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Georadarmessung des Domplatzes liefert unerwartete Bilder

Grundriss der Stiftskirche im Untergrund deutlich zu erkennen

Goslar. Im Zusammenhang mit der Entwicklung des Kaiserpfalzquartiers wurde Ende März der Untergrund im Bereich des Domplatzes sowie auf dem Parkplatz Kaiserpfalz Süd mittels Georadarmessungen untersucht. Die Ergebnisse liegen nun vor und lassen die Herzen der Denkmalschützer höher schlagen.

„Man kann der Stadt Goslar nur gratulieren. Wir haben ein Reichsstift gefunden“, sagt Dr. Michael Geschwinde vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. „Als Baudenkmal verschwunden, als archäologisches Denkmal perfekt erhalten.“ Der Fund ist gleich in mehrfacher Hinsicht erstaunlich. Zum einen könne man ganz deutlich den Grundriss der Stiftskirche erkennen, während bei anderen Messungen nur verschwommene Linien zu sehen seien, so der Fachmann. Außerdem hatte niemand damit gerechnet, dass überhaupt noch Grundmauern in diesem Ausmaß im Untergrund vorhanden sind.

In den frühen 1970er Jahren wurde der heutige Kaiserpfalzparkplatz an der Stelle angelegt, wo vor 1050 die Stiftskirche St. Simon und Judas – auch als Goslarer Dom bezeichnet – entstand. Wegen Baufälligkeit wurde sie 1820 "auf Abbruch" verkauft; erhalten blieb nur die nördliche Domvorhalle. Laut Geschwinde habe der hoch dekorierte Architekt, Autor und Chronist Hans-Günther Griep, auf den auch er sehr große Stücke halte, seinerzeit festgehalten, die Grundreste der Kirche seien durch die Bauarbeiten und den einen Meter tiefen Aushub beseitigt worden. Umso überraschter zeigten sich die Denkmalschützer, als bei einer klein angelegten Georadarmessung 2018 Fundamente auftauchten. Die Domvorhalle hatte einen kleinen Wasserschaden und eigentlich wollte man mit der Messmethode die Wasseradern anzeigen. Dr. Geschwindes Neugier war geweckt, er organisierte Fördermittel für eine großangelegte Georadarmessung. „Herausgekommen ist etwas, womit, glaube ich, niemand hätte rechnen können“, erzählt der Archäologe.

Bei der Georadarmessung, werden mittels einer Messsonde auf einem Schlitten vertikale Aufnahmen des Untergrundes gemacht. Erst am Computer werden sie in mehreren Schichten zu horizontalen Bildern zusammengesetzt. „Man sieht nur Anomalien“, erläutert Dr. Geschwinde. Diese müssten erst interpretiert werden. In 50 Zentimeter Tiefe taucht langsam die Stiftskirche auf, wird in den nächsten Schichten noch deutlicher. Zu erkennen sind unter anderem die Krypta mit drei Nischen und der Eingang sowie unterirdische Mauern, auf denen die Säulen gestanden haben. Der Keller der Stiftskurien lag außerhalb des Kirchengebäudes selbst. Ab 50 Zentimetern Tiefe zeichnet sich das Westwerk mit den Türmen ab. Sogar das Treppenhaus ist deutlich zu sehen, ebenso der Kreuzgang. Bei 1,10 Meter lösen sich die Bilder langsam auf. „Die Überreste beginnen bei 50 Zentimetern und gehen bis 1,40 Meter und tiefer hinunter“, erläutert Dr. Geschwinde. „Das ist ein Bodendenkmal von nationaler Bedeutung.“ Die Messung liefere einen viel besseren Einblick als man es aus den historischen Plänen rekonstruieren könne.

So erfreulich dieser Fund ist – er bedeutet gleichzeitig für die Umgestaltung des Domplatzes gewisse Einschränkungen. Die Mauern freizulegen würde nicht nur Kosten in Millionenhöhe verursachen, es sei zum Erhalt auch nicht ratsam, so der Fachmann. Bei den Mauern handle es sich nämlich oftmals um nicht vermörtelte Kalksteinmauern in Lehm. Bei einer Freilegung gebe es daher kaum eine Chance, sie sichtbar zu machen und gleichzeitig zu sichern. Selbst Bäume sind laut Geschwinde ein Problem, weil ihre Wurzeln die unterirdischen Mauern beschädigen können. Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk zeigt sich dennoch zuversichtlich, dass der Domplatz so umgestaltet werden kann, dass es seiner historischen Bedeutung gerecht wird. „Richtig ist: Wir werden nicht über eine Bebauung auf dem derzeitigen Parkplatz sprechen.“ Der Landschaftsarchitekturwettbewerb, den die Stadt gerade startet, werde neue Ideen bringen.

Für die andere Hälfte des Kaiserpfalzquartiers, die Investor Hans-Joachim Tessner mit Hotel, Tiefgarage und Multifunktionshalle entwickelt, kündigte Tescom-Geschäftsführer Holger Holste weitergehende Bodenuntersuchungen an. Der Bereich des Erzholntores, das früher südöstlich des Amtsgerichts stand, sei bereits unter die Lupe genommen worden. Bei der Umgestaltung gehe man aber dicht an die nun wiederentdeckten Stiftskurien heran, und eine Überraschung beim Bau wolle man vermeiden, erläuterte Holste.

Download der Pressemitteilung:
Georadarmessung des Domplatzes liefert unerwartete Bilder

Bildmaterial zur Pressemitteilung:

Georadar zeigt Stiftskirche

Georadar zeigt Stiftskirche Quelle NLD

Georadar zeigt Stiftskirche


Foto 1 (Stadt Goslar): Dr. Michael Geschwinde vom Landesamt für Denkmalpflege (von links), Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk und Tescom-Geschäftsführer Holger Holste stellen die Ergebnisse der Georadarmessung und ihre Bedeutung für die Entwicklung des Kaiserpfalzquartiers vor.

Grafik 2 (NLD): Die Archäologen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege haben die verschiedenen Tiefenschichten übereinandergelegt, Drainage und Versorgungsleitungen „herausgerechnet“. Heraus kommt der Grundriss der ehemaligen Stiftskirche.

Archivfoto 3 (Stadt Goslar): Bei der Georadarmessung wurde mit einer Messsonde der gesamte Parkplatz Stück für Stück abgefahren.

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