Geschichtsverein Goslar e. V. lädt zum Vortragsprogramm Herbst 2019 ein

Der 1921 gegründete Geschichtsverein Goslar e. V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Geschichtsbewusstsein in der Bevölkerung Goslars zu erhalten und zu fördern, heimische Geschichte zu erforschen, die gewonnenen Erkenntnisse zu vermitteln und sich aktiv in die weitere Entwicklung Goslars und der Region einzubringen.

Der Verein hat für den Herbst 2019 wieder ein interessantes Vortragsprogramm erstellt.

Die Veranstaltungen im Überblick:

Donnerstag, 5. September 2019 um 19:30 Uhr

Dr. Friedhart Knolle
Heimat in der Fremde - Displaced Persons in der Region Goslar
Landkreis Goslar, Klubgartenstr. 6, Großer Saal

1945 befanden sich in Europa Millionen Menschen auf der Flucht, irrten als Verschleppte heimatlos herum, warteten als Kriegsgefangene auf ihre Entlassung. Im Mai 1945 lebten auf dem Gebiet des späteren Niedersachsens etwa 250.000 bis 300.000 befreite Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen und Menschen, die aus den Konzentrationslagern befreit worden waren. Bis Anfang der 1950er Jahre gelangten 1,825 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene auf das Gebiet des heutigen Niedersachsen. In der Stadt Goslar stieg die Einwohnerzahl von 1945 bis 1950 von knapp über 28.000 auf 42.000. Im Landkreis Goslar und der Region Harz waren die Verhältnisse ähnlich - eine reale soziale Krise für die desorientierte Gesellschaft der Nachkriegszeit. Es fehlte an Wohnung, Nahrung, Bekleidung und Heizung. Die Einheimischen mussten zusammenrücken und mit den neuen Fremden teilen. Der Vortrag gibt Einblicke in diese Zeit, da Politik, Verwaltung und Bevölkerung riesige Anstrengungen unternahmen, Flüchtlinge und Vertriebene aufzunehmen und ihnen die Integration anzubieten. Dr. Friedhart Knolle wurde 1955 in Goslar geboren und ist hier wohnhaft. Er studierte Geologie an der TU Clausthal, promovierte an der TU Braunschweig, arbeitet im Nationalpark Harz und ist Autor zahlreicher Beiträge zu geologischen und anderen Harzthemen.

Donnerstag, 10. Oktober 2019 um 19:30 Uhr

Dagmar Nabert
„Meine außergewöhnliche Lebensgeschichte als Tochter einer russischen Zwangsarbeiterin“
Landkreis Goslar, Klubgartenstr. 6, Großer Saal

Die Bad Harzburgerin Dagmar Nabert, geboren in Burg bei Magdeburg, wurde als Kleinkind in ein Heim in Wolfen eingewiesen. Von hier aus kam sie zu liebevollen Pflegeeltern, mit denen sie 1956 in die Bundesrepublik übersiedelte. Im Alter von 12 Jahren erfuhr sie 1956, dass sie ein Adoptivkind ist. Ihre Sehnsucht, nach den wirklichen Eltern zu suchen, setzte sie nach dem Tod ihrer Adoptiveltern um. Aber erst nach der Wende wurde es ihr 1990 möglich, ihre persönlichen Unterlagen einzusehen. In Burg begann ihre Suche, blieb dort aber erfolglos. Die ersten wichtigen Daten erhielt sie durch den Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen. Sie erfuhr den Namen ihrer Mutter: Klawa Steblawa, eine russische Zwangsarbeiterin. In ihrem Lichtbildervortrag erzählt Dagmar Nabert ihre Lebensgeschichte, die von der Nazizeit über die Zeit der DDR bis ins heutige Russland führt, wo sie nach 55 Jahren 1999 völlig unerwartet ihre leibliche russische Mutter fand.

