Goslarer Straßennamenkatalog - Am Siechenhof


Am Siechenhof

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Die Straße Am Siechenhof befindet sich im nordöstlichen Teil Goslars außerhalb der ehemaligen Stadtmauern. Das Ende der Straße Am Siechenhof ist die unmittelbare Fortführung der Feldstraße. In Richtung Odermarkplatz verläuft die Straße weiter geradeaus als Sackgasse. Vor der Tankstelle knickt sie am Ende als Einmündung in die Okerstraße in Richtung Innenstadt ab. Dieser Straßenteil ist lediglich von einer Seite aus befahrbar und fungiert als Zufahrtsmöglichkeit für Anwohner. Nahezu der gesamte mit grauen Verbundsteinen gepflasterte Straßenzug ist eine verkehsberuhigte 30er Zone. Die eher schmale Straßenführung mit beidseitigen Parkflächen verstärkt diesen Effekt. Eine Besonderheit ist die Einbahnstraßen Zuführung über ein Brücke, aus der höher gelegenen Straße Köppelsbleek.

Vom Am Siechenhof führt ein kleiner Fußweg über eine Treppe zu den Grünanlagen am Köppelsbleek. Bei der Bebauung handelt es sich um ein Gemisch von kleinen gewerblichen Betrieben und Wohnhäusern. Das Straßenbild lässt darauf schließen, dass erst die rechte Seite, von der Feldstraße kommend, bebaut worden ist. Dort finden sich Fachwerkhäuser und die für Goslar so typischen schieferbeschlagenen Häuser. Auf der anderen Straßenseite sind Mehrfamilienhäuser neuerer Bauweise anzutreffen.

Ihren Namen erhielt die Straße per Ratsbeschluss am 12.11.1912. Damals wurde die Schreibweise „Am Siechenhofe“ gewählt. Bereits auf einer Karte von 1200 ist für diesen Bereich eine Leprosenstation dokumentiert. Im Jahre 1265 wurde dort auch die St. Pankratius Kapelle errichtet, 30 Jahre später erweitert und dem heiligen Pankratius geweiht.

Sie wird heute noch als Gotteshaus genutzt. Im Gegensatz zu einigen anderen Gotteshäusern, überstand sie sowohl 1527 die heftigen Auseinandersetzungen zwischen Herzog Heinrich dem Jüngeren und den Bürgern der Stadt als auch den 30 jährigen Krieg. Die Kapelle findet ihre erste urkundliche Erwähnung 1265 als Stiftung des Ritters Burchard von Berwinkel. Sie diente als Unterkunft für Aussätzige. Ritter von Berwinkel schenkte auf Bitten des Rates der Stadt die Vogtei im „Felde zu Siechen“, um eine Unterkunft für die Kranken zu sichern. Im 14. Jahrhundert befand sich im Bereich des Siechenhofes eine Herberge mit Gaststätte, die sinnigerweise „Pockenkrug“ hieß.

In Goslars Leprosenstation „Am Siechenhof“ waren die Leprakranken der Stadt untergebracht. Sie durften nicht am gesellschaftlichen Leben der Stadt teilnehmen, aber an festgelegten Tagen im Jahr vor der Stadt betteln. In den Leprosenstationen herrschten strikte Regeln. Bei Verstößen gegen diese Regeln wurden harsche Strafen verhängt, z.B. Essensentzug für einen Tag. Trotz der Ansteckungsgefahr zogen die Einrichtungen auch „Schmarotzer“ an, denn in den Stationen gab es immer genug zu essen. Die Schnorrer beschmierten sich mit Rossmist, um als Leprakranke durchzugehen. 1750 wurde die Kapelle nach mehreren Bränden abgerissen und 1754 wieder neu erbaut. Der letzte Gottesdienst war im Jahre 1870. Die Auflösung der Stiftung erfolgte im gleichen Zeitraum. Im Gebäude wurden aber weiterhin Patienten mit ansteckenden Krankheiten behandelt. 1949 wurde die Kirche wieder geweiht.

Seit 1951 dient die Kapelle, jetzt „Christuskirche“ genannt, der Evangelischen-Freikirchlichen-Gemeinde als Gotteshaus. Das eigentliche Siechenhaus existiert bis in unsere heutige Zeit hinein. Es handelt sich um einen niedrigen Fachwerkbau, der leicht erhöht liegt. Im Laufe der Jahre waren dort verschiedene Restaurants ansässig. Heute ist es ein Wohnhaus.

Quellen:

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.