Goslarer Straßennamenkatalog - Wichernweg


Wichernweg

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Der Wichernweg ist ein abgehender Weg des Dunantrings. Er verläuft leicht bogenförmig, bis er sein Ende in einem Wendekreis findet. Von hier aus führt ein kleiner Fußweg ab, der direkt auf einem weiteren, um ganz Ohlhof laufenden namenlosen Trampelpfad führt, der am Markt beginnt oder endet, wie man es nimmt. Die Bebauung dieser Straße passt sich den umliegenden Straßen an, wie es laut Bauverordnung vorgegeben war. Ihren Namen erhielt die Straße 1978.

Namensgeber war der Theologe und Pädagoge Johann Hinrich Wichern. Er wurde am 21. April 1808 in Hamburg geboren und war das älteste von sieben Geschwistern einer gutbürgerlichen, christlichen Familie, die in einfachen Verhältnissen lebte. Der Vater war Notar und Johann Hinrich teilte die Liebe zur Musik mit ihm. Er besuchte eine Privatschule und wechselte 1818 auf das Gymnasium. Als sein Vater starb, erteilte er Nachhilfe, gab Klavierstunden und kümmerte sich um den Lebensunterhalt der Familie. 1826 wurde Wichern Erzieher an einer privaten Internatschule und holte sein Abitur nach. 1828 begann Wichern ein Studium der Theologie und schloss es mit Examen ab. Im Jahr 1832 übernahm er eine Stelle als Oberlehrer an einer evangelischen Sonntagsschule. Er besuchte die Sonntagsschulkinder Zuhause und lernte die Armut, die Wohnungsnot und die geistige und sittliche Verwahrlosung kennen. Daraufhin gründete er das „Rauhe Haus“, eine Anstalt für verwahrloste Kinder. 1848 gründete er die Vorläuferorganisation des heutigen Diakonischen Werkes, den „Verein der inneren Mission“. 1851 bekam er von der Universität Halle den Doktor der Theologie verliehen und wurde gleichzeitig Beauftragter der preußischen Regierung für die Reform des Gefängniswesens.

Von 1856 bis 1872 war Wichern Direktor des Berliner Mustergefängnisses „Moabit“. Wichern übte Kritik an der herrschenden Praxis der Konfirmation. Er schlug vor, den kirchlichen Unterricht mit abschließender Einsegnung zu erhalten, aber das öffentliche Glaubensbekenntnis und das Gelübde als Voraussetzung der Zulassung zum Heilige Abendmahl davon zu trennen. Es sollte den Gläubigen vorbehalten sein, denen es mit dem christlichen Glauben und Leben ernst ist. 1857 wurde Wichern Evangelischer Oberkirchenrat in Berlin. Besonders im Gedächtnis behalten wir, dass er auch der „Erfinder des Adventskranzes“ ist. Um den Kindern während der Adventszeit 1838 das Warten auf den Heiligen Abend zu erleichtern, montierte er 20 kleine rote und 4 große weiße Kerzen auf ein Wagenrad. Jeden Tag hat er seinen Zöglingen eine Kerze entzündet und an Weihnachten erhellte der Lichterkranz feierlich den Saal. Dieser Brauch hat sich inzwischen weltweit verbreitet.

Johann Hinrich Wichern musste am 1. April 1873 krankheitsbedingt die Leitung des „Rauhen Hauses“ an seinen Sohn Johannes abgeben. Am 7. April 1881 verstarb Wichern nach mehreren Schlaganfällen und langem Leiden in Hamburg und wurde dort beigesetzt. Ihm zu Ehren wurden im 20.- und 21. Jahrhundert zwei Briefmarken für sein außerordentliches soziales Engagement herausgebracht auf der er als Helfer der freien Wohlfahrtspflege bezeichnet wurde.

Quellen:

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.