Donnerstag, 14. November 2019 um 19:30 Uhr

Von "Brockenpilgrimmen" und "Sommerfrischlern" - die Anfänge des Harztourismus
Dr. Uwe Lagatz
Landkreis Goslar, Klubgartenstr. 6, Großer Saal

Harztourismus hat Konjunktur - und dies nicht nur in der Gegenwart. Der für das nördlichste deutsche Mittelgebirge so wichtige Wirtschaft- und Imagefaktor besitzt eine lange Geschichte, deren Anfänge sich sicher bis in das 17. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Nicht erst Goethe und Heine hatten die Gegend rings um den Brocken als Reiseziel für sich entdeckt, sondern bereits die sogenannten "Curiösen", die nach Ende des Dreißigjährigen Krieges das seinerzeit noch schwer zugängliche Gebirge durchstreiften, um Bergwerke und Höhlen ebenso zu besuchen wie andere historisch und naturräumlich interessante Orte. Dem sagenumwobenen Brocken galt damals schon wie heute die besondere Aufmerksamkeit der Harzbesucher. Dr. Uwe Lagatz zeichnet die spannende Geschichte des Harztourismus von seinen Anfängen bis in die Kaiserzeit lebhaft nach. Er illustriert seine Aussagen hauptsächlich mit Hilfe historischer Ansichten und vermittelt dabei Eindrücke von der Entwicklung der zeitgenössischen Grafik.
Dr. Uwe Lagatz (Jg. 1962) ist in Wernigerode beheimatet, hat an der Universität Leipzig Pädagogik studiert und an der Universität Magdeburg promoviert. Neben seiner Tätigkeit im Schuldienst Sachsen-Anhalts beschäftigt er sich seit längerem mit unterschiedlichen Aspekten der Harzgeschichte und veröffentlichte zahlreiche Bücher zur Geschichte von Stadt und Grafschaft Wernigerode.

Donnerstag, 05. Dezember 2019 um 19:30 Uhr

Die Ketzer von Goslar (1051)
Dr. Jörg Feuchter
Landkreis Goslar, Klubgartenstr. 6, Großer Saal

An Weihnachten 1051 ließ Kaiser Heinrich III. in Goslar einige Leute als Ketzer verurteilen und hängen. Bei den Hingerichteten soll es sich um "Manichäer" gehandelt haben, also Menschen, die an die Existenz zweier Götter glaubten. Solche Gruppen wurden zunächst nur im Orient und in Byzanz erwähnt, vom 11. bis 14. Jahrhundert aber auch sehr häufig im Abendland. Bekannt sind sie hier als "Katharer". Die römische Kirche bekämpfte sie mit dem Albigenserkreuzzug und mit der Inquisition.
Der Goslarer Prozess galt bisher als ein früher Beleg für das Auftauchen von solchen Gruppen westlich des byzantinischen Reiches. Allerdings vertreten manche Historiker heute die radikale These, dass es die Katharer überhaupt nicht gegeben hat. Vielmehr seien sie eine Erfindung der mittelalterlichen Kirche gewesen. Verfolgungen wie in Goslar waren demnach Ausdruck eines Ketzerwahns, der sich gegen beliebige Leute richten konnte. Andere Forscher wiederum widersprechen diesem totalen Zweifel unter Verweis auf eine Fülle von Quellen.

Der Vortrag wird im Lichte dieser aktuellen Kontroverse fragen, was wir über den Goslarer Fall selbst eigentlich wissen und wie er heute im Gesamtzusammenhang zu betrachten ist. Waren die im Jahr 1051 Hingerichteten Opfer eines Ausgrenzungswahns oder tatsächlich Angehörige einer zusammenhängenden Glaubensrichtung?

Dr. Jörg Feuchter, Jahrgang 1967, ist Historiker. Er studierte Geschichte und Altgermanistik in Berlin und schrieb eine Doktorarbeit über die Inquisition. Nach Tätigkeiten an Universitäten in Berlin, Konstanz und Heidelberg leitet er heute eine Forschungsstelle der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zu mittelalterlichen Quellen.

Kontakt & Information

Geschäftsstelle des Geschichtsvereins im St. Annenhaus (geöffnet: 1. Donnerstag 9 und 12 Uhr)
Telefon 05321 3182757 (auch außerhalb der Öffnungszeiten)
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

 

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