Goslarer Straßennamenkatalog - Okerstraße


Okerstraße

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Die Okerstraße beginnt nordöstlich der Goslarer Innenstadt direkt am Breiten Tor. Zusammen mit der Straße Im Schleeke verbindet sie die Innenstadt mit dem Ortsteil Oker, dem sie auch ihren Namen verdankt. Besucher der Stadt streifen die Okerstraße meist nur flüchtig, wenn sie das Breite Tor besichtigen. Das 1443 errichtete Stadttor wurde in den folgenden Jahrhunderten zu einem eindrucksvollen Bollwerk erweitert, das die Stadt vor Angriffen ihrer Feinde vor allem aus dem Herzogtum Braunschweig- Wolfenbüttel beschützen sollte. Neben dem Breiten Tor, das eigentlich nur als inneres Tor hinter einem wesentlich mächtigeren Haupttor diente, zeugen der Rieslingsturm und der Werderhof von der einstigen Größe dieser Befestigungsanlage. Sie flankieren rechts und links den Weg aus der historischen Innenstadt auf die Okerstraße. Das ist dann auch schon der einzige Hauch von Mittelalter, den die Okerstraße versprüht. Nur ein paar Schritte weiter und man findet sich auf einer breiten, mehrspurigen Hauptverkehrsstraße mit Anbindung an den Fernverkehr wieder.

Die Lage direkt vor dem Haupttor der Stadt deutet es an: Dort, wo heute die erste Hälfte der Okerstraße verläuft, befand sich schon immer einer der Hauptverkehrswege in die Stadt hinein und aus ihr hinaus. Allerdings verliefen früher die Wege nicht ganz so geradlinig wie heute, ihren Verlauf kann man jedoch heute noch ganz gut nachvollziehen. An der ersten Kreuzung gehen links der Köppelsbleek und rechts der Reiseckenweg ab, die beide im großen Bogen zurück in Richtung Westen um die Altstadt herum führen. Im 15. Jahrhundert verliefen hier die wichtigen Verkehrswege. Über sie kam man nach Braunschweig im Norden und Bad Harzburg im Süden. Verließ man damals die Stadt auf geradem Weg, also so, wie heute die Okerstraße verläuft, gelangte man zu den an der Abzucht gelegenen Erzhütten und Kupfermühlen.

Lässt man die erste Kreuzung hinter sich, kommt man an der Feuerwache und dem ehemaligen Schlachthof vorbei auf den Odermarkplatz. Namensgeber waren die Herrenbekleidungswerke Odermark, die ursprünglich aus Stettin stammten und sich 1948 in Goslar angesiedelt haben. Mit bis zu 4000 Mitarbeitern war die Firma Odermark in ihrer Blütezeit einer der größten Arbeitgeber Goslars. Das 1955 entstandene Odermark-Hochhaus dominierte über Jahrzehnte das Straßenbild der Okerstraße, wird aber voraussichtlich 2012 abgerissen, um einem neuen Einkaufszentrum Platz zu machen.

Der Odermarkplatz ist weniger ein Platz im eigentlichen Sinn, als eine komplexe Ampelanlage und Verkehrskreuzung. Links ab geht es über die Immenröder Straße zur Umgehungsstraße und zum Fernverkehr, während die Okerstraße sich rechts am Gewerbegebiet Gutenbergstraße entlang gen Oker zieht. Mittendrin fällt der Blick auf ein fast sakral anmutendes Bauwerk mit Uhrenturm, allerdings keine Kirche: Die ehemalige Maschinenfabrik Hermann Weule. In dem 1911 erbauten Industriedenkmal befindet sich heute ein Baumarkt. Nach der Abzweigung zur Immenröder Straße, über die ab hier der Großteil des Fernverkehrs weiter rollt, wird die Okerstraße etwas schmaler und führt durch ein sogenanntes Mischgebiet, in dem sich Wohnhäuser und Gewerbebetriebe am Straßenrand abwechseln. Noch bevor man Oker erreicht, geht die Okerstraße in die Straße Im Schleeke über.

Quellen:

  • Griep, Hans-Günther; Goslar um 1500
  • Saft, Albert; Oker - Eine Chronik 1883 bis 2007
  • www.harzlife.de


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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.