Der Wald wird nicht sterben, aber er verändert sich

Stadt lud zum Diskussionsabend über die Zukunft des Harzer Waldes

Goslar. Klimawandel, Sturmschäden, Borkenkäfer, Waldbrandgefahr, wirtschaftliche Situation, Hochwasserschutz – die Zukunft des Harzer Waldes wird aktuell kontrovers diskutiert, allerdings nicht immer mit vollumfassenden Informationen. Deshalb hatte Goslars Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Zukunft Wald“ ins GoTEC eingeladen.

Dr. Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten, Andreas Pusch, Leiter des Nationalpark Harz, und Wolfgang Lebzien, Leiter der Stadtforst Goslar stellten sich den Fragen von Moderator Jörg Kleine, Chefredakteur der Goslarschen Zeitung, aber auch denen des Publikums.

„Seit 2017 ist es zu einer Situation gekommen, die wir Forstwissenschaftler uns nicht hätten vorstellen können“, sagte Dr. Klaus Merker. Starkregen, Sturmtief Friederike und anschließende Dürre setzten den Bäumen zu. Auch im Jahr darauf folgten Dürre und schwere Stürme. Die Waldarbeiter kamen mit den „Aufräumarbeiten“ nicht mehr hinterher. Dann kam der Borkenkäfer. Statt üblicherweise 1,7 Millionen Kubikmeter holten die Landesforsten 2018 laut Merker 2,8 Millionen Kubikmeter Holz aus dem Wald, davon allein 2,3 Millionen Kubikmeter Schadholz. Die befallenen Fichten mussten aus dem Wald – „Freiflächen, die wir wieder aufforsten müssen“, erläuterte der Landesforsten-Präsident.

Ähnlich sieht es in der Stadtforst Goslar aus, wie Leiter Wolfgang Lebzien mit ebenso beeindruckenden wie erschreckenden Vorher-Nachher-Fotos belegte. Hier habe man 220 Hektar tatsächliche Blöße. Das entspreche etwa acht Prozent der Waldfläche. Hinzu kommen laut Lebzien 330 Hektar, die so stark befallen sind, dass sie auch zu Blößen werden. „Wir haben Fichtenabgänge auf fast 20 Prozent der Stadtforstfläche.“ Nur 15 Prozent der 550 Hektar seien so, dass dort von allein Bäume nachwachsen. Lebzien nannte damit das nächste Problem: Der Wettbewerb um junge Bäume und Fremdfirmen, die diese im Auftrag nachpflanzen. Hier konkurrieren nicht nur Stadtforst, Nationalpark und Landesforsten miteinander, sondern auch die privaten Waldbesitzer.

Aber auch die Firmen, die gefallene oder vom Käfer befallene Bäume aus dem Wald holen sollen, sind ausgebucht. In den vergangenen Jahren habe man fast ausschließlich Schadholz geschlagen, berichtet Lebzien. Die Aufarbeitung ist teuer, gleichzeitig erzielt das Holz auf dem Markt nur noch die Hälfte seines früheren Preises. Die Stadtforst macht längst keinen Gewinn mehr. „Auf jeden Festmeter zahlen wir drauf.“

Auch der Nationalpark-Wald sei in Aufruhr, so Leiter Andreas Pusch. Allerdings habe er eine ganz andere Zielsetzung als im Wirtschaftswald. Der Nationalpark fährt laut Pusch eine Doppelstrategie: In der Kernzone wird der Wald sich selbst überlassen, im Randbereich gebe man Entwicklungsanstöße durch Pflanzungen. Hier, an den Grenzen zum Wirtschaftswald bekämpfe auch der Nationalpark den Borkenkäfer mit voller Kraft. Es gebe gute Gründe, im Kernbereich die toten Bäume liegen zu lassen. „Viele Organismen leben am und im Totholz“, erläuterte Pusch. Der Nationalpark hat den gesetzlichen Auftrag, die Natur, Natur sein zu lassen. „Der Wald stirbt zum Glück nicht, aber er verändert sich.“

Die Stadtforst pflanzt schon seit vielen Jahren keine Fichten mehr nach, sondern setzt bei der Aufforstung auf eine Mischung aus überwiegend Laubgehölzen: Buche, Douglasie, Eiche, Bergahorn. Auch die Landesforsten sehen die Zukunft im Mischwald, in „Baumarten, die bewiesen haben, dass sie in unseren Breitengraden besser mit der Trockenheit klarkommen“, so Merker. Allerdings werde die Fichte in den hohen Lagen des Harzes auch in Zukunft eine Bedeutung haben.

Und wie sieht die Prognose für die nächsten 15 Jahre aus? Den Wald werde es weiterhin geben, sagte Wolfgang Lebzien voraus. „Für den Wirtschaftswald wird es aber sehr schwer werden.“ Das Landschaftsbild werde sich etwas verändern, erklärte Dr. Klaus Merker. „Die dunklen Fichtenwälder werden etwas lichter werden.“

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Der Wald wird nicht sterben, aber er verändert sich

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Foto 1 (Stadt Goslar): Andreas Pusch, Dr. Klaus Merker, Wolfgang Lebzien und Jörg Kleine führten eine spannende Diskussion zum Harzer Wald.

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Foto 2 (Stadt Goslar): „Wald verkauft man nicht“, findet Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk (rechts). Er brachte Wolfgang Lebzien (von links), Jörg Kleine, Andreas Pusch und Dr. Klaus Merker als Dankeschön mit Augenzwinkern ein Kartenspiel mit: „Bäume bestimmen“.

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