Goslarer Straßennamenkatalog - Charley-Jacob-Straße


Charley-Jacob-Straße

Charley-Jacob-Strasse 1
Charley-Jacob-Strasse 2
Charley-Jacob-Strasse 4

Die Straße verbindet die Breite Straße mit der Kornstraße und liegt in der Altstadt von Goslar. Sie wurde nach dem 1970 verstorbenen jüdischen Mitbürger Charley Jacob benannt. Die Familie Jacob lebte bis 1929 in der Siemensstraße 22, danach in der Ludwig-Jahn-Str. 13. Von Beruf war Charley Jacob Kaufmann und führte als Lederhändler das Schuhmachergeschäfts des Vaters in der Petersilienstraße 3-4. Heute befindet sich dort die Buchhandlung Tippach. Er, seine Frau Emma sowie die Kinder Manfred und Hans-Peter wurden kurz vor Kriegsende am 19. Februar 1945 in das KZ Theresienstadt deportiert. Nach ihrer Befreiung hat sich Charley Jacob zeitlebens für die Aussöhnung zwischen Juden und Christen eingesetzt. Er wird als einfacher, bescheidener Mensch beschrieben, der sich besonders um jüdische Kinder und Jugendliche kümmerte.

Die Straße trug in der Zeit von 1368-1935 den Namen „Judenstraße“. In diesem Bereich durften die Juden Handel treiben. Von den Nationalsozialisten wurde die Straße in Kurze Straße umbenannt. 1979 entschied sich der Rat der Stadt Goslar, die Straße stellvertretend für die Opfer des Völkermordes in Charley-Jacob-Straße umzubenennen. Von den damals 50 jüdischen Bürgern Goslars wurden 16 ermordet.

Im Jahr 1977 sind einige Häuser des Straßenzuges abgerissen worden, um dem Neubau eines Verwaltungsgebäudes Platz zu machen. Bei den Arbeiten zur Errichtung des Neubaues kam es zu Behinderungen, da man Gegenstände aus dem Mittelalter fand und so der Neubau fast ein Jahr ruhen musste. Heute befindet sich dort ein großer Teil der Stadtverwaltung und das Bürgerbüro.

Quellen:

  • Goslar/Kommunales Leben 79/80, Blattsammlung im Stadtarchiv GS
  • Lange, Horst Günter; Geschichte der Juden in Goslar/ Heft 41
  • Gedenktafel Glockengießerstraße/Trollmönch
  • Griep, Hans-Günther;Interview vom 08.12.2010

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.