Goslarer Straßennamenkatalog - Nonnenberg


Nonnenberg

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Der Nonnenberg ist wohl die außergewöhnlichste Straße in Goslar. Er beginnt als Verlängerung des Claustorwalls ungefähr in Höhe des Frankenberger Teiches. Ein Straßenschild sucht man leider vergebens. Die geteerte Straße verläuft überwiegend geradeaus, an Kleingärten und dem Bächlein Trüllke vorbei, dann durch ein Waldgebiet und endet voraussichtlich am Steinberg-Aussichtsturm, denn auch dort vermisst man das Straßenschild. Den Turm erreicht man nur über einen Waldweg auf Schusters „Rappen“ oder wie im Mittelalter per “Schimmel“. ?

Der (Stein-)Turm wird auch als Kaiserturm bezeichnet und wurde 1888 erbaut. Der Steinberg hat hier eine Höhe von 471,63 m ü. NN. Etwas tiefer befindet sich der Königsberg, ein früheres, heute verfallendes Lungensanatorium. Böse Gerüchte ranken sich um diesen Ort, der für die Bevölkerung nicht mehr zugänglich ist, weil Einsturzgefahr besteht. Nur die Rettungshundestaffel nutzt das Gelände zu Übungszwecken und kann sich im Falle eines Falles selbst retten. An der kilometerlangen Straße findet man nur 2 Häuser, die Hausnummer 3 und das ehemalige Forsthaus mit der Nummer 12. Die restlichen Grundstücke mit den etwas verwirrenden Nummern 2a, 2b und 3a befinden sich zur Freude jeden Postzustellers weit abseits, mitten im Wald und sind nur über einen unbefestigten Weg zu erreichen. Natürlich sucht man an dem unscheinbaren Abzweig vor dem Haus Nr. 3 vergebens nach einem Hinweisschild. Schon 1924 klagten Anwohner, dass ihre Post häufig im Nonnenweg zugestellt werde und verlangten eine Umbenennung in Wolterseck. Die Problematik ist heute, fast 100 Jahre später, immer noch die Gleiche. Folgt man diesem nicht gekennzeichneten Weg, der ein Stück des Waldlehrpfades Weinbergstieg mit Infotafel* und 18 Stationen ist, entdeckt man einen großen Felsbrocken etwas abseits vom Weg, auf dessen „Rückseite“ eine Gedenktafel* in Frakturschrift an den Oberförster Hermann Kühtz, Kütz oder Büht (alle 3 Namensdeutungen sind belegt*) erinnert. Die für den Oberförster Karl Reuß findet man ein Stück weiter an einer steil aufragenden Schieferwand.

Hinter dem Haus Nr. 3 versteckt sich der Borcherspark. Er wurde vor rund 150 Jahren in der stillgelegten Schiefergrube Lange Grube angelegt und war beliebter Treffpunkt junger verliebter Pärchen. Heute noch kann man in diesem verwilderten Wald Namen und Jahreszahlen an Bäumen finden, die vor vielen Jahrzehnten dort in die Rinde geritzt wurden.

Der Name Nonnenberg wird erstmals 1527 als Nunnenbarch und 1859 als Flur am Westausgang von Goslar zwischen Frankenberger Teich und Clausthaler Straße in der Nähe des Frankenberger Klosters erwähnt. Im frühen Mittelalter betrieben zuerst die Klöster den Weinanbau. Am südlichen Hang des Nonnenberges (s. a. Nonnenweg) wurden Weingärten angelegt und die dort arbeitenden Nonnen waren wohl namensgebend. Man findet dort heute noch uralte Weinreben.

Um 1900 hat man die Straße Nonnenberg erschlossen und 1905 wurde ein Hotel auf der Klippe des Steinbergs errichtet. Leider vernichtete 1974 ein Großbrand dieses Gebäude. Versuche, den Steinberg und Königsberg zu bebauen, scheiterten am Veto der Goslarer Bürger. Lediglich in der Nähe des großen Parkplatzes am Abenteuerspielplatz Unter den Eichen hat eine Gaststätte gerade eröffnet. Der rustikale, im Stil einer Sennhütte errichtete, gastronomische Betrieb mit kleinem Tierpark und Streichelwiese fügt sich harmonisch in die Wiesenlandschaft ein. Der Betrachter fühlt sich allerdings eher ins Allgäu versetzt als ins Harzvorland; aber warum auch nicht? Wieder auf dem Rückweg kann man nach einer kurzen Strecke rechts über den Haldenweg zur Tagungsstätte Hessenkopf gelangen.

Quellen:

  • Griep, Hans-Günther; Goslar - Die Geologie und Topographie
  • Grundner-Culemann, Alexander; Die Flurnahmen des
    Stadtkreises Goslar Teil III
  • Stadt Archiv; RR Abt. 1 Fach 203 Nr. 13
  • www.geschichte-des-weins.de

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.