Goslarer Straßennamenkatalog - Wislicenusstraße


Wislicenusstraße

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Die Wislicenusstraße verläuft unterhalb der parallel verlaufenden Von-Garßen-Straße. Die Straße ist eine links abknickende Verlängerung der Straße Am Heiligen Grabe. Sie überquert die bergauf verlaufende Schlüterstraße und endet auf einem Hochplateau als Sackgassen-Parkplatz mit abgrenzender Baumbepflanzung. An dieser Stelle verläuft die Wislicenusstraße parallel zum Berghang in Richtung Claustorwall, an deren Ende ein Fußgängerweg von der höher gelegenen Straße hinab führt. Zu beiden Seiten stehen einzelne Stadtvillen mit zum Teil großen Hintergärten. Die Straßen werden umsäumt von hoch gewachsenen aber kränklichen Baumbestand.

Im November 1902 wurde die Straße nach den Kunstmaler und Arztsohn Hermann Wislicenus (1825-1899) aus Eisenach benannt. Nachdem der Meisterschüler Wislicenus 1865 an der Weimarer Kunsthochschule seinen Professor machte und dort als Lehrer für Malerei tätig wurde, kam 1868 die Berufung als Kunstprofessor an die Königlich-Preußische Kunstakademie nach Düsseldorf. Er schuf zwischen 1862 und 1870 mehrere herausragende Werkzyklen im Stile von Historienmalereien. Ein Brand vernichtete 1872 viele seiner fast vollendeten Auftragsarbeiten, sodass er mit Elan und Fleiß diese wieder aus dem Gedächtnis reproduzieren musste. 1875 wurde Prof. Wislicenus von der preußisch-kaiserlichen Regierung damit beauftragt, die malerische Ausschmückung des Reichssaales in der damals frisch renovierten Goslarer Kaiserpfalz vorzunehmen. Sein größter Auftrag wurde zu einem Wandfresken füllenden Gemäldekunstwerk. Nach der Reichsgründung 1871 sollte er die Innenwände der Kaiserpfalz restaurieren und dabei den Glanz und Ruhm der deutschen Kaiser des Mittelalters mit dem des 19.Jahrhundert verbinden. In seinen allegorischen Darstellungen schuf Wislicenus ein eindrucksvolles, malerisches Denkmal des preußischen Kaiserreichs. So merkten Kunstkritiker an: “Das Kaiserhaus wurde zur romanisch-nationalen Ruhmeshalle, zum Sinnbild einer ästhetisch-pädagogischen Wiederbelebung eines ehrwürdigen, vaterländischen Denkmals“. Die Wandflächen wurden mit schmuckvollen Bildnissen der Epoche der deutschen Geschichte von 1050 bis 1253 ausgemalt. Da erscheinen Karl der Große, Kaiser Barbarossa, Heinrich II., Wilhelm I. und Fürst Bismarck in einem Gesamt-kunstwerk, unterschrieben mit folgenden Insignien: „Die alten Zeiten sanken – ein neues Reich entstand.
Ich höre Frühlingswehen – im deutschen Vaterland…“.

Die Arbeiten zu den Wandgemälden im Kaiserpfalzsaal dauerten von 1878 bis 1897 und wurden mit Hilfe seines Maler-Assistenten Franz Weinack noch zu Lebzeiten vollendet. Wie kein anderes Baudenkmal in Goslar ist die Kaiserpfalz, die einzige Anlage im gesamten deutschsprachigen Raum, die gleichzeitig restauriert, neu ausgebaut und malerisch ausgeschmückt wurde. Sie ist Goslars größter Besuchermagnet für Touristen aus aller Welt. Vor allem die Wandmalereien üben eine faszinierende Anziehung aus. Wislicenus hat sich als der „Pfalzmaler“ verewigt, von dem sich jährlich über 250.000 Besucher einen bleibenden Eindruck verschaffen können. Weitere Darstellungen und restaurierte Entwürfe kann man noch heute im Goslarer Museum wiederentdecken.

Quellen:

  • Gehrecke, Siegfried; Wislicenus, Hermann
  • GZ-Artikel: 16.01.1996 und 20.09.2000 Martin Stolzemann; 25.04.1974 Hans Hahnemann

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.