Goslarer Straßennamenkatalog - Trollmönch


Trollmönch

Trollmoench 1
Trollmoench 2
Trollmoench 3

Der Trollmönch verbindet die Glockengießerstraße mit der Straße An der Abzucht in Höhe des Moritz-von-Sachsen-Platzes. In ihrer Verlängerung liegt die Schulstraße.

Der Name „Trollmönch“ taucht erstmals um 1500 in Urkunden der Stadt Goslar auf. Er erklärt sich von den „Trollbrüdern“, einer im 14. Jahrhundert gegründeten Laienbruderschaft. Deren Mitglieder, die Celliten, wurden auch „Lollarden“, „willige Arme“ oder „Innige Brüder“ genannt, und es gab noch etliche solcher Bezeichnungen. Die Ordensbrüder betätigten sich während der „Pestzeit“ als Krankenpfleger oder Totengräber. Furchtlos verrichteten sie diese Tätigkeit. Lollarden nannte man sie deshalb, weil sie einen lallenden Gesang bei den Beerdigungen anstimmten. Wahrscheinlich siedelten sie sich hier an, da an diesem Platz der sogenannte „Armenfriedhof“ lag und vermutlich eine kleine Kapelle stand. Die kirchliche Nutzung endete mit der Reformation.

Die Ordensunterkunft wurde 1550 an Fritz von der Schulenburg verkauft. Anschließend ging sie durch Erbschaft in den Besitz der Familie von Salder und 1609 in städtischen Besitz über. Die Stadt nutzte sie mehrmals als Gefängnis. Der Hannoversche Staat übernahm die Anlage im Jahre 1860 und nutzte sie als Kaserne. Seit 1898 ist das Gebäude wieder in Privatbesitz und wurde in eine Gaststätte mit altertümlichem Ambiente umfunktioniert. Nach dem Abbruch von Tor und Hofmauer verbrachte man die Wappensteine in das Museum. Von der früheren Anlage ist noch der Giebel zur Straße „Trollmönch“ erhalten geblieben. Ende des 19. Jahrhunderts bebaute man auch den Armenfriedhof.

Im dunkelsten Kapitel unserer Geschichte stand im Trollmönch auch ein Judenhaus. Im Haus Nummer 3 wohnten die Juden zwangsweise vom 8. Juni 1942 bis zu ihrem Abtransport in die Konzentrationslager am 16. März 1943. Das Goslarer Judenhaus wurde 1959 abgerissen.

Quellen:

  • Griep, Hans-Günther; Goslar um 1500
  • Griep, Hans-Günther; Ausgrabungen und Bodenfunde im Stadtgebiet Goslar, Band III, S. 27
  • Frölich, Karl; Die Goslarer Straßennamen
  • www.geschichtsforum.de
  • Gedenktafel vor Ort

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.