Breaking News. Sammlung von Kelterborn - Ausstellung im Mönchehaus Museum

Das Mönchehaus Museum stellt mit ausgesuchten Werken aus der Sammlung Kelterborn eine außergewöhnliche Privatsammlung vor: „Innovativ, jung, cool“, so charakterisierte sie die taz 2014. Das Museum setzt damit eine lose Ausstellungsreihe fort, in der unterschiedliche Ansätze zeitgenössischen Sammelns präsentiert werden.

Sammlung von Kelterborn
Seit 20 Jahren sammeln Mario und Julia von Kelterborn aus Frankfurt vornehmlich Videokunst und Fotografie mit politisch brisanten, gesellschaftsbezogenen Themen. Daneben finden sich philosophisch hintergründige Werke, bei denen existentielle Fragestellungen im Vordergrund stehen. International bekannte Künstlernamen verzeichnet die Sammlung ebenso wie „emerging artists“. Diese Tatsache belegt, dass hier nicht „Siegerkunst“ (Wolfgang Ullrich) gesammelt wird, sondern Werke, die das große Interesse des Sammlerpaares am Zeitgeschehen und an seiner Reflektion in der Kunst zeigen.

Der Fokus liegt dabei auf Problemen unserer immer komplexer gewordenen Welt im Zuge von Globalisierung, Digitalisierung und der Diversität von Lebensmodellen und Kulturen. Kunst kann uns in die Lage versetzen, Gegenwart in ihren Widersprüchen und verstörenden Grausamkeiten, aber genauso in ihren positiven und zukunftsweisenden Potentialen begreifbar zu machen, davon sind Julia und Mario von Kelterborn überzeugt.

Die Werke ihrer Sammlung setzen in erster Linie unser Denken in Bewegung, begegnen unseren gewohnten Perspektiven mit neuen Sichtweisen und zeichnen Alternativen zum Bestehenden auf. Trotz des politischen Zündstoffs vieler Arbeiten wirken diese niemals vordergründig provokant, subversiv oder gar zynisch, sondern bleiben immer subtil und behutsam in ihrem Anspielungsreichtum.

Die Sammlung unterscheidet sich hier grundlegend von einer wie der des Hamburger Sammlers Harald Falckenberg (2006 im Mönchehaus Museum) oder einer rein konzeptuellen Sammlung wie der des Ulmers Friedrich Rentschler (Sammlung FER, 2009 im Mönchehaus Museum).

Mario von Kelterborn, geb. 1969, ist in Ostberlin aufgewachsen, bevor er 1990 nach Westdeutschland übersiedelte, in Augsburg studierte und jahrelang als Banker und Unternehmensberater in Frankfurt arbeitete. Julia Schlecker-von Kelterborn, geb, 1970, studierte ebenfalls in Augsburg und war viele Jahre für internationale Werbeagenturen tätig.

Breaking News
Ein zentraler Teil der Sammlung beinhaltet künstlerische Positionen, die sich mit der Rolle der Medien nach dem Mediatic Turn — in dem Medien als konstitutiv für das Denken betrachtet werden — auseinandersetzen. Der Titel der Ausstellung benutzt daher ein Schlagwort, das aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Neben sachlicher Information verbreiten „Breaking News“, von „Fake News“ oft kaum zu unterscheiden, Unsicherheit, Unruhe und eine aufgeladene Stimmung. In postfaktischen Zeiten lässt das kurzfristige Schüren von Emotionen den „faktischen“ Inhalt der Berichterstattung oft wie eine Marginalie erscheinen. Die Kunst dagegen setzt nicht auf Eil- und Sondermeldungen. Das kritische Hinterfragen des Vertrauten, das Zulassen mehrerer Standpunkte, Erkenntnisse und Wahrheiten bestimmt den Grundtenor der Sammlung von Kelterborn. Und kann ein neuer, anderer, individueller Blick auf die Welt, wie ihn die Kunst vermittelt, nicht genauso überraschend sein wie „Breaking News“?

Ausstellung im Mönchehaus Museum
Die Ausstellung im Mönchehaus folgt unterschiedlichen Sammlungsschwerpunkten. Im Erdgeschoss bildet die Installation „Is the Museum a Battlefield?“ (2013) von Hito Steyerl den Aufmacher für andere Arbeiten aus dem Umfeld des ökonomischen oder politischen „Schlachtfelds“ unserer digitalisierten Wirklichkeit. Der nächste Raum konzentriert sich auf kriegerische Konflikte und soziale Brennpunkte in Afrika (Richard Mosse, Michael Subotzky u.a.), während im Anschluss eine weitere raumgreifende Installation von Hito Steyerl sich unserer zeitgenössischen Netzkultur und ökonomischen Krisen widmet. Arbeiten von Luzia Hürzeler und Clemens Krauss leiten dann im 1. Obergeschoss die Frage nach dem Verhältnis von Realität und Simulation ein, die im 2. Obergeschoss von Harun Farocki in der sechsteiligen Videoarbeit „Paralleles I-IV“ komplex durchdrungen wird. Die Arbeit des Thailänders Korakrit Arunanondchai „Painting with History“ kann stellvertretend für den Themenkomplex „Kulturelle Diversität“ genannt werden. Das 3. Obergeschoss widmet sich schließlich deutschen Positionen (Sven Johne, Ulay u.a.), bei denen der politische Wandel in den letzten Jahrzehnten auf unterschiedliche Weise zur Sprache kommt.

Beteiligte Künstler:
Korakrit Arunanondchai, Teboho Edkins, Claire Fontaine, Harun Farocki, Francisca Gómez, Harald Hauswald, Gary Hill, Hu Weiyi, Luzia Hürzeler, Sven Johne, Thomas Kilpper, Barbara Klemm, Jaroslaw Koslowski, Clemens Krauss, Thomas Locher, Renzo Martens, Bjørn Melhus, Bjørn Melhus/Yves Netzhammer, Richard Mosse, Marcel Odenbach, Mario Pfeifer, Anke Röhrscheid, Jürgen Schadeberg, Taryn Simon, Hito Steyerl, Mikhael Subotzky, Die Tödliche Doris, Ulay, Mariana Vassileva, Mia Florentine Weiss.

Foto: Richard Mosse, Birdland, 2012, Digital-C-Print, 152,4 x 101,6 cm; © Richard Mosse und Galerie cartier/gebauer, Berlin; VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Kontakt & Information

Mönchehaus Museum Goslar
Verein zur Förderung Moderner Kunst e. V.
Mönchestraße 1, 38640 Goslar
Tel. 05321-4948
www.moenchehaus.de