Goslarer Straßennamenkatalog - Köppelsbleek


Köppelsbleek

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Der Köppelsbleek ist die südliche Begrenzung des Stadtteils Georgenberg. Die Straße ist eine Verlängerung der Bismarckstraße. Von hier kommend führt sie als breite Verkehrsstraße, steil abwärts durch eine Unterführung bis zur Kreuzung Okerstraße. Rechts davon verläuft parallel dazu ein weiterer schmaler Teil des Köppelsbleek der mit historischen Fachwerkhäusern bebaut ist. Dieser Straßenabschnitt ist ein verkehrsberuhigter Bereich, der von beiden Seiten in Schrittgeschwindigkeit befahrbar ist.

Auffallend ist hier ein Haus, das mit einem Schiefer gedeckten Türmchen geschmückt ist. Einige der Häuser haben Vorgärten, die bis zur Brückenunterführung reichen. In diesem Straßenabschnitt führt auch eine Verbindung vom Köppelsbleek zum Siechenhof. Ein Park auf der linken Seite des Köppelsbleek lädt die Anwohner zu einem Spaziergang ein. Vor diesem Park sind mit Verbundsteinen gepflasterte Fußgänger- und Radwege vorhanden, die neben der Straße durch eine Unterführung hindurch gehen. Alle Bereiche sind durch Eisengeländer von der Fahrbahn sicher getrennt.

Beim Köppelsbleek handelt es sich um einen alten Flurnamen aus dem Jahr 1859, dessen Gebiet östlich des „Jürgenberges“ lag. Die Straße galt als Verlängerung der Alten Hildesheimer Heerstraße. Wo heute das um 1895 vom Oberförster Carl Reuß angelegte Köppelsbleekwäldchen steht, befand sich bis dahin noch eine von Goslars sumpfigen Müllkippen.

Auf der Karte um 1913 hieß die Straße noch Am Georgenberg. Erstmals taucht der Name Am Köppelsbleek im Adressbuch von 1933 auf. Am 29.06.1961 wurde der Straßenname per Ratsbeschluss in „Köppelsbleek“ umbenannt. Die wörtliche Bedeutung des Wortes „Köppelsbleek“ leitet sich ab von „Köppel“ = „Kopf“ und „Bleek“ = „bleichen“. Weil dieser Ort einst eine Richtstätte war, an dem im Mittelalter die Menschen hingerichtet wurden und Hexenverbrennungen stattfanden, lässt sich vermuten, dass die bleichenden Schädel damit bezeichnet wurden. Hingerichtete wurden nicht begraben.

Hexenverbrennungen, Hexen- und Zauberprozesse hat es in Goslar schon im 16. Jahrhundert gegeben. Zaubereiprozesse wurden gegen Personen abgehalten, die durch Zauberei anderen Menschen Schaden zugefügt hatten. Dies waren z. B. Schadens-, Wetter-, Milch-, Liebes-, Krankheitszauber und das zauberische Töten von Tieren und Menschen. Die mittelalterlichen Menschen unterschieden zwischen der weißen guten Magie, z. B. die Heilkunst und der Wahrsagerei sowie der negativen schwarzen Magie, die zum Schaden der Menschen und Tiere betrieben wurde.

In Goslar fand der erste bekannte Zaubereiprozess noch während der Reformationszeit und den Auseinandersetzungen der Stadt mit Herzog Heinrich dem Jüngeren von Braunschweig/Wolfenbüttel um den Rammelsberger Bergbau statt. Wegen dieser Zeitumstände ist der Prozess daher auch eher politisch motiviert. Im Jahr 1578 wurden laut archivalischen Belegen die Verbrennung zweier Frauen bekannt. Dieses wurde von dem Scharfrichter Meister Lorenz in den Tafelamtsrechnungen belegt. Vermutlich war 1631 Maria Hildebrandt die letzte Hexe, die verbrannt wurde. Heute ist die „Brockenhexe“ zur touristischen Symbolfigur des Harzes geworden.

Quellen:

  • Stadt Goslar, Bauamt; Straßenverzeichnis der Stadt Goslar
  • Stadtarchiv Goslar, Akte I/203/14
  • Stadtarchiv Goslar, Adressbuch 1933
  • Titz-Matuszak, Ingeborg; Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Zauber- u. Hexenprozesse in Goslar, Band 65, 1993

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.