Martin Kind und Jörg Schmadtke diskutierten über Fußball

Die Sportfunktionäre lieferten sich eine launige Debatte bei „Der Berg ruft“

Goslar. Einen Fußballabend der etwas anderen Art erlebten die Gäste in der Waschkaue am Mittwoch. Statt eines Balles kreiste das Mikrofon. Jörg Schmadtke, Manager des VfL Wolfsburg, und Martin Kind, Präsident von Hannover 96, diskutierten bei „Der Berg ruft – Zukunft fördern“ über die Zukunft des deutschen Fußballs und seine gesellschaftliche Bedeutung.

Beide Diskutanten scheuten sich nicht, auch unpopuläre Meinungen zu vertreten, und fanden deutliche Worte. So bezeichnete Martin Kind beispielsweise den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) als legale Kartelle. Den Begriff wollte Schmadtke hingegen nicht stehen lassen. Eigentümer der DFL seien die 36 Clubs der 1. und 2. Bundesliga. „Das heißt, dann sind wir das Kartell…“

Bei allen Meinungsverschiedenheiten – und mitunter kleinen humorvollen Spitzen – herrschte eine harmonische Stimmung auf dem Podium. Martin Kind und Jörg Schmadtke hegen zwar unterschiedliche Ansichten zum Fußball, aber offensichtlich große Sympathie füreinander. Und so nahm der eine dem anderen einen gelegentlichen Seitenhieb auch nicht übel. Etwa bei der Publikumsfrage zum derzeitigen Tabellenstand in der Bundeliga. Die Mannschaften liegen alle dicht beieinander. „Ist das Zufall? Sind die großen Mannschaften schlechter oder die kleinen besser geworden?“ Beides, meinte Jörg Schmadtke. Diese Saison seien Bayern München und Borussia Dortmund schwächer und andere Mannschaften stärker als die Jahre zuvor. Daraufhin merkte Martin Kind an, es seien genau die Vereine an der Spitze, die auch wirtschaftlich am stärksten sind. „Dieser Prozess wird sich fortsetzen. Wir anderen spielen Staffage: spielen, verlieren, fahren nach Hause.“ Das gelte auch für Wolfsburg. „Wenn es nur nach den Zuschauern ginge, würden die auch unten spielen.“ Schmadtke konterte trocken: „Aber immer noch besser als Fünfzehnter in der zweiten Liga.“

Selbstkritisch antwortete Martin Kind auf die Frage, was bei 96 schieflaufe: „Wir sind berechtigt abgestiegen. Weil wir Fehler gemacht haben, zu viele Fehlentscheidungen getroffen haben.“ Fußball sei ein öffentliches Produkt, deshalb werde alles thematisiert, alles gelobt oder kritisiert. Von sechs Heimspielen konnte Hannover 96 keines gewinnen. Viermal habe man ein glückliches Unentschieden erreicht. „Das zeigt, dass sich diese Mannschaft bisher nicht gefunden hat.“

Mit Blick auf Trainerwechsel bei Bundesligavereinen sagte Jörg Schmadtke, als Fußballverein stehe man jede Woche auf dem Prüfstand. Die Frage sei: „Wieviel Vertrauen schenken Sie Ihren handelnden Personen in Zeiten, wo die Ergebnisse nicht so sind, wie sie sein sollten? Die Hire-and-Fire-Mentalität hat auch bei uns Einzug gehalten.“ Sein Mitleid mit entlassenen Trainern oder Managern halte sich allerdings in Grenzen, betonte der VfL-Manager. „Wir werden schon alle richtig gut bezahlt.“

Die Marktdominanz schätzten die Sportfunktionäre unterschiedlich ein. Während Schmadtke die Rolle des Fußballs als überdominant kritisierte – „Fußball schlägt andere Sportarten tot“ – war Kind überzeugt, dass sich der Trend halten wird. „Fußball ist attraktiv. Die Menschen wollen Erfolg, sie werden kommen.“ Mehr als 50 Prozent der Einnahmen entstünden aus den TV-Rechten, mindestens 30 Prozent aus Sponsorengeldern. Tickets würden nur 20 Prozent ausmachen. Schmadtke widersprach: „Sie brauchen die Fans.“ Würden sich die Stadien leeren, würden die Spiele auch für Fernsehen und Sponsoren weniger attraktiv. „Dann kommen andere“, zeigte sich 96-Präsident Kind überzeugt.

Beide Fußballfunktionäre sagten einen Fortschritt in der Digitalisierung des Sports voraus. „Ich bin mir sicher, dass wir ganz neue Ideen entwickeln werden“, so Kind. Er prophezeite mehr Eventcharakter vor und nach dem Spiel. Schmadtke erklärte, man müsse es schaffen, das wirtschaftliche Denken verstärkt in den Vordergrund zu stellen. Einnahmen und Ausgaben müssten ausgewogen sein.

Zum Abschluss brach Martin Kind eine Lanze für den heimischen Fußballverein, den GSC. „7. Liga geht nicht!“, sagte der Unternehmer, der 1970 seine erste Hörgeräte-Filiale in der Petersilienstraße in Goslar eröffnete. „Sie sind gefordert, Ihr Hirn einzuschalten, vielleicht das Portemonnaie zu öffnen und den Verein zu unterstützen.“

Hintergrund:
Auf Einladung von Martin Rahmann, Geschäftsführer der Cellerar GmbH, Gerhard Lenz, Geschäftsführer Weltkulturerbe Rammelsberg, sowie Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk, greift die Veranstaltung „Der Berg ruft – Zukunft fördern“ seit dem Auftakt im Jahr 2014 gesellschaftliche Fragestellungen auf und schafft mit zwei Diskutanten einen spannenden und kurzweiligen Dialog. Diskurs ist nach Auffassung der Gastgeber die treibende Kraft zum gesellschaftlichen Fortschritt.

Download der Pressemitteilung:
Martin Kind und Jörg Schmadtke diskutierten über Fußball

Bildmaterial zur Pressemitteilung:

Der Berg ruft Schmadtke Kind

Der Berg ruft Schmadtke Kind

Fotos (Stadt Goslar/Klingebiel): Jörg Schmadtke (von links) und Martin Kind stellen sich in der Waschkaue des Rammelsberges den Fragen von Moderator Andreas Rietschel und sorgen nicht selten mit ihren humorvollen Antworten für Lachen im Publikum.

Verantwortlich für diese Meldung:

Der Oberbürgermeister (V.i.S.d.P)
Charley-Jacob-Straße 3
38640 Goslar

 

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