Isa Genzken - Kaiserringträgerin der Stadt Goslar 2017

Isa Genzken, die drei Mal zur documenta in Kassel eingeladen wurde, zwei Mal zu den Skulptur Projekten in Münster und die als Künstlerin 2007 den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig eingerichtet hat, hat im Oktober 2017 den Kaiserring erhalten.

Das Werk der 1949 in Bad Oldesloe geborenen Künstlerin wurde weltweit in großen Einzelausstellungen gezeigt, u.a. 2013 im New Yorker Museum of Modern Art (im Anschluss in Chicago und Dallas).

Das  Œuvre von Isa Genzken  hat von seinen frühen Anfängen in den 1970er Jahren bis heute nicht aufgehört, die Kunstwelt in Erstaunen zu setzen, weil es Kunstrichtungen begründet und Maßstäbe formuliert hat. Und weil es sich nicht in einer vorhersehbaren, repetitiven Signatur erschöpft, sondern sich immer wieder neu erfindet – nicht selten in dialektischer Bewegung.

Isa Genzken

Beispielhaft dafür seien hier Genzkens konstruktive, mit hoher Präzision hergestellte Holzskulpturen aus den 1970er und 1980er Jahren genannt, auf welche ruinöse und disparate, indes nicht weniger symbolhafte Skulpturen aus weißem Ton und später aus grauem Beton folgten. Beiden Werkgruppen gemeinsam, wie unterschiedlich sie auch anmuten mögen, ist ihr kritischer Anspruch, der auf den ersten Blick nicht offen-kundig wird. Was durchaus den Intentionen der Künstlerin entspricht, der es missfällt, wenn Werke allzu augenfällig eine Idee illustrieren. In ihren hyper-schlanken und langen „Ellipsoiden“ und „Hyperbolos“ manifestiert sich die Kritik im erzählenden Potenzial der Artefakte, die den Erhabenheitsanspruch der Minimal Art in Frage stellen. Isa Genzkens Ton- und Betonskulpturen dagegen nehmen den nicht weniger elitären Idealismus modernen Bauens kritisch ins Visier. Obwohl die Künstlerin schon früh von den Hochhäusern Manhattans fasziniert war, hinderte sie das keineswegs daran, sich später in ihrem Werk auch  kritisch mit der zeitgenössischen Architektur auseinander zu setzen.

Bei all den ingeniösen Wechseln in Form und Material sind die Themen Stadt und Architektur, auch die Architektur des Körpers, thematische Konstanten in ihrem Werk. Ausstellungen und Werkgruppen wie „Jeder braucht mindestens ein Fenster“ (1993), „I Love New York, Crazy City“ (1995-96), „Fuck the Bauhaus“ (2000), „New Buildings for Berlin“ (2002), „Empire/Vampire“ (2003) weisen bereits in ihren Titeln unmissverständlich darauf hin. Die Utopie eines besseren Lebens, die sich ideologisch mit einem solchen Bauen verbindet, stellt Isa Genzken in ihren Arbeiten souverän zur Disposition. Hinter dem Traum lauert bei ihr stets der Alptraum. Im Wachzustand werden wir nicht von Arkadien beglückt, sondern von der Dystopie bedroht. Weder die grauen Zementruinen der frühen noch die farbsatten Glasbauten der späten Jahre bieten Schutz.

Vor diesem Hintergrund sind auch die Werke zu sehen, die die Künstlerin im Mönchehaus Museum Goslar zeigt. Die vier Türme in „Untitled“ (2015) aus Vitrinen ähnelnden, in sich verschobenen Holzquadern, die ohne Seitenwände auskommen müssen, bieten ebenfalls keinen Schutz. Sie sind eher Dekonstruktion als Konstruktion. So haltlos wie die Gegenstände, die sie exponieren: Eine Madonna mit Kind, die stärker auf transzendentale Obdachlosigkeit verweist als auf Festigkeit im Glauben. Fotos, die Genzken als Symbole gescheiterter Utopien und Träume verwendet. Zeitungsausrisse, die „Das asoziale Netzwerk“ titeln oder „Erbarmungslos“. Ein invalider, von Schläuchen genährter Topf. Die drei, zum Teil mit Spiegelfolie beklebten Säulen inmitten der Türme erinnern an Exponate in Isa Genzkens Werk, denen sie mit „Dan“, „Andy“, „Wolfgang“ etc. Namen von Freunden gegeben hat. Die Installation wird begleitet von zweiteiligen, wie Protagonist und Antagonist agierenden, dynamisch anarchischen Wandarbeiten der Künstlerin aus Farbstreifen, Spiegelfolie und Abbildungen.

Foto: Isa Genzken, Ohne Titel, 2017, Klebeband, Fotografien, farbige Papierausdrucke, Stickers, Lack auf Aluminium Platte, 70 x 100 cm;  © Isa Genzken/VG Bild-Kunst, Bonn 2017; Courtesy Galerie Buchholz, Köln, Berlin, New York

Die Ausstellung kann bis zum 28. Januar 2018 besucht werden.

Kontakt & Information

Mönchehaus Museum Goslar
Verein zur Förderung Moderner Kunst e. V.
Mönchestraße 1, 38640 Goslar
Tel. 05321-29570
EMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.moenchehaus.de