Torwächter, der heute als Gästehaus genutzte Werderhof, und rechts davon ein kleinerer, heute nicht mehr vorhandener Rundturm. Zwischen kleinem Rundturm und dem rechten großen befand sich der erste Durchlass in die Stadt. Gleich dahinter kam das innere Tor, ebenfalls begrenzt von zwei Rundtürmen. Der linke der beiden ist heute nicht mehr vorhanden. Zwischen den Rundtürmen stand und steht noch heute ein rechteckiger, höherer Turm, unter dem die Zufahrt zur Stadt möglich war und ist. Ein kleinerer Gebäudetrakt links daneben ermöglichte früher wie heute den Durchgang für Fußgänger. Der um 1500 erbaute rechte Rundturm ist seit 1952 Gedenkstätte der polnischen Patenstadt Brieg und ihrer Landgemeinden und wird deshalb Brieger Turm genannt.

Bei einer angemeldeten Stadtführung kann auch das Innere des Bauwerkes besichtigt werden. An den Türmen begannen die äußere Feldmauer, auch Zingel genannt, wie auch die innere massivere Stadtmauer. Als sie im 18. und 19. Jahrhundert ihre Verteidigungsfunktion verlor, wurde sie weitgehend abgerissen. Erhalten geblieben ist sie noch entlang der Glockengießerstraße.

Hier am Breiten Tor befindet sich das Kunstwerk „Gedenkstätte Goslar“, im Volksmund auch „die Platte“ genannt. Es wurde aus CorTenStahl von dem Kaiserringträger des Jahres 1981, Richard Serra, erschaffen. Hierbei handelt es sich um eine Dauerleihgabe der Schenning - Stiftung. Gleich neben dem Brieger Turm hängt eine Bronzetafel des Bildhauers Rudolf Nickel von 1963 mit dem Titel „Goslar am Harz um 1720“. Sie zeigt im Vordergrund das Breite Tor mit seiner Wehranlage und im Hintergrund die Stadt Goslar. Rudolf Nickel wurde 1890 im ältesten Haus in der Mauerstraße geboren. Er erhielt das Verdienstkreuz am Bande, die Ehrenplakette der Stadt Goslar und die Ehrennadel des Knappenvereins und verstarb 1975 nach einer langen vielseitigen Schaffensphase.

Quellen:

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.