Goslarer Straßennamenkatalog - Reußstraße


Reußstraße

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Von der Heinrich-Pieper-Straße kommend, gegenüber der Wachtelpforte gelangt man in die Reußstraße. Rechter Hand wird man von einem Backsteinhaus mit orientalisch anmutender Kupferkuppel begrüßt, in dem übrigens auch ein Goslarer Gerichtsvollzieher seine Heimat hat. Auf dieser Höhe muss man mit dem Pkw abbremsen, da sich hier eine Bodenwelle zur Verlangsamung der Geschwindigkeit befindet. Weiterführend stehen ältere Stadthäuser mit kleinen Vorgärten sowie rechter Hand ein Garagenkomplex. Prägend für die Straße sind auch die Laubbäume, die rechts und links emporragen. An der Kreuzung Tappenstraße steht rechts das St. Jakobushaus mit reichlichen Stuckverzierungen und einer Kupferkuppel.

Diese von Kommerzienrat Alberti um 1900 errichtete repräsentative Villa dient seit 1959 der Diözese Hildesheim als Bildungsstätte. Kommt man zur Kreuzung Geheimrat-Ebert-Straße, fällt der Blick auf die imposante Villa Georgenberg, deren rechter Eingang mit Säulen im griechisch-römischen Stil gehalten ist. Schräg gegenüber liegt die Ruine der ehemaligen Stiftskirche St. Georg. Die Straße mündet nach etwa 100 m in eine Sackgasse, die kaum Platz zum Wenden lässt, da dort Autos parken. Rechts führt ein schmaler Fußweg hinunter zur Bismarckstraße.

Die Reußstraße, wegen des Ausblicks auch „Balkon des Georgenbergs“ genannt, wurde zwischen 1885 und 1945 bebaut. Blättert man die Adressbücher der Stadt Goslar durch, dann findet sich der erste Eintrag für die Reußstraße 1904. Carl Reuß oder Karl Reuss wurde am 3. November 1844 in Harzgerode als Sohn einer Försterfamilie geboren. Er absolvierte in Tharandt ein forstwirtschaftliches Studium und sammelte im Solling, in Lautenthal und in Osterode erste Erfahrungen. Reuß bewarb sich 1873 um die Oberförsterstelle in Goslar, die er nicht zuletzt dank der Gönnerschaft von Forstdirektor Burckhardt aus Hannover auch bekam. Mit dem Aufbau eines umfangreichen Wegnetzes von 110 km in und um Goslar erwarb er sich große Verdienste. Letztlich war es Reuß, der es mit dem Ausbau von Forstwegen ermöglichte, Hahnenklee bequemer zu erreichen. Als stellvertretender Vorsitzender des Harzklubs, den er mitbegründete, sorgte er nicht nur in Goslar, sondern darüber hinaus im ganzen Harz für eine einheitliche Wegebezeichnung: In Lateinisch und mit „grüner Tanne“ als Zeichen des Harzklubs. Er war es auch, der auf einer ehemaligen Müllkippe das Köppelsbleekwäldchen anlegen ließ, ebenso den Weinbergstieg, an dem sich heute eine Gedenktafel befindet, die an „Oberforstrath Karl Reuss“ erinnert. Auch sorgte er für die Ausgrabung der Georgenbergruine.

Am 24. September 1893 verließ Carl Reuß Goslar, um wie schon zuvor sein Vater Ludwig die Leitung der herzoglichen anhaltinische Staatsforste in Dessau zu übernehmen. Dort verstarb er am 22. April 1918 nach einem Herzanfall.

Quellen:

  • Gottschalk, Werner; Chronik der Stadt Goslar, Band III, S. 76/77
  • Stadtarchiv Goslar; Akte ZS2-196

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.