Standesamt seit zehn Jahren in der Kaiserpfalz

Mit 3.500 Trauungen beliebtester Trauort

Goslar. Viele ältere Goslarer können sich noch daran erinnern, ihre Ehe im alten Standesamt in der Rosentorstraße 27 geschlossen zu haben. Dieses historische Fachwerkhaus war über Jahrzehnte das Domizil des Goslarer Standesamtes. Am 1. Februar 2010 endete diese Tradition, das Standesamt zog in die zweite Etage der Kaiserpfalz. Mit umgezogen ist damals auch das Biedermeierzimmer mit dem bekannten Spiegel. Immer noch werden Brautpaare nach ihrer Trauung von Fotografen und Familienmitgliedern zum traditionellen Foto vor diesem Spiegel aufgefordert.

Ab dem 1. Februar 2020 residiert das Amt also nun schon zehn Jahre in der Kaiserpfalz. Diese ist bei den einheimischen und den vielen auswärtigen Brautpaaren eine besonders beliebte „Location“, ermöglichen doch Pfalz und Reiterstandbilder schöne Filmaufnahmen und manchen „kaiserlichen“ Schnappschuss. Das erklärt sicher auch, dass von den gut 3.900 Trauungen der letzten zehn Jahre knapp 3.500 in der Pfalz geschlossen wurden. Weitere Trauorte sind der Liebesbankweg in Hahnenklee, das St. Annenhaus, das Bergbaumuseum, der Kaisersaal im Vienenburger Bahnhof und das Trauzimmer im Klosterhotel Wöltingerode. Die zusammen über 500 hier geschlossenen Ehen waren für alle das passende Angebot, die aufgrund ihrer persönlichen Biografie den zu ihnen passenden Trauort wollten. Es zieht viele Paare aus den umliegenden Gemeinden zur Eheschließung nach Goslar. Und viele Menschen mit Goslarer Wurzeln kehren zur Eheschließung nach Goslar zurück, um hier ihre Hochzeit zu feiern. Aus städtischer Sicht hat sich der Umzug des Standesamtes in die Kaiserpfalz bewährt, obwohl die Eventwünsche von Brautpaaren und Hochzeitsgästen nicht immer mit den Besucher- und Touristenströmen der wichtigsten Sehenswürdigkeit Goslars zu vereinbaren sind.

Auch 2019 haben sich ungewöhnliche und lustige Szenen im Standesamt zugetragen. So sollte ein Tätowierer direkt nach dem Ja-Wort im Trauzimmer Ringe auf die Finger des Paares tätowieren. Aus Zeitgründen konnte dieser Wunsch nicht erfüllt werden. Ein Paar erschien zur Trauung mit einem Einkaufsroller, um sich nach der Eheschließung direkt vom Standesamt von einem Servicetaxi eines örtlichen Einkaufsmarktes abholen zu lassen. