Goslarer Straßennamenkatalog - Markt


Markt

Markt 1
Markt 2
Markt 3

Der kopfsteingepflasterte Markt oder Marktplatz liegt zentral im Stadtkern Goslars direkt am Rathaus. Im Zentrum des Marktplatzes befindet sich ein Brunnen, das sogenannte „Marktbecken“. Der Brunnen wurde in sächsischer Gießerkunst angefertigt. Die untere Schale stammt aus dem 12. Jahrhundert und gehört zu den ältesten Brunnen aus der Zeit der Romanik. Der vergoldete Adler mit ausgebreiteten Schwingen und der Krone auf dem Haupt weist auf die Stellung Goslars als kaiserlich freie Reichsstadt hin. Als Wahrzeichen der Reichsstandschaft wurde der Adler auch in das Stadtwappen übernommen. Der Brunnenschaft läuft im unteren Becken in grotesken Drachenfiguren aus. Sein Platz war früher nicht zentral auf dem Marktplatz, sondern so vor der Worthstraße platziert, dass er von allen abgehenden Straßen aus von weitem bereits gesehen werden konnte.

Am Kaiserringhaus kann man vier Mal täglich ein Glocken- und Figurenspiel beobachten, welches 1968 anlässlich des 1000-jährigen Bestehens des Bergbaus im Rammelsberg gestiftet wurde. Links daneben befindet sich heute die Touristeninformation, früher stand dort die Ratswaage.

Zu den Sehenswürdigkeiten am Markt zählt auch die Kaiserworth, ein 1494 für die Gewandschneider erbautes Steinhaus. „Worth“ bedeutet soviel wie Wohnstättenplatz. Der Name Kaiserworth ist erst 1831 aufgekommen im Hinblick auf die Kaiserfiguren am Gebäude, die man im 17. Jahrhundert dort angebracht hat. Hier findet sich auch das berühmte Dukatenmännchen.


Angrenzend an den Markt ist das Goslarer Rathaus, in dessen Erdgeschoss sich eine Halle für den Warenverkauf befand. Unter Herrschaft der Habsburger wurde 1450 das neue Rathaus erbaut. Die große Däle im Obergeschoss nutze man nicht nur für Versammlungen und repräsentative Empfänge der Stadt, sie diente auch als Saal für Vergnügungen und Tanz der Bürger.

Von dieser Däle aus sind 3 Sonderräume zugänglich gewesen. Das Zimmer des Schreibers mit dem Archiv, der Sitzungssaal - auch als Huldigungssaal des Rates bekannt - und ein Gerichtsraum. Der Ratsweinkeller im Kellergeschoss hat seit dem Mittelalter seine Bedeutung behalten. Die Marktfront vom Rathaus wird durch die „Lauben“ im Erdgeschoss geprägt. In direkter Nähe zum Markt befindet sich auch die Marktkirche, die 1151 erstmals urkundlich erwähnt wurde und in der Einleitung zum Marktbezirk näher beschrieben wird.

Bevor die Stadt Goslar als solches entstand gab es im Tal der Gose bereits einen Rastplatz fahrender Händler, der an der Kreuzung zweier Wege lag. Der eine führte am Harzrand entlang, der andere kam von der Pfalz bei Werlaburgdorf. Diese „vicus Goslaria“ war der Beginn eines regelmäßigen Marktes. Der erste richtige Goslarer Markt, in früheren Zeiten auch als „Forum“ bezeichnet, lag nördlich der Marktstraße. Die Klöster stellten Budenzeilen kammartig und rechtwinklig zur Marktstraße auf und vermieteten sie an die Händler. Der frühere mittelalterliche Markt bestand dadurch aus basarähnlichen Straßen, die in gleichförmiger Reihe von der Hauptachse Fleischscharren – Marktstraße nach Norden abzweigten. Es waren von West nach Ost die Marktstraße, die Marstallstraße, die hintere Marstallstraße, die Münzstraße, die Hokenstraße, die Bäckerstraße, die Fenstermäkerstraße (heute nicht mehr zugänglich) und die Fischemäkerstraße, dazu der Schuhhof und der Gemeindehof.

Die hohen Kosten für die Hallen und Scharren (Buden) führten in den Jahren 1290-1293 aber zum Streit der Gewerbetreibenden mit den Klöstern. Ziel der Händler war die Einrichtung eines gemeinen Marktes, eines „forum commune“. Dazu benötigte man einen Platz angemessener Größe, um außer den Inhabern der alt privilegierten Marktbaulichkeiten am Schuhhof und neben der Marktkirche weiteren Kreisen einen Anteil am Marktverkehr zu verschaffen. Viele der Gewerbetreibenden zogen deshalb aus und richteten einen Neumarkt an der Stelle des heutigen Marktplatzes und am Marktkirchhof ein. Einige der alten „Basargassen“ verschwanden danach allmählich und es verwischte so das ursprünglichen Grundrissbild der Marktanlage.

Der heutige große Marktplatz hat erst im 14. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Änderung in den Gewässerverhältnissen seine spätere Ausgestaltung erfahren. Um 1500 werden sowohl auf dem Marktplatz als auch auf dem Schuhhof die meiste Zeit im Jahr Verkaufsbuden gestanden haben. In der heutigen Zeit findet auf dem Marktplatz kein Wochenmarkt mehr statt. Diesen kann man vielmehr an 2 Tagen in der Woche rund um die Jakobikirche besuchen. Der Marktplatz selbst wird überwiegend für gastronomische und touristische Zwecke sowie für Sonderveranstaltungen genutzt.

Quellen:

  • Griep, Hans-Günther; Goslar um 1500
  • Griep; Hans-Günther; Goslar - Der Marktbezirk
  • Woltereck, K.; Goslar.Aus dem Leben einer 1000jährigen Stadt
  • Doering, Oskar; Goslar und Hildesheim
  • Frölich, Karl; Das Stadtbild von Goslar im Mittelalter
  • Verein für Fremdenverkehr; Goslar
  • Marktkirche Goslar; Die Türme

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.