Goslarer Straßennamenkatalog - Zeppelinstraße


Zeppelinstraße

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Goslars höchst gelegene, bewohnte Berghangstraße ist T-förmig angelegt und beginnt an der Von-Garßen-Straße gegenüber der Einmündung in die Doktorswiese. Die Zeppelinstraße steigt in einer bogenförmigen Zufahrt steil in West-Richtung zum Steinberg an und überquert den Oberen Triftweg. Zu beiden Seiten der Straße stehen einige der schönsten Prachtvillen Goslars, z.B. die ehemalige Villa Berger. Obwohl der Zugang in der Zeppelinstraße liegt, gehört diese Villa mit ihrem großen Garten postalisch aber zum Oberen Triftweg. Ganz am oberen Ende führt ein zunächst asphaltierter Feldweg gerade hinauf in den 320m hohen Waldhang. Hier stehen noch einige Holzhäuser. Der quer zum Nord-Südhang verlaufende Teil der Zeppelinstraße entstand in zwei Teilabschnitten.

In den 1920er Jahren wurde zunächst die linke Seite der Straße in Richtung Alte Rodelbahn ausgebaut. Hier wurde 1913 mit der Hausnummer 7 eines der ersten Häuser am oberen Steinberg gebaut. Es war das Haus des Goslarer Fliegerhauptmanns Dr. Hildebrandt, einen Adjudanten des Grafen von Zeppelin. Im Oktober 1951 bezog die Ländliche Volkshochschule Südhannover-Braunschweig das markante Gebäude. Danach wurde mit weiteren Neubauten die noch bis 1993 unter diesem Namen geführte Heimvolksschule erweitert.
Seitdem heißt es Bildungshaus Zeppelin e.V.. Der rechts abgehende Straßenteil wurde erst in den späten 60er Jahren ausgebaut. Hier stehen heute zu beiden Seiten parallel zum Berghang moderne Einzelhäuser. Die Straße endet hier als Sackgasse am Fußweg Steile Trift.

Ferdinand Graf von Zeppelin (1838-1917) konstruierte ab 1891 Luftschiffe. Die markanten zigarren förmigen Zeppeline erlangten noch vor dem 1. Weltkrieg Weltruhm. Das Verkehrsluftschiff LZ13 Hansa wurde am 30. Juli 1912 in Dienst gestellt. Es hatte einen Durchmesser von über 14 m, eine Länge von 148 m und wurde mit drei Maybach-Motoren mit einer Gesamtleistung von 450 PS angetrieben, wobei es ca. 19.000 cbm Traggas fasste. Von Hamburg aus wurden weite Fahrten auch über See ausgeführt. Die Hansa legte auf 399 Fahrten über 44.400 Kilometer zurück und beförderte dabei 8231 Personen, von denen aber nicht alle zahlende Passagiere waren.

Zeppelin-Luftschiffe waren seinerzeit die große Attraktion am Himmel. Sie kreuzten ab 1912 bei jeder Witterung regelmäßig zwischen Ludwigsburg, Hamburg und Berlin. So kam es, dass die DELAG Zeppelin-Gesellschaft den Goslarern anbot, mit ihrem schnellsten Luftschiff Hansa auf dem Rückflug von Hamburg nach Baden-Baden über Goslar zu kreisen. Der Unkostenbeitrag von 600 Mark kam in Form von Spenden innerhalb weniger Tage zusammen. Dank der Initiative von Dr. Hildebrandt flog am 13. Oktober 1912 mittags der Zeppelin aus Richtung Braunschweig kommend über Goslar. Das Luftschiff wurde von allen Einwohnern begeistert umjubelt, die in den Straßen und auf den Berghängen standen.

Der Magistrat der Stadt Goslar bat im Juni 1914 in einem Schreiben an den Dr. Ing. Graf von Zeppelin um Erlaubnis,„für das schönste waldumrahmte Villengelände am Steinberg“ die neue Straße Zeppelinstraße zu benennen. Graf Zeppelin antwortete wohlwollend, wobei er diese Auszeichnung als große Ehre empfand. Und so bekam am 1. Juli 1914 Goslars höchst gelegene Straße ihren „luftigdynamischen“ Straßennamen. Erst am 5. November 1928 überflog ein weiteres Mal ein Luftschiff die Stadt Goslar: nach ihrer Rückkehr aus Amerika zeiget sich die Graf Zeppelin morgens um 7 Uhr in einer Höhe von 250m. Aber mit der Explosion der LZ 129 Hindenburg in New York (Lakehurst Landeplatz) am 6. Mai 1937 endete die „goldene Ära“ der Zeppelin-Luftschiffe. Heute fliegen sie aber wieder weltweit als Werbeträger Touristenattraktion, Lastenträger und im Auftrag der Wissenschaft für Forschungszwecke

Quellen:

 

 

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.