Zandile Tshabalala | 03. Oktober - 30. Januar | Mönchehaus Goslar

Kaiserringstipendiatin 2021

Ich habe eine Gegenerzählung erstellt, befreit von einer Beurteilung und Klassifizierung junger schwarzer Frauen, die Überwachung, Verhaftung, Bestrafung und Einsperrung unterworfen waren. Ich biete eine Erzählung an, die sich auf schöne Experimente konzentriert — um das Leben zur Kunst zu machen…“

Saidiya Hartmann

 

In diesem Jahr erhält die junge südafrikanische Künstlerin Zandile Tshabalala (geb. 1999 in Soweto, lebt und arbeitet in Johannesburg) das Kaiserringstipendium. Der Verein zur Förderung moderner Kunst vergibt es seit 1984 an einen_e jungen_e Nachwuchskünstler_in. Es beinhaltet eine Ausstellung im Mönchehaus Museum parallel zu der Kaiserringausstellung, einen Katalog sowie einen Ankauf.

Die Ausstellung ist die erste institutionelle Einzelausstellung der Künstlerin in Deutschland.Thema der großformatigen Gemälde von Zandile Tshabalala sind junge afrikanische Frauen in privaten, intimen Momenten: allein oder zu zweit auf dem Sofa, im Bad oder beim Musik hören. Sie nehmen stets den Dialog mit den_r Betrachter_innen auf und blicken ihn_sie meist direkt an. Ihre entspannten Posen und ihr klarer Blick verraten ein natürliches Selbstbewusstsein. Die runden, leicht abstrahierten Körperformen sowie die akzentuierten roten Lippen in Kombination mit roten Finger- und Fußnägeln stehen im Kontrast zur schwarzen Hautfarbe und strahlen so eine offenkundige Sinnlichkeit aus, ohne betont erotisiert zu wirken. Die ornamentalen Muster und klaren Farbflächen der Hintergründe — oft in hellen, sanften Farben — unterstreichen die lebensbejahende, lockere Atmosphäre der Szenerien.

Tshabalalas Figuren bieten eine neue Erzählung tradierter Muster an — wie auch die Autorin Saidiya Hartmann in ihrem Buch Wayward Lives. Beautiful Experiments, in dem sie sich mit der Migrationsgeschichte schwarzer Frauen zu Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA auseinandersetzt. Die Publikation diente Tshabalala als Anregung für ihr Bildprogramm. Schwarze Frauen erscheinen bei ihr nicht als Dienerinnen wie in dem berühmten Beispiel von Édouard Manets Olympia, sondern werden zu Hauptpersonen. Die Künstlerin dreht die Situation bei Manet nonchalant

um und zeigt in Lounging 1, 2021, eine selbstbewusste schwarze Liebesgöttin ohne dienendes Bildpersonal. Damit steht die Künstlerin in der Tradition der Post Modern Blackness. Ihre Werke illustrieren nicht Leiden, Kampf oder soziale Ungerechtigkeiten, sondern zeigen das alltägliche Leben einer Black Community.

Tshabalalas prägnanter und plakativer Stil spielt immer wieder mit vertrauten Darstellungsformen, sowohl der westlichen Kunstgeschichte als auch der afro-amerikanischen Malerei. Unverkennbar sind große Anreger wie Henri Rousseau, der amerikanische Maler Kerry James Marshall oder die Multimedia-Künstlerin Kara Walker. Wie viele zeitgenössische Maler_innen nutzt Tshabalala zudem Fotovorlagen.

Die starke Präsenz ihrer Bilder besteht unter anderem darin, Stereotypen westlicher Kunstgeschichte zum einen sichtbar werden zu lassen, sie aber gleichzeitig zu unterwandern. Tshabalala schafft so eigenständige Settings mit emanzipierten, würdevollen Frauenfiguren. Sie könnten auch Stellvertreterinnen der zeitgenössischen LGBTQ-Bewegung repräsentieren.

Die Ausstellung umfasst elf großformatigeGemälde. Zur Finissageerscheint ein Katalog.

 

Gefördert durch AKB STIFTUNG
(Stiftung der Familie Carl-Ernst Büchting)

 

 

 

 

Kontakt
Mönchehaus Museum Goslar
Verein zur Förderung Moderner Kunst e. V. Goslar,
Mönchestraße 1 | D-38640 Goslar
Tel. 05321.29570
Fax 05321.42199

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www.moenchehaus.de

Zandile Tshabalala Lounging I: G fabulous, 2021,  Acryl und Mischtechnik auf Leinwand,  120 x 200 cm, © Zandile Tshabalala / courtesy:  Nagel und Draxler Gallery, Berlin / Köln / MünchenMasking, 2021, Acryl auf Leinwand, 120 x 90 cm; Privatsammlung SchweizLounging II: chilling, 2021, Aryl auf Leinwand, 200 x 120 cm; private collection

 

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