Goslarer Straßennamenkatalog - Oberer Triftweg


Oberer Triftweg

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Die am Osthang des Steinbergs verlaufende Straße Oberer Triftweg zweigt an der Von-Garßen-Straße ab und verläuft zu dieser parallel in südlicher Richtung. Er steigt zunächst bogenförmig an, um sich dann mit dem weiter unten verlaufenden Unteren Triftweg zu vereinigen und in die Straße Nonnenberg überzuleiten. Hinter dem Anwesen der Villa Berger kreuzt er die bergauf führende Zeppelinstraße. Auf der Berghangseite stehen noch heute zum Teil Prachtvillen aus der Gründerzeit neben einigen Bauten der 40er bis 80er Jahre. Alle Häuser haben hier einen herrlichen Ausblick über Goslars Altstadt in Richtung Sudmerberg. Auf der anderen Straßenseite verläuft parallel zum Fußweg eine Kastanienbaumreihe. Dahinter liegen abschüssig Grünflächen mit Gras-, Busch- und Baumbeständen sowie Fußwege mit Parkbänken. Als Querverbindung führen an der Häuserseite auch zwei kleine Fußwege steil bergauf zur Zeppelinstraße.

Die Bezeichnung „Trift“ leitet sich topographisch von einem bergab verlaufenden Weideweg ab. Hier wurde früher auch das „Treiben/das Driften“ von Rohholz (Holztrift) oder im Fall von vorhandenem Weideland nach der Waldabholzung das Treiben von Vieh (Viehtrift) durchgeführt. Bei der Trift auf Harzbächen im Mittelgebirge war der Transport von Schwimmholz wegen geringerer Wasserführung allerdings nicht möglich. Die Trift-Bezeichnung am Steinberg könnte auch von den Abflüssen aus dem Trüllketal herrühren. Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert speisten diese Bäche den Frankenberger Teich, und der von ihm am jetzigen Claustorwall hinabführende Trüllkebach speiste den ehemaligen Wassergraben an der Vititor-Befestigungsanlage.

Der Obere Triftweg wurde erst ab 1910 nach den neu gebauten Steinberg-Wasserzuleitungen erschlossen. Am Oberen Triftweg 24 befand sich zwischen 1925 und 1945 auch ein „Töchterschulheim“. Ab 1928 wurde auf dem Grundstück der Villa am Oberen Triftweg 28 eine Silberfuchsfarm betrieben. Das hölzerne Silberfuchszuchthaus steht dort noch heute. Ein Silberfuchspelz brachte damals zwischen 3.000 und 5.000 Mark. In Deutschland gab es zu dieser Zeit etwa 120 Pelztierfarmen. Ein Silberfuchspaar brachte im Jahr 4-5 Junge zur Welt und in Goslar startete man mit 5 Paaren.

An der Hausadresse Nr. 6, direkt an der Kreuzung zur Zeppelinstraße, steht die berühmte Villa Berger. Das damalige Hotel beherbergte in den 50er und 60er Jahren zahlreiche illustre Gäste. Hier logierten neben einigen Filmstars auch Willy Brand und Konrad Adenauer. Inzwischen wurden viele der Prachtvillen am Steinberg aufwändig restauriert, so auch die Villa Berger. Sie werden heute als Eigentumswohnungen für Ruheständler und Besserverdienende oder als Arztpraxen und Anwaltskanzleien genutzt. Neben der grandiosen Aussicht fallen der sanierungsbedürftige Straßenbelag und die zu enge, immer zugeparkte, aber dennoch in beide Richtungen befahrbare Straße auf.

Quellen:

  • Grundner-Culemann, Alexander; Die Flurnamen des Stadtkreises Goslar, Teil III
  • Goslarsche Zeitung; Artikel Silberfuchsfarm vom 10.02.1928
  • Theuerkauf, Armin; Chronik der Stadt Goslar, Band IV 1881-1932, Museumsverein Goslar e.V. Goslar 2008

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.