Goslarer Straßennamenkatalog - Schreiberstraße


Schreiberstraße

Schreiberstrasse 1
Schreiberstrasse 2
siemenshaus

Die Schreiberstraße befindet sich im nördlichen Teil der Frankenberger Kirchengemeinde. Sie verbindet in nord-südlicher Richtung die Bergstraße mit der Frankenberger Straße. Sie erscheint schon auf einer für das Jahr 1200 datierten Straßenkarte als Riekenstraße und für das 15. Jahrhundert ist sie als Schreiberstraße aufgeführt. Der Straßenname leitet sich von dem hier ansässigen Schreiber Tile Schriver ab.

Mit insgesamt fünf Bürgermeistern, die hier schon wohnten, gehört sie zu den bevorzugten Wohnstraßen in Goslar. Ihre bauliche Bedeutung behielt sie über die Jahrhunderte. Wir können in der Schreiberstraße 1 und 2 die in Goslar zuerst feststellbare „Giebeldrehung“ nachweisen. In der Zeit der Erbauung im späten 13. Jahrhundert wurden die Häusergiebel zur Straße gebaut. Diese Bauweise war nachteilig für die Grundstücksnachbarn, da das von den Satteldächern abfließende Wasser die Nebengebäude schädigte. Daraufhin wurden die Häuser mit ihrer Giebelseite „gedreht“. Dies wurde dadurch erreicht, dass man an die steinernen Kemenaten Fachwerk ansetzte und mit dem Nachbarhaus verband. Auf diese Weise erkannte man schnell den Vorteil der Reihenbauweise; das heutige Reihenhaus war geboren und ist noch heute der charakteristische Baustil.

Die Schreiberstraße bildet die Grenze zwischen der Gemeinde zum Frankenberg und der Marktgemeinde. Der alte Grenzstein befindet sich an der Ecke Frankenberger Straße und Schreiberstraße. Die herausragenden Gebäude in der Schreiberstraße sind die Häuser Nr. 2 und Nr. 10. Letzteres gehörte dem ehemaligen Bürgermeister Carsten Balder. Die Nr. 2 am Ende der Straße ist das sogenannte Siemenshaus. Es wurde im Jahr 1693 im spätbarocken Stil erbaut und diente als Brauerei, Lagerhaus und Krämerladen. Das Haus wurde 1917 von der Familie Siemens zurückgekauft, zum Anlass des 100. Geburtstages von Werner von Siemens. Dieser wurde aufgrund seiner Erfindung des dynamoelektrischen Prinzips 1888 von Friedrich dem Dritten in den Adelsstand erhoben. Das Siemenshaus gilt als Keimzelle des heutigen Weltkonzerns Siemens.

Quellen:

  • Griep, Hans-Günther; Karten „Goslar um 1200“, „Goslar um 1500“
  • Frölich, Karl; Die Goslarer Straßennamen
  • Siemensstiftung 2009
  • Moritz, Thomas; Stadtführer

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.