Goslarer Straßennamenkatalog - Am Heiligen Grabe


Am Heiligen Grabe

Die kurze Straße Am Heiligen Grabe befindet sich nordwestlich der Goslarer Altstadt nur 200 Meter entfernt vom alten Vititor. Sie mündet an der Kreuzung zur Klubgartenstraße gegenüber der Hauptpost in die Astfelder Straße. Im oberen Straßenbereich führt ein Fußgängerzugang in die Von-Garßen-Straße, mit der sie ansonsten nicht verbunden ist. Die Straße mündet im oberen Bereich zur linken Seite in die Wislicenusstraße.

Der Name Am Heiligen Grabe leitet sich von der Niederlassung eines Ritterordens mit eigener Kirchenanlage ab. Diese „Kommende“ (von lat. commendare, anvertrauen) gleichen Namens mit ihrer Klosterkirche lag seit dem 12. Jahrhundert außerhalb Goslars westlich vor der Stadtmauer. 1180 wurde Zum Heiligen Grabe ein regionales Provinz-Priorat (Leitungszentrum) der Johanniter- Kommende, somit zu einem weiteren Hauptsitz des Ritterordens. Der Ritterorden wurde ursprünglich in Jerusalem gegründet. Die 1214 Zum Heiligen Grabe getaufte Kirche wurde im Grundriss der gleichnamigen Grabeskirche in Jerusalem nachempfunden. Sie symbolisierte das „Aus-dem-Grabe-Heben“ Jesu. Der Bezirk Reeperstraße und Am Heiligen Grabe entwickelte sich im 15. Jahrhundert zu einer kleinen, autarken Vorstadt mit eigenem Steuerbezirk. Die Kirchenruine der Kommende verfiel im Spätmittelalter und wurde zum Hospital mit Kurienhaus für die Ärmsten ausgebaut. Der damalige Wirtschaftshof erstreckte sich bis zum heutigen Postgelände. Am 22. Juli 1527, während der Auseinandersetzungen mit Heinrich dem Jüngeren von Braunschweig, wurden alle romanischen Kirchen vor den Stadtmauern von aufgebrachten Goslarer (Wut-) Bürgern niedergerissen, zuletzt auch die schon baufällige Kirchenanlage Zum Heiligen Grabe.

Erst nach dem Ausbau der Befestigungsanlagen kam es zu Ausgrenzungen besiedelter Flächen: die Bergdorf-Siedlung, die Siedlung Am Heiligen Grabe und der Georgenberg. Lange nach deren Zerstörungen 1527 und dem ab 1830 erfolgten Rückbau der Befestigungsmauern mit Wallanlagen kam es zu massiven städtebaulichen Veränderungen. Dadurch konnte das Bürgertum außerhalb des alten Stadtkerns expandieren und neue Häuser bauen. Ab 1875, nach dem Eisenbahnanschluss und dem Wiederaufblühen der Rammelsberger Erzförderung, wuchs auch die wirtschaftliche Entwicklung im Stadtumfeld. Nachdem es ab 1895 zur Gründerzeit am Georgenberg zu neuen Grundstückserschließungen kam, wurde auch ab 1900 nordwestlich der ehemaligen Klaustor-Promenade die Straße Am Heiligen Grabe erschlossen und bis 1904 ausgebaut. Bei Ausschachtungsarbeiten für den Häuserneubau nahe dem Vititor wurden hier schon am 25. Juli 1885 und später 1904 am unteren rechten Straßenabschnitt die alten Mauerreste der Kirche freigelegt.

Noch heute befindet sich an den noch sichtbar erhaltenen Ruinenresten das Fundament der alten Grabkammer mit der Altarplatte. Die gut erhaltene Grabplatte des Priors Johannes Engel († 1515) steht heute in der Kaiserpfalz bei der Ulrichskapelle. Eine Gedenktafel Ruinen der Johanniterkirche Am Heiligen Grabe 1214 -1517 verweist auf das ehemalige historische Gebäude. Heute ist die Straße Am Heiligen Grabe neben ihren villenartigen Wohnbauten mit vielen Gärten auch der Firmensitz von einigen Unternehmen und der Standort vieler Arztpraxen.

Quellen:

  • Engelke, Hans-Georg, Batow, Peter; „Ja, Steket an im Namen Gottes“
  • Geschichtsverein Goslar; Geschichte der Zerstörung der romanischen Kirchen vor den Stadttoren im Juli 1527, 2010 
  • Griep, Hans-Günther; Die ältesten Niederlassungen im Weichbild Goslars, 2000

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.