Goslarer Straßennamenkatalog - Brandströmweg


Brandströmweg

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Der Brandströmweg ist der erste Abzweig rechts vom Dunantring. Er führt wie fast alle Wege hier, in einem Linksbogen zu einer Wendeplatte. Dort sind Parkbuchten mit andersfarbiger Pflasterung gekennzeichnet und zwei Bäume begrünen das Ganze. Die Bebauung besteht überwiegend aus gepflegten, einstöckigen Gebäuden und – wie in Ohlhof üblich – alle in farblich einheitlicher Optik. Die Fassaden sind weiß gehalten mit dunklen Akzenten an den Fenstern oder dem Behang.

Alle Wege, des 1978 benannten Dunantrings, die hier abzweigen, sind Menschen gewidmet, die sich humanitär und sozial betätigt haben.

Eine bewundernswerte, außergewöhnliche Frau war Elsa Brandström. Sie wurde am 26.03.1888 in Petersburg geboren. Ihr Vater war der schwedische Militärattache am Zarenhof. Ihre Jugend verbrachte sie in Schweden, kehrte dann aber nach Russland zurück. Im ersten Weltkrieg ließ sie sich als Krankenschwester ausbilden und betreute zuerst russische Verwundete. Als sie erlebte, wie erbärmlich es den deutschen Kriegsgefangenen erging, verteilte sie in den Lagern Lebensmittel, Medikamente und Geld. Sie reiste als Beauftragte des Roten Kreuzes von Lager zu Lager und setzte sich damit höchster Gefahr und großen Strapazen aus. Nach Kriegsende kümmerte sie sich um die Heimführung der Gefangenen und rettete unzählige Leben.

Den Erlös ihres Buches „Unter Kriegsgefangenen in Russland und Sibirien 1914-20“ stellte sie ihrem Anliegen zur Verfügung. Weiterhin sammelte sie 1923 Geld in Amerika. Elsa Brandström hielt in 6 Monaten über 300 Vorträge und gab viele Pressekonferenzen. Mit den zusammen gekommenen 100.000 $ richtete sie im von der Inflation gebeutelten Deutschland Sanatorien für die Heimkehrer und Kinderheime für Kriegswaisen ein. 1929 heiratete sie den deutschen Professor Robert Ulich und bekam 1932 mit schon 44 Jahren ihre Tochter Brita.

Nachdem 1933 die Nationalsozialisten die Macht übernommen hatten, emigrierte sie 1934 mit ihrem Mann nach Amerika. Auch dort in der neuen Heimat fand sie sofort eine neue Möglichkeit für humanitäre Hilfe. Sie besorgte Papiere für Juden, damit sie nach Amerika flüchten konnten und half den Neuankömmlingen. Schon vor Ende des 2. Weltkrieges sammelte Elsa Brandström Kleider für notleidende Kinder in Deutschland. Für den Transport ließ sie Holzkisten bauen, die auch als kleine Schränke genutzt werden konnten und schickte diese mit einem schwedischen Schiff nach Europa. Die Idee der „CARE-Pakete“ war geboren. 1945 reiste sie nach Schweden, um weitere Hilfe zu organisieren.

Am 4.3.1948 starb sie in Cambridge/Massachusetts nach 1 ½ jähriger Krankheit an Knochenkrebs. Die ganze Welt trauerte um eine mutige Frau, die Hunderttausenden geholfen hatte.
30 Jahre nach ihrem Tod wurde dem „Engel von Sibirien“, wie sie treffend genannt wurde, in Ohlhof eine Straße gewidmet. Sie selbst hörte diese Bezeichnung nicht so gern.

Quellen:

  • Schallock, Heinz; von Ol…bis Ohlhof, 1108 bis 1996, 888 historische Jahre
  • Stadt Goslar, Bauamt; Straßenverzeichnis der Stadt Goslar
  • www.heiligenlexikon.de

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.