Goslarer Straßennamenkatalog - Wachtelpforte


Wachtelpforte

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Die Wachtelpforte ist eine der wichtigsten Verbindungsstraßen zwischen dem Georgenberg und dem Gewerbegebiet Baßgeige. Sie beginnt südlich an der Heinrich-Pieper-Straße, lässt den Stadtgarten links liegen, führt über den Kuhlenkamp, überquert die B6 und mündet nördlich in die Bornhardtstraße. Wenn man die Wachtelpforte aus der Heinrich-Pieper-Straße kommend befährt, fällt einem linker Hand sofort der großzügige Stadtgarten auf. Er ist ein von großen Bäumen natürlich umzäunter Park mit riesiger Rasenfläche. Des Weiteren befindet sich auf dem Gebiet des Stadtgartens eine Minigolfanlage, die im Sommer ein hochfrequentierter Besuchermagnet ist. Auf der rechten Seite fallen zunächst die Neubauten ins Auge, die optisch aber erstaunlich gut in das Landschaftsgefüge passen. Ein Stückchen weiter steht eine moderne Turnhalle, neben der sich früher das städtische Hallenbad befand.

Dieses Hallenbad wurde 1965 fertiggestellt, aber im Zuge des Aquantic-Neubaus 1990 abgerissen. Wenn man weiter in Richtung Norden fährt, sieht man rechter Hand einige Firmen sowie einen großen Neubaublock, der als Ärztehaus fungiert. Zur Linken befinden sich einige Geschäfte sowie vereinzelt ältere Häuser aus der Anfangszeit der Bebauung dieses Gebietes. Überquert man nun die B6, kann man links ein optisch gewöhnungsbedürftiges Sport- und Freizeitcenter erspähen. Ihm folgen dann das DRK Gebäude sowie hinter einem von Bäumen gesäumten See das allseits beliebte Finanzamt. Noch heute existiert der kleine Entenkuhlenteich vor dem in den 80er Jahren errichteten Finanzamt-Gebäude. Gegenüber kann man das riesige Schulzentrum der Berufsbildenden Schulen (BBS) bewundern.

Kommen wir nun zur Entstehung des Straßennamens. Ursprünglich handelte es sich um einen mittelalterlichen Feld- und Flurnamen und somit um eine Gebietsbezeichnung. Schon erwähnt auf einer Urkunde von 1543, heißt es dort über die Grenzziehung des kleinen Snids „Vom Sawteiche ist man gezoged uff die rechte hand, bey dem graben auff nach der Wachtelpforten, das ist auch ein schlag hintter dem Kattenberge“. Mit dem Begriff „Schlag“ ist ein Durchlass in der Landwehr gemeint. Des Weiteren ist das Gebiet auf einer Karte aus dem Stadtarchiv, datiert auf 1630, bezeichnet mit „Land, welches die Wachtelpforte genennet wird“.

Nun wechselte über die Jahrhunderte hinweg auch die Schreibweise des Öfteren. Angefangen mit wachtelen porten über Wachtelen pforten, Wachelpforte, Wachstapenporte, Wachtpforte, Auf der Wartepforte, Wachtepforte bis zu einem Eintrag im Adressbuch der Stadt von 1938, wo es In der Wachtelpforte heißt. Den heutigen Namen Wachtelpforte findet man erstmals im Adressbuch von 1948/49.

Unter Wachtelpforte könnte man sich einen Durchlass für die in Gourmetrestaurants so beliebten hühnerähnlichen Vögel vorstellen. Das wäre aber vermutlich zu einfach gedacht. Lässt man nur das „L“ weg, welches über die Dialekte öfters mal verschwand und dann wieder auftauchte, kann man deutlich zwei Wortstämme erkennen: „Wacht(e)“ und „Pforte/ Porte“. Die Begriffe Wachte, Wacht, Wachen oder Bewachtung umschrieben früher einen verschließbaren Durchbruch in einer Umfriedung oder Stadtmauer. Übersetzt man nun das lateinische Wort porta mit Tor oder Pforte, ist es gut vorstellbar, dass die Wachtelpforte einst ein für die Stadt strategisch wichtiger Ort gewesen ist, welcher eventuell auch bemannt war.

Die ersten Hinweise zur Bebauung der Straße finden sich im Protokoll einer Magistratssitzung vom 20.03.1924. Dort heißt es „1. Schreiben an Maurermeister G. Meyer. Kartenblatt 20, Parzelle 120 der Gemarkung Goslar, neu erbautes Haus hat die Bezeichnung In der Wachtelpforte Nr. 8 erhalten.“

Quellen:

  • Grundner-Culemann, Alexander; Flurnamen des Stadtkreises Goslar
  • Lübben, August; Mittel-Niederdeutsches Handwörterbuch, Band II, 1888
  • Stadtarchiv Goslar; Akte I 203/14

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.