Goslarer Straßennamenkatalog - Schieferweg


Schieferweg

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Der Schieferweg liegt am nordöstlichen Steinberghang. Er beginnt an der Einmündung der Von-Garßen-Straße und führt als Verlängerung des Oberen Triftwegs nördlich um den Steinberg herum. Nach etwa 200m zweigt rechts die Straße Reinkamp ab. Im mittleren Straßenabschnitt befindet sich eine große X-förmige Gabelung, die rechts hinab in den Dr.-Wachler-Weg führt. Die Abzweigung zur linken Seite führt in die Hochgrevestraße, einer Parallelstraße des unteren Schieferwegs. Leicht geschwungen verläuft dann die Straße weiter bergauf in Richtung Nordberg. Zuvor zweigt noch zur rechten Seite der Reitstallweg ab. Am oberen Ende des Schieferwegs wird die Straße zum asphaltierten Fußweg. Für den Durchgangsverkehr gesperrt, führt ein Forstweg durch das idyllische Reintal, vorbei an ehemaligen Schieferbrüchen und hinauf zum 457 m hohen Nordberg.

Die erste Beschreibung des Steinberghanges stammt aus einem Forstprotokoll von 1754: “Steinberg ist hinten mit Strupp-Tannen bewachsen, so theils durch das Aushauen theils durch Vieh ruiniert worden.“ Der Name Schieferweg leitet sich ab von dem früher betriebenen Schieferabbau in Goslars Umgebung. Schon zu Goslars Blütezeit im 14. Jahrhundert wurden immer wieder kleine Schiefergruben kurzzeitig in Betrieb genommen. So gab es seit über 750 Jahren im Südwesten der Stadt gelegene und für Goslar wichtige Schiefergruben wie die heutige Ratsschiefergrube am Hessenkopf. Die Stadt besaß damals ein Handelsmonopol für den Schieferabbau. Die Schieferplatten wurden für die Giebel-, Fassaden- und Dachbedeckungen der Goslarer Fachwerkhäuser genutzt und auch in andere Städte exportiert.

Von etwa 1540 bis 1867 war der Schieferabbau für Goslar eine gute Einnahmequelle. Aber schon ab 1857 musste der hochwertige, dunkelgraublaue Goslarer Schiefer sich gegenüber ausländischen Konkurrenzprodukten wie dem Englischen Schiefer behaupten. Mit dem Goslarer Exportgut wurde 1874 die berühmte Hamburger Nicolaikirche mit Schiefer gedeckt. Die ersten Häuser am unteren Schieferweg entstanden bergauf zwischen 1914 und 1938, dann folgten Nr. 6 bis 10 nach 1953 und ab 1967 kamen mit Nr. 26 bis 33 weitere hinzu. Im Rahmen der Stadterweiterung zum Nordberg wurde die Straße Am Schieferwege Ende 1961 in Schieferweg umbenannt. Weil einige Häuser mit ihren großen Gärten in den Nordwesthang gebaut wurden, haben die Hausnummern 26 bis 30 nur einen Zugang über einen befahrbaren Fußweg, der parallel zur Straße verläuft. Hangabwärts existiert von hier eine Treppenverbindung zum Dr.-Wachler-Weg.

Noch bis zum Jahr 1969 wurde durch die Privatfirma Vereinigte Dachschiefer-Werke Schilling & Co. am Glockenberg sowie in der Ratsschiefergrube Schiefer und Schiefermehl abgebaut. Heute wird der Schieferabbau mit einem geologischen Wanderweg vom Weinbergstieg am Nonnenberg, über den Königsberg bis zum Nordberg (Königsweg) gewürdigt. An einer Schieferklippe im Weinbergstieg befindet sich eine Gedenkplakette für die Erschließung und Verschönerung des Stadtforstes sowie den Ausbau der Wanderwege für den verdienten Oberförster Karl Reuß.

Schiefertafeln spielten früher auch in der Schule eine gewichtige Rolle. Nachdem die großen Schul-Schiefertafeln Ende der 60er Jahre ersetzt wurden, kamen in den Grundschulklassen nur noch kleine, mobile Kreide- oder Griffel-Schiefertafeln zum Einsatz, quasi „Steinzeit-i-Pads“!

Quellen:

  • Gottschalk, Werner; Chronik der Stadt Goslar 919-1919 Band II,
  • Griep, Hans Günter; Goslar - Geologie und Topographie
  • Grundner-Culemann, Alexander; Die Flurnamen des Stadtkreises Goslar Teil II
  • Magazin: Bohren, Sprengen, Räume; Dachschiefergrube Glockenberg Nr.2 1967
  • MERIAN – Das Monatsheft ; 7. Jahrgang Heft Nr.2
  • Goslar Stadtarchiv Goslar, Akte I Fach 206 Band 21

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.