Goslarer Straßennamenkatalog - Ripeweg


Ripeweg

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Der Ripeweg biegt von der Dürerstraße in südöstlicher Richtung ab und endet vor einem schönen Spielplatz, der rundum mit Bänken bestückt ist. So können die beaufsichtigenden Mütter etwas länger verweilen. Die roten Ziegelstein- und Klinkerhäuser besitzen so steile Dächer, dass bei manchen sogar ein Ausbau über 2 Etagen möglich war. Ein ganz entzückend bemaltes Garagentor – es zeigt den allseits beliebten Scrat aus dem Film Ice-Age – vermittelt sofort gute Laune.

Auf Grund seiner Verdienste für Goslar wurde im Jahr 1979 eine Straße zu Ehren von Wilhelm Ripe benannt. Zeichenlehrer Wilhelm Ripe kam am 16.11.1818 in Hahnenklee zur Welt. Der Vater, Ernst Friedrich Ripe war Kantor und Organist und seine Mutter eine geborene Nitsch. Nach seiner Schulzeit in Clausthal arbeitete er in Hannover bei einem Maler namens Ramberg. Nach seiner Heirat mit einer Osteroderin zog er nach Clausthal und 1860 nach Goslar, wo er als Zeichenlehrer am Progymnasium unterrichtete. Ripe lieferte als Landschaftsmaler die Vorlagen für die von dem Goslarer Verleger Eduard Brückner in hohen Auflagen vertriebenen Stahlstiche Goslars und Harzer Motive. Aufgrund seiner Zeichnungen und Stiche der Landschafts- und Gebäudemalerei sind wir heute in der glücklichen Lage, uns ein genaues Bild der Landschaft und der Stadt Goslar vor über hundert Jahren zu machen.

Brückner und Ripe, den man auch als den „Vater der Ansichtskarte“ bezeichnet, gelten als Vorreiter der Werbung für den Fremdenverkehr. Die Ansichtskarte gab es damals allerdings noch gar nicht. Durch ihr Schaffen haben sie die Schönheit des Harzes und der Stadt Goslar in die ganze Welt getragen. Besondere Reisemitbringsel waren die „Städterosen“, die als Stahlstiche erstellt, entsprechend bedruckt und gefaltet eine Rose ergaben. Wahrscheinlich hat es sich Ripe nie erträumen lassen, dass seine Werke heute noch in vielen Wohnungen zu finden sind. Fast ein Vierteljahrhundert lehrte er an verschiedenen Goslarer Schulen und verstarb am 5.12.1885 nach schwerer Krankheit. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof an der Hildesheimer Straße. Ein Reliefporträt ziert seinen Grabstein, aber auch ein mit 1887 beziffertes, falsches Todesjahr.

Die Präzision, mit der er seine Harzer Ansichten zeichnete, macht vor Bewunderung sprachlos. Die Zeichnungen teils in Visitenkartengröße nötigen den Betrachter zum Gebrauch einer Lupe. Unvorstellbar ist die Erstellung dieser Ansichten, die auch nur mit einer Lupe möglich waren und das in der Mitte des 19. Jahrhunderts. 1820 war der Stahlstich die erste Möglichkeit unbegrenzt zu reproduzieren. Es ist als besonderer Glücksfall zu betrachten, dass der Museumsverein Goslar 40 Stahlstichplatten besitzt, die normalerweise nach Gebrauch vernichtet wurden. „Der Erhalt an sich ist schon eine Sensation“ freut sich Vereinsvorsitzender Jörg-Utz-Hapke.

Quellen:

  • Griep, Hans-Günther; Goslar – Museen, Sammlungen und Gedenkstätten
  • Schallock, Heinz; von Ol… bis Ohlhof
  • Stadt Goslar, Bauamt; Straßenverzeichnis der Stadt Goslar
  • GZ, Gestochen schöne Harzansichten, Ausgabe 31.01.2012, Seite 21

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.