Ausstellung „Parole: Funken schlagen!“ ist gestartet

An elf Türen werden deutsch-deutsche Geschichten erzählt

Goslar. „Der Fachbereich Kultur der Stadt Goslar hat sich auf die Fahne geschrieben, mehr Vermittlungsangebote für Kinder und Jugendliche anzubieten“, so Marleen Mützlaff, die Fachbereichsleiterin, während der Ausstellungseröffnung „Parole: Funken schlagen!“, die kürzlich stattfand. Mützlaff freut sich, die Ausstellung für Menschen ab acht Jahren gerichtet ist, nun für einen Monat im Goslarer Museum zu haben und hofft auf viele Besuchende. Auch Uta Rinklebe, Leitung MACHmit! Museum Berlin, zeigte sich glücklich, die beeindruckende Wanderausstellung erstmals außerhalb Berlins präsentieren zu können. Drei vorherige Berliner Runden fanden im Machmit! Museum, einer Schule und der ehemaligen Staatsicherheitszentrale statt und waren jeweils gut besucht. Das Thema der Ausstellung initiierte der Kindermund: „Mir hat nie jemand gesagt, dass es einmal zwei Deutschlands gab“, lautete die Feststellung eines achtjährigen Jungen nach einem Kinobesuch. Die Ausstellungsmachenden haben sich deshalb – unter Mithilfe von Kindern – der Aufgabe angenommen, aufzuklären und die damaligen Mutgeschichten zu erzählen – vor allem deshalb, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. An elf offenen, alten Türen, die zum Teil auch aus der ehemaligen DDR stammen, werden nun Geschichten und Ereignisse aus der damaligen Zeit erzählt. Die Besuchenden werden eingeladen mit einem Blick hinter die geöffnete Tür, die deutsch-deutsche Geschichte zu erfahren und auch zu erleben – per Bild, Text oder Audio. Auch die Fantasie wird angeregt. So kann ein Flugblatt gestaltet werden oder eine Mutmedaille gebastelt werden. Mut spielte gestern und spielt heute eine wichtige Rolle – dieser Leitfaden zieht sich durch die Ausstellung. Die Bürgermeisterin der Stadt Goslar, Renate Lucksch, appellierte in ihrer Eröffnungsrede deshalb an einen „Mutausbruch für alle“. Sie sei froh, dass die „Geschichte mit der Ausstellung wachgehalten wird“. Lucksch stellte den anwesenden Erwachsenen die Frage, ob sie sich erinnern, wo sie zum Zeitpunkt des Mauerfalls waren? Ihre eigene Erinnerung: Sie nähte in einem Kurs der Volkshochschule eine Hose für den Erstgeborenen, die vor lauter Euphorie zunächst zwei linke Hosenbeine hatte. Wenige Jahre später – Lucksch war zum zweiten Mal Mutter – sollte dieser Sprössling die Hose tragen. Doch sie zeigte diverse Ermüdungserscheinungen. Der Kommentar des ersten Nachwuchses: „Oh, die Vereinigungshose ist kaputt“. Diese und andere Geschichten – egal ob heiter oder traurig – sind es wert, erzählt und weitergetragen zu werden und kommen in der Ausstellung auch nachdenklich daher. „Ein weiterer Wandel der Zeit ist auch an meinem Heiratsdatum, dem 13. August, erkennbar“, so Lucksch. Haben früher alle gleich den Mauerbau mit dem Datum assoziiert, fällt dieser Bezug den nachfolgenden Generationen schon lange nicht mehr auf.

