Goslarer Straßennamenkatalog - Claustorwall


Claustorwall

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Der Claustorwall endet im äußersten Südwesten des Stadtrandes linksseitig des Frankenberger Teichs. Er ist eine Weiterführung der vom Steinberg bergab und Stadt einwärts führenden Straße Nonnenberg. Hinter dem Frankenberger Teich verläuft der Claustorwall auch noch parallel zur Straße als Fußweg. Bergab kreuzt der Claustorwall dann den Nonnenweg. Von dem weiter bergab verlaufenden Claustorwall zweigt an der zweiten Kreuzung zur Rechten die Steinbergstraße in Richtung Altstadt ab, links bergauf gelangt man in die Doktorswiese. Gleich hinter dieser Kreuzung befindet sich an der linken Straßenseite ein kleines Hochplateau. Von hier aus führt ein schmaler Fußgänger- und Radweg von der v-förmig angelegten Sackgasse der Wislicenusstraße hinunter. Im unteren Straßenverlauf zweigt bergauf die Schlüterstraße ab. Am Straßenanfang trifft der Claustorwall auf den Übergang der Bäringerstraße in die Astfelder Straße. Dort befindet sich auch das 1898 erbaute, turmartige Jordan-Gebäude, in dem viele Jahre die Drogerie von Rudolf Jordan firmierte.

Der Name Claustorwall leitet sich vom alten, um 1825 abgerissenen südlichen Stadttor ab. Dieses führte die Bezeichnung Klaustor (mit “K“). Die Straße liegt etwas oberhalb der Altstadt hinter der ehemaligen Stadtmauer, wo sie auf den früheren Wallanlagen erbaut wurde. Nach 1820 wurden die alten Wall- und Befestigungsanlagen für die geplante Stadterweiterung abgerissen und zur Bebauung freigegeben. Zwischen 1850 und Juni 1925 wurde der Claustorwall noch als Klaustor-Promenade geführt. Bei der Aufgabe der Befestigungsanlagen wurde um die Feldmauern ein von Bäumen begrenzter Rundweg angelegt. Die ersten Grundstücke wurden damals vor dem Häuserbau als begrünte Obstgärten und Ziegenwiesen bewirtschaftet.

Ab 1875 interessierten sich zunehmend auch zugereiste, reiche Staatsdiener aus Braunschweig, Hannover und Berlin für eine mondäne Villa am Steinberg und Georgenberg Neubaugebiet. So entstanden hier um 1900 zur Gründerzeit, wo Goslar schon mal „Pensionopolis“ genannt wurde, viele der schon seit 1887 geplanten neuen Stadtvillen. Die Häuser wurden zum Teil auf Vorrat gebaut und später mit Hilfe von Fotografien verkauft. Hinzu kamen zahlreiche Hotels, Pensionen und Gaststätten. Mit ihrer vorbildlichen Fachwerkarchitektur und ihren hölzernen Schmuckelementen bilden die Häuser eine harmonisch-kontrastreiche Ergänzung zur Altstadt. Vom Fuße des Steinbergs aus wurde so altstadtnah ein neues Wohnviertel in den bewaldeten Berghang gebaut. Am 27.11.1902 untersagte eine neue Stadtverordnung für das Steinberg- und das Georgenbergviertel die Neuansiedlung von Gewerbebetrieben und den Bau von Industrieanlagen.

Heute liegen an beiden Seiten des Claustorwalls zum Teil mondäne Stadtvillen, die bisweilen auch von hohen Mauern und Zäunen mit großen Gartenanlagen umgeben sind. Einige ältere Holzhäuser und Villen wurden jedoch abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Im Fachwerkhaus Claustorwall 23 wohnte die letzten 4 Jahre seines Lebens einer von Goslars berühmten Bürgern: Professor Wislicenus. Das Haus ist seit seinem Tod im Jahr 1899 auch noch immer im Familienbesitz.

Quellen:

  • Geyer, Friedrich; Goslarer Fotoalbum, Historische Fotodokumente aus Goslar 1870 -1940 (1995)
  • Krause, K. und Müller, U.; Im Fluge gesehen – Goslar im Kreis seiner Nachbarn (1995)
  • Stadtarchiv; R.R. Abtl. I, Fach 210, Nr.6 und 203 Nr.14 (1900-1926)

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.