Goslarer Straßennamenkatalog - Hirschstraße


Hirschstraße

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Die Hirschstraße beginnt am Köppelsbleek und verläuft leicht ansteigend in nördlicher Richtung bis zum Jürgenweg. Die asphaltierte Straße ist in beide Richtungen einspurig befahrbar und mit breiten Gehwegen ausgestattet. Sie ist als verkehrsberuhigte Zone eingerichtet, in der nur 30 Kilometer pro Stunde erlaubt sind. Beide Straßenseiten sind mit Bäumen bepflanzt, rechts führt ein kleiner Weg in eine Grünanlage mit dichtem Baumbestand. Davor steht ein kleines Gebäude, in dem sich noch in den 50er Jahren ein Kiosk befand. Heute wird es als Taxizentrale genutzt. Auf der linken Seite steht das Verwaltungsgebäude der Felswerke, einer Kalk- und Kalkprodukte herstellenden Firma.

Die Straße ist mit Mehrfamilienhäusern und großen Villen bebaut, die etwa in den 1920er Jahren entstanden sind. Die Häuser sind massiv gebaut und größtenteils von außen verputzt. Jedes Haus besitzt einen Vorgarten, teilweise mit Hecken, Zäunen oder niedrigen Mauern begrenzt. Schaut man vom Jürgenweg aus die Hirschstraße hinab, bietet sich ein schöner Ausblick auf die Harzer Berge. Die Hirschstraße wird erstmals 1921 im Adressbuch der Stadt Goslar erwähnt. Es konnte aber letztlich nicht sicher geklärt werden, wer der Namensgeber der Straße ist, denn mehrere Persönlichkeiten haben sich zur Erklärung herauskristallisiert, die hier auch Erwähnung finden sollen.

Zunächst einmal käme hier Paul Hirsch in Betracht. Er war Stadtoberinspektor und Leiter des früheren Wohlfahrtsamtes Reichenbach im schlesischen Eulengebirge. Von dort aus organisierte er im zweiten Weltkrieg für viele Menschen die Flucht in den Westen. Anfang 1945 fand Hirsch die Leichen von schlesischen Flüchtlingen, viele davon aus der Stadt Brieg, für die im Jahr 1950 die Stadt Goslar die Patenschaft übernahm. Er sammelte und registrierte bei den Toten gefundene Geldbeträge und legte für jeden ein Sparkonto an. Auf seiner eigenen Flucht konnte er diese Sparbücher sicher nach Westdeutschland bringen. Paul Hirsch setzte sich mit der Vertriebenen Betreuungsstelle in Goslar in Verbindung, woraufhin einige Anschriften von Angehörigen der Verstorbenen ermittelt werden konnten. Dadurch war er in der Lage, diese über das Schicksal ihrer Vermissten zu informieren und die Geldbeträge auszuzahlen.

Als weiterer Namensgeber der Straße bietet sich der Goslarer Obergerichtsrat Hirsch an. Er verfügte 1895 in seinem Testament, sein gesamtes Vermögen in Höhe von 70.000 Mark dem Armenhaus, dem St. Annenhaus, dem Kleinen Heiligen Kreuz und dem Neuwerkstift zu vermachen. Weitere Informationen über diesen edlen Spender waren jedoch nicht zu erlangen.

Als dritte Möglichkeit bietet sich ein gewisser Johann Georg Hirsch an, der zwar von 1723-1763 Bürgermeister der Stadt Goslar war, bei dem die Recherchen jedoch ebenfalls weitgehend im Sande verliefen. Und ganz zum Schluss bleibt natürlich noch die banale Möglichkeit, dass die Straße nach dem bekannten Waldtier benannt wurde und sich hier in früheren Zeiten schlicht und ergreifend vielleicht der Brunftplatz der Hirsche befand.

Quellen:

  • Stadtarchiv Goslar, Adressbuch 1920
  • Theuerkauf, Armin; Chronik der Stadt Goslar, Band IV, 1881 – 1932
  • Verschiedene Autoren; Goslar machte den Anfang, Hrsg.: Stadt Goslar

 

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.