Goslarer Straßennamenkatalog - Marienbader Weg


Marienbader Weg

marienbader1
marienbader2
marienbader3

Der Marienbader Weg beginnt an der Astfelder Straße und verläuft zunächst leicht ansteigend bis zum Reinkamp, in den sie mündet. Die Straße ist am Anfang nur linksseitig mit Einfamilienhäusern, einem Mehrfamilienhaus sowie mehreren Doppelhaushälften bebaut. Hier zweigt links eine Zufahrt ab, die dann als schmaler befestigter Fußweg zum Reinkamp führt. Die Straße verläuft dann ein Stück parallel zur Astfelder Straße und der auf einem Bahndamm oberhalb verlaufenden Eisenbahnlinie in Richtung Langelsheim. Die rechte Straßenseite ist mit Bäumen und Büschen bewachsen. Dann knickt sie rechtwinklig beidseitig bebaut nach Westen ab. In dieser Kurve befindet sich, versteckt hinter einer Litfaßsäule und einer Garage, ein Relikt aus alten Zeiten.

Umwuchert von Büschen und Sträuchern steht hier die Mauer eines alten Stellwerkes, die nicht abgerissen werden darf. Hinter einigen Garagen und einem kleinen Privatparkplatz sind auf der rechten Seite mehrere Häuser verschiedenen Baustils zu finden, die nur durch einzelne Fußwege erreichbar sind. Zwischen der Bahnlinie und den daneben stehenden Einfamilienhäusern verlief früher ein bekannter Wanderweg zur Juliushütte. Linksseitig befinden sich hinter einer Villa einige Mehrfamilienhäuser umgeben von Garagenzeilen. Schließlich mündet der Marienbader Weg weit ausladend in die Straße Reinkamp.

Der Marienbader Weg wurde erstmals Anfang des 18. Jahrhunderts im Straßenverzeichnis erwähnt, damals hieß der Weg noch Marienbader Promenade. Vorher waren die Anwohner postalisch unter der Astfelder Straße zu finden. Erst im Jahr 1925 erhielt er seinen heutigen Namen zu Ehren der Königin Marie von Hannover. Und dazu kam es folgendermaßen: Am Rande des Nordberges, am unteren Steinberg errichtete 1838 der Leinenweber Friedrich Rißling zunächst eine Naturbleiche. 1845 eröffnete seine Ehefrau eine Kaffeewirtschaft, die ein beliebtes Ausflugsziel der Goslarer Bevölkerung und der in der Grube am Nordberg arbeitenden Schieferarbeiter wurde. Um 1850 errichtete der bereits bekannte Kräuterdoktor Friedrich Lampe am Nordberg zusammen mit Rißling seine neue Kräuterkurheilanstalt. Diese erfreute sich immer größerer Beliebtheit auch weit über die Tore Goslars hinaus. Deshalb wagte es Lampe, Königin Marie von Hannover darum zu bitten, Namensgeberin für die Heilanstalt zu werden. Sie willigte ein und am Geburtstag Ihrer Majestät am 27.08.1854 wurde das Kurbad dann auch feierlich Marienbad getauft. Erst der Krieg 1870/71 setzte dem Kurbetrieb langsam ein Ende. 1887 gründete der Sanitätsrat Dr. Servaes hier ein Sanatorium für Nervenleidende. Dieses wurde 1899 von den Geschwistern Löhr übernommen.

1923 ging es in das Eigentum der Stadt Goslar über, die dort ein Mutter-Kind-Heim errichtete. 1974 wurde auch das letzte noch verbliebene Gebäude abgerissen. Heute erinnert nur noch der Straßenname an das ehemals so feudale Marienbad.

Quellen:

  • Griep, Hans-Günther; Goslarer Chronik von 1955
  • Grundner-Culemann, Alexander; Die Flurnahmen des Stadtkreises Goslar, Teil III
  • Goslar und die Stadtgeschichte 1399 -1999, Seite 204f Goslarsche Zeitung von 1941, 1954, 1963, 1974
  • Stadtarchiv Goslar, Adressbücher

 

Straßenprofil als PDF Dieses Straßenprofil als PDF herunterladen.

Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.