Goslarer Straßennamenkatalog - Rosentorstraße


Rosentorstraße

Rosentorstrasse 1
Rosentorstrasse 2
Rosentorstrasse 3

Die Rosentorstraße beginnt an der Bäckerstraße und führt von der Innenstadt über das Rosentor zum Bahnhof. Ihr Name beruht auf dem Rosentor, welches urkundlich erstmals 1186 belegt ist. Das Tor, ein wichtiger Bestandteil der einstigen Befestigungsmauer, befindet sich gegenüber der Neuwerkkirche.

Es bestand ursprünglich aus dem um 1500 errichteten äußeren Tor mit zwei Flankierungstürmen, die von den Schäfern und den Schuhmachern verteidigt und deshalb Schäferturm und Schusterturm genannt wurden. Dahinter befand sich das innere Tor, dazwischen ein Torhof. Der Schäferturm wurde auch als Rosentorzwinger bezeichnet und übernahm um 1800 den Namen Achtermann. Der eigentliche Achtermann, ein 1501 erbauter Wehrturm zwischen dem Breiten Tor und dem Rosentor, war 1792 abgerissen worden. Eine verzierte Nische mit Kaiserfigur aus diesem Wehrturm fand ihren Platz in der Außenfassade des Rosentorzwingers und war dann auch Anlass für die Umbenennung.
 

Der Schusterturm und das komplette innere Tor wurden zwischen 1827 und 1866 abgebrochen, um eine breitere Zufahrt in die Stadt zu schaffen. Der Schäferturm, jetzt Achtermann, konnte dem Abriss entgehen, weil er den Schäfern im Winter auch als Schafstall diente. Um 1910 herum wurde der Achtermann in ein Hotel und Restaurant umgebaut. Vieles ist noch im ursprünglichen Zustand erhalten und versetzt den Gast in die Vergangenheit zurück.

Der Name „Achtermann“ geht auf eine alte Goslarer Ratsfamilie zurück. Das heutige Gebäude ist etwa 16 m hoch, hat einen Durchmesser von etwa 22 m und verfügt über Mauern mit einer Stärke von etwa 5 m. Er besticht mit seinem unregelmäßigen Bruchstein, dem kegelförmigen Schieferdach und gotischen Gestaltungselementen.

Von der einstigen Anlage sind neben dem „Schäferturm“ noch Teile des Tormauerwerks erhalten und wurden in den heutigen Gebäudekomplex integriert. Gegenüber befindet sich die Neuwerkkirche, wo ebenfalls noch Reste des alten Tormauerwerks zu sehen sind. In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts baute der Architekt Luer Teile des inneren Rosentors an der Neuwerkkirche nach. Diese sind heute mit Efeu bewachsen und sind dem historischen Ambiente bestens angepasst. Als Fußgänger vom Bahnhof kommend passiert man diesen Nachbau.

Die Rosentorstraße ist bereits auf der Karte „Goslar um 1200“ von Griep verzeichnet. Dort steht sie innerhalb der Stadtmauern als „platea romanum“ und außerhalb als „Rosentorweg“. Die Straße führte bis zur alten Hildesheimer Heerstraße. Vermutlich machte der Bereich um das Rosentor schon zur Zeit der Gründung des Klosters Neuwerk gegen Ende des 12. Jahrhunderts (1181) einen besonderen Siedlungsbezirk aus. In den Urkunden wird dieser Bereich als Römerstraße, als Platea Romanorum, als Villa Romana oder aber als Römisches Dorf immer wieder erwähnt, was wohl mit der Niederlassung italienischer Kaufleute an dieser Stelle zusammenhängt.

Die Herleitung des Namens „Rosentor“ hieraus wird von Frölich jedoch verworfen. Vielmehr geht er von einer Verbindung zum Kloster Neuwerk aus. Man findet für das Kloster auch die Bezeichnungen Mariengarten und Maria im Rosenhag. In diesem Zusammenhang taucht auch häufig ein Rosengarten, ein „ortus rosarum“ auf, dessen Existenz zwar nicht ganz gesichert, aber doch mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist. Somit könnte dieser namensgebend gewesen sein. Frölich weist aber auch darauf hin, dass andere Deutungsmöglichkeiten bestehen. So könnte möglicherweise eine Verbindung zu dem Grundwort „Roß“, also Pferd vorhanden sein. Auch wird den „Rosenstraßen“ im Allgemeinen in der Literatur häufig etwas Anrüchiges zugeordnet, etwa in dem Sinne, dass hier vielleicht Dirnen als „Rosen“ umschrieben wurden und ihrem Gewerbe nachgingen.

Neben dem Namen „Rosentor“ erhielt die Straße im Laufe der Zeit auch noch mehrfach andere Bezeichnungen und Namensvarianten. So hieß der nördliche Teil auch „Am Rosentor“, „Vor dem Rosentore“ oder „Rosentorstraße“, später Bahnhofstraße, Adolf-Hitler-Straße und Crittendonstraße. Südlich der Jakobikirche wurde sie zeitweise Wockenfotstraße, später auch „Kuhstraße“ genannt.

Der Name „Wockenfotstraße“ geht auf ein urkundlich im 13. Jahrhundert nachweisbares Haus „Wockenfot“ zurück. Als „Wockenfot“ oder „Wockenfuß“ bezeichnete man früher den Ständer für zu spinnende Wolle. Insofern ist es naheliegend, an eine Straße der Spinner und Weber zu denken. Andererseits könnte sie auch auf den Bei- oder Spitznamen des Hauseigentümers hinweisen. Kuhstraße verweist auf den Viehauf- und Abtrieb der Kühe im Frühjahr und Herbst.

Als Goslar Mitte des 19. Jahrhunderts an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde und der Bahnhof an Bedeutung gewann, gab man ihr den Namen Bahnhofstraße, bis sie 1933 von den Nationalsozialisten in Adolf-Hitler-Straße umgetauft wurde. Die vorhergehenden Bezeichnungen verschwanden. Nach Kriegsende wurde sie für einige Monate zur Crittendonstraße umbenannt. Crittendon war ein Führungsoffizier auf Seiten der Alliierten. Da die Goslarer Bevölkerung sich an diese Straßenbezeichnung aber nicht gewöhnen konnte oder wollte, erhielt sie schließlich ihren früheren Namen Rosentorstraße zurück.

Quellen:

  • Frölich, Karl; Die Goslarer Straßennamen, S. 12 ff., 42 ff.,59, 141, 143, 149
  • Wolff, Carl u. a.; Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, S. 255 ff.
  • Griep, Hans-Günther: Goslar um 1500, S. 26 ff, Karte von Goslar um 1200
  • Kommentar in „Die Goslarer Chronik des H.C. Brandes“, S. 97 und S. 170
  • Crusius, G. F. Eduard; Geschichte der vormals kaiserlichen freien Reichsstadt Goslar am Harze, S. 437
  • Stadtarchiv Goslar, Bestand: Reponierte Registratur, Abt. I, Fach 29, Nr.16
  • Adressbücher Goslar, 1934, S.1; 1938,1942, S. 3, 1948- 49, S. 190
  • www.der-achtermann.de  

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.