Goslarer Straßennamenkatalog - Reiseckenweg


Reiseckenweg

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Der Reiseckenweg befindet sich am Rande der historischen Altstadt unmittelbar hinter den Wallanlagen. Er gehört dem Stadtteil Rosenberg an, der an das Siemensviertel angrenzt. Als Verlängerung des Zwingerwalls beginnt er am Bleicheweg und endet an der großen Ampelkreuzung vor dem Breiten Tor. Links liegt die Innenstadt und die anderen Richtungen sind Ausfallstraßen nach Hildesheim, Oker und Clausthal. Einseitig zweigen mehrere Seitenstraßen ab, wie z.B. der Rosenberg, die Sieben Linden, die Schützenallee und die Straße Osterfeld. Der großflächige Platz Osterfeld wird manchmal von einem hier gastierenden Circus oder sonst als einzige gebührenfreie Parkfläche von Reisebussen, Touristen und der in der Innenstadt arbeitenden Bevölkerung genutzt. Jährlich findet hier das Schützenfest statt. Es ist nach Hannover das zweitgrößte in ganz Europa.

Ansonsten gibt es über die langgezogene Straße noch einiges zu sagen. Sie verläuft entlang der Wallanlagen, die sich von der Kaiserpfalz bis zum Breiten Tor erstrecken. Die „grüne Lunge“ der Stadt Goslar lädt zu schönen Spaziergängen ein. Das Goslarer Flüsschen, die Abzucht tritt am Werderhof durch ein bogenförmiges Wasserloch in der Stadtmauer aus der Goslarer Altstadt heraus, fließt durch die parkähnliche Wallanlage und unterquert die Straße in Höhe des Altenheimes Abendfrieden. Die einseitige Bebauung des Reiseckenweges beschränkt sich auf einige wenige Objekte. Nach einem Wohnblock mit vielen Mieteinheiten folgt das Henkershaus, eine Tankstelle und der Lindenhof, das sogenannte Schützenhaus Ecke Schützenallee, ein gastronomischer Betrieb mit Saal. Erwähnenswert ist noch, dass die Tankstelle rund um die Uhr geöffnet ist und Nachtschwärmer mit leckeren Baguettes vor dem drohenden Hungerstod bewahrt.

Der Name rührt wahrscheinlich daher, dass dieser teilweise hohlwegartig verlaufende Pfad früher mit Reiserhecken (Reisighecken) begrenzt war. Er befindet sich außerhalb der Stadtmauer und wurde vielleicht auch von Reisigsuchern genutzt. Er führte an den Wallanlagen entlang, die heute als grüne Ruhezone die Stadt umschließen und früher für Reisigsammler sicher ein lohnendes Ziel waren. Auch das Wohnhaus des Henkers und Abdeckers von Goslar lag außerhalb der Stadt vor dem „Lamborger Dor“, das im Katalog 1 unter St. Annenhöhe näher beschrieben ist. Das Henkershaus wurde Hengerie oder Meisterei genannt. Der Henker betätigte sich auch manchmal als Menschen- und Viehdoktor. Um 1600 wurde am Reiseckenweg dieses Haus neu erbaut und 1677 erweitert. Seit dem 17. Jahrhundert wird es als Scharfrichterey Kägelworth urkundlich erwähnt.

Quellen:

  • Griep, Hans-Günther; Harzer Legenden, Thuhoff, August; Goslar, 2. Auflage 2003

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.