Goslarer Straßennamenkatalog - Gosewinkel


Gosewinkel

Gosewinkel 1
Gosewinkel 2

Der Gosewinkel liegt in der Goslarer Altstadt und verband früher die Bäckerstraße rechtwinkelig mit der Fischemäkerstraße. Sie trägt ihren Namen nach dem gleichnamigen Fluss Gose. Da die Fischhändler in der Fischemäkerstraße für ihren Fischverkauf auf Frischwasser angewiesen waren wurde ein Kanal von der Gose mit einem Auffangbecken im Gosewinkel angelegt. Dieses Becken hatte die Form eines umgedrehten „L“. Der Weg, der an dem Verlauf entstand, wurde deshalb Gosewinkel genannt.

Archäologische Funde dokumentieren, dass neben Resten der frühneuzeitlichen Bebauung hölzerne und in Stein gefasste Kloaken vom hohen Mittelalter bis in die Neuzeit sowie ein neuzeitlicher Brunnen vorhanden waren. Die Kloaken enthielten neben organischem Material Keramiken, als besonderer Fund konnte ein nahezu unversehrter romanischer Knochenkamm geborgen werden.

Im Jahr 1388 wurde vom Rat eine Synagoge im Gosewinkel erbaut und an die Juden verpachtet. Juden konnten in dieser Zeit zumindest Grundbesitz pachten und dadurch auch unter den Christen wohnen. Damals lebten wohl etwa 80-100 Juden in der Stadt.

Fischemäkerstraße, Breite Straße, Sommerwohlenstraße und Bäckerstraße bildeten einen Baublock im Herzen der Goslarer Altstadt, nur wenige Meter vom Marktplatz entfernt. Dessen Randbebauung stammt überwiegend aus der Zeit von 1750 bis 1850. Das Blockinnere wurde durch zwei Gassen erschlossen, neben dem Gosewinkel noch von der Pfannhecke. Die Pfannhecke gibt es heute gar nicht mehr, sie wurde um 1500 bebaut und verschwand vollständig. Hier im Blockinneren befand sich noch 1803 ein Stauteich zur Wasserentnahme, um 1960 waren hier die Kinos „Smoky“ und „Maxim“ sowie die Diskothek „Dream Boat“ zu finden.

Ab Mitte der 90er Jahre entwickelte der spätere Erbauer der Kaiserpassage, Hans-Joachim Tessner, die Idee, in diesem Block ein Einkaufszentrum zu errichten. Er kaufte die erforderlichen Grundstücke und erteilte Ende 1992 die Planungsaufträge. 1993 wurden die Kinos und das Modehaus Rudolph an der Breiten Straße abgerissen, im Oktober mit dem Bau begonnen. Mit der Neugestaltung der Kaiserpassage entfiel vor nicht allzu langer Zeit der Winkel zur Fischemäkerstraße. Heute ist der Gosewinkel deshalb nur noch eine gepflasterte Sackgasse, die von der Bäckerstraße zu den Hintereingängen der Fachwerkhäuser in der Fischemäkerstraße führt.

Quellen:

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.