Deutschland darf nicht zur verlängerten Werkbank werden

Bundeswirtschaftsminister war Ehrengast beim 41. Goslarschen Pancket

Goslar. Um Strukturwandel, das europäische Bündnis und Wertschöpfungsketten ging es beim 41. Goslarschen Pancket – der Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Peter Altmaier, kam als Ehrengast am Freitagabend in die Kaiserpfalz. „Was für eine Stadt, was für ein Ort“, kommentierte er beinah ehrfürchtig vor rund 200 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien.

Der Bundeswirtschaftsminister lenkte den Blick auf das kriegsgebeutelte Europa vor dem großen Bündnis: 30-jähriger Krieg, napoleonische Befreiungskriege, napoleonische Kriege, deutsch-französischer, deutsch-österreichischer Krieg, Erster und Zweiter Weltkrieg. „Seit 70 Jahren ist Frieden. Das können wir gar nicht ermessen.“ Seit dem Zusammenschluss der EU „musste kein einziger junger Europäer sein Leben lassen im Krieg gegen ein anderes Land der Europäischen Union.“ Altmaier blickte auf die politischen Entwicklungen der vergangenen Jahre: „Wir dürfen nicht zulassen, dass linke und rechte Populisten diese Errungenschaft wieder zunichte machen.“ So gelte es derzeit, einen harten ungeordneten chaotischen Brexit zu verhindern. „Er würde Europa auf viele Jahre spalten“, prophezeite der Ehrengast.

„Wir müssen in unserer Nachbarschaft Verantwortung übernehmen - für Frieden und Freiheit.“ Damit meinte er unter anderem die Ukraine und die Annexion der Krim sowie die Lage in der Türkei. Er nannte es geostrategische Verantwortung, für Stabilität in anderen Ländern zu sorgen. „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass Probleme vor Ort gelöst werden können.“

Goslars Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk blieb hingegen eher im Regionalen und fand viele Parallelen zwischen der Region Süd-Ost-Niedersachsen und der Heimat des Wirtschaftsministers. „Den Bergbau als Wirtschaftsfaktor hier gibt es, lieber Peter Altmaier, leider seit drei Jahrzehnten nicht mehr.“ Auch der Minister habe als Bergarbeiterkind aus dem Saarland eine enge Verbindung zum Bergbau. „Mit dem Rückgang von Kohle und Stahl in den 60er und 70er Jahren änderte sich das Gesicht der saarländischen Wirtschaft deutlich. Innerhalb von drei Jahrzehnten fielen 60.000 Jobs weg. Keine andere Region Deutschlands verzeichnete einen derartigen Wandel.“

Doch das Saarland und Goslar beweisen laut Junk: „Strukturwandel kann gelingen.“ Goslar habe nicht nur eine Strukturkatastrophe erlebt. Allein das Ende des Bergbaus, die Auflösung der Bundesgrenzschutzkaserne, der Abzug der Bundeswehr habe tausende Arbeitsplätze gekostet. Der Oberbürgermeister blickte angesichts etlicher Großprojekte in der Stadt positiv gestimmt in die Zukunft: "Jeder Tag bedeutet ein wenig Strukturwandel. Wir müssen eben nur weiterarbeiten, mutige Entscheidungen treffen."

Damit richtete er seinen Dank an alle Unternehmerinnen und Investoren, die Ideen entwickeln, Projekte anstoßen und umsetzen. „Wir, die Stadt Goslar, die Verantwortlichen im Rathaus, wir nehmen Sie wahr, wir freuen uns über jeden Investitionseuro.“

Peter Altmaier stieß ins selbe Horn. China sei gerade dabei im Bereich der technologischen Entwicklung, die Führung auf dem Weltmarkt zu übernehmen. Deutschland dürfe sich nicht in die Rolle der verlängerten Werkbank drängen lassen. „Wir müssen zeigen, dass wir hungrig sind, dass wir kämpfen, um unsere Arbeitsplätze zu erhalten.“

Wertschöpfungsketten, etwa bei Elektromobilität und künstlicher Intelligenz, müssen nach Altmaiers Ansicht komplett in Deutschland bleiben. „Die Verantwortung trifft uns alle gemeinsam - die Wirtschaft und die Politik.“ Man müsse junge Menschen ermutigen, sich selbstständig zu machen, Unternehmen die Chance auf erfolgreiche Investitionen geben. Eine große Hürde sei dabei unter anderem die Bürokratie. Als Beispiel nannte der Bundesminister die Dokumentationspflichten beim Mindestlohn und erntete tosenden Beifall aus dem Publikum.

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Foto 1 (Stadt Goslar/Schenk): Peter Altmaier (2. von rechts) lässt sich Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk (von links), dem vom Herold sowie Ehrenbürger Sigmar Gabriel die Speisekarte erläutern.

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Foto 2 (Stadt Goslar/Schenk): Unter den Blicken von Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk, Herold Torsten Czwojdrak (1. und 2. von links) und Martin Deutsch, Geschäftsführer des Einbecker Brauhauses (rechts), sticht Peter Altmaier das Fass mit Ainpöckisch Bier an.

Über das Goslarsche Pancket:
Das Goslarsche Pancket ist vergleichbar mit der Bremer Schaffermahlzeit. Seine Tradition geht auf einen Brauch der hansischen Kaufleute aus dem Mittelalter zurück. Seit 1967 lädt die Stadt rund 200 Gäste aus den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur und Medien in die Aula regis ein; den Reichssaal der im Jahr 1050 von Kaiser Heinrich III. erbauten Kaiserpfalz. Als Veranstaltung der städtischen Wirtschaftsförderung bietet das Pancket die Plattform zur Vertiefung bestehender Kontakte und die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen. Neben der Bremer Schaffermahlzeit und dem Matthaei-Mahl in Hamburg hat es im norddeutschen Raum überregionale Bedeutung erlangt. Insbesondere auswärtige Gäste sind von der einzigartigen Atmosphäre im Festsaal begeistert. Darunter waren bereits Politiker wie Hans-Dietrich Genscher, Helmut Schmidt, Gerhard Schröder, Prof. Dr. Roman Herzog sowie Wirtschaftsgrößen wie Vorsitzender des Vorstands der Volkswagen AG, Dr. Ferdinand Piëch, Bundesbankpräsident Prof. Dr. Hans Tietmeyer oder ZDF-Intendant Prof. Dieter Stolte. Zuletzt kamen als Ehrengäste Dr. Rüdiger Grube, seinerzeit Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, und Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, in die Goslarer Kaiserpfalz.

Glanzpunkt des Abends ist der mittelalterliche Schmaus, zubereitet nach Originalrezepten eines der ältesten in Deutschland erschienenen Kochbücher von M. Marxen Rumpolt, Churfürstlich Meintzischen Mundtkoch – mit römisch kaiserlicher Maiestat spezial Privilegio – im Jahre 1587. Dazu wird ein von der Einbecker Brauhaus AG nach alten Rezepten gebrautes Ainpöckisch Bier getrunken.

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