Das Thema der Ausstellung "Mutgeschichten", ist damit eine dringend benötigte Erinnerung in einer Zeit, in der die 3. Generation nichts mehr vom Mauerfall weiß. Das interaktive Konzept der Ausstellung verspricht eine fesselnde und lehrreiche Erfahrung für Besuchende aller Altersklassen ab Acht. Die Ausstellung "Parole: Funken schlagen" ist ein bedeutender Beitrag zur Erinnerungskultur und zur Förderung des Dialogs zwischen den Generationen. Zur Entstehungsgeschichte: Den Initialsatz für die Ausstellungsidee „Mir hat nie jemand gesagt, dass es einmal zwei Deutschlands gab.“, sagte ein achtjähriger Junge im Rahmen des pädagogischen Begleitprogramms des MACHmit! Museums erstaunt nach einem Kinobesuch von „Fritzi war dabei – Eine Wendewundergeschichte“. Das machte es deutlich: Die zweite und dritte Generation nach dem Mauerfall hat ein geringes Wissen zur deutschdeutschen Geschichte und ist eine bisher wenig erreichte Zielgruppe. So entstand das erinnerungspädagogische Projekt „Parole: Funken schlagen!“ – ein Kooperationsprojekt der MACHmit! Museum gGmbH und der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. (RHG). Zur Vorbereitung der Ausstellung „Parole: Funken schlagen!“ befragten die Kinder des Kinderrates des MACHTmit! Museums Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Das Projekt will der Gefahr des Wissensverlustes, aber auch der Geschichtsverharmlosung entgegenwirken und das Demokratieverständnis der Kinder und Jugendlichen stärken. Es gilt, durch die
Mutgeschichten der Akteurinnen und Akteure, die damals „Funken schlugen“, sich für Freiheit und Gerechtigkeit einsetzten und dabei viel riskierten, eine Brücke zwischen Geschichte und Gegenwart zu schlagen: Wo ist heute Mut gefragt? Wer hilft mir dabei, mich zu engagieren und aktiv zu werden?

Die interaktive Präsentation setzt mit Videos, Kunstwerken, Fotografien und pädagogischem Begleitmaterial, neben der Aufarbeitung der Vergangenheit unter dem Leitmotiv „Mut – gestern und heute“ den Fokus auch auf die Gegenwart. Zur Stärkung der gesamtdeutschen Reichweite tourt die Wanderausstellung „Parole: Funken schlagen!“ durch alle Bundesländer und bespielt Museen und Soziokulturelle Zentren. Nach Goslar sind weitere Stationen in Eutin und Saarbrücken vorgesehen.

Die interaktive und multimediale Ausstellung kann in Goslar noch bis Sonntag, 1. Oktober, im Goslarer Museum, im Kulturmarktplatz, Am Museumsufer 2, in 38640 Goslar, besichtigt werden. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr und donnerstags bis 18 Uhr geöffnet. Schulklassen des Landkreises Goslar haben freien Eintritt. Zudem besteht für Schulklassen die Möglichkeit einer geführten Besichtigung. Um vorherige Anmeldung unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! wird gebeten. Weiterführende Information zu dem Projekt und der Wanderausstellung sind unter https://parolefunkenschlagen.de/ abrufbar.

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Ausstellung „Parole: Funken schlagen!“ ist gestartet

Download des Bildmaterials:

230904 Bild 1 Ausstellungsraum

Foto 1 (Stadt Goslar): In zwei Räumen des Goslarer Museums findet in den vier Wochen die Ausstellung „Parole: Funken schlagen!“ statt.

230904 Bild 2 Ausstellungstuer

Foto 2 (Stadt Goslar): Elf Geschichten an elf Türen. Die geöffneten Türen ermöglichen das „Dahinterschauen“ – was in der ehemaligen DDR nicht immer möglich war.

230904 Bild 3 Tischtennisplatte

Foto 3 (Stadt Goslar): Tischtennis über Grenzen: Sobald der Ball ins Aus geht, beantwortet die Spielerin oder der Spieler eine Frage. Als Tischtennisnetz fungieren Holzstücke, die auf der Deutschlandlandkarte darunter – zumindest anteilig – die frühere Grenze darstellen.

230904 Bild 4 Begleitmaterial

Foto 4 (Stadt Goslar): Das Begleitmaterial rundet die Ausstellung ab: Es können Mutmedaillen und Flugblätter gebastelt werden. Auch Postkarten mit dem Slogan „Wie wunderbar, dass man sofort beginnen kann, die Welt zu verändern“ können mitgenommen und verschickt werden.

Verantwortlich für diese Meldung:

Die Oberbürgermeisterin (V.i.S.d.P)
Charley-Jacob-Straße 3
38640 Goslar

 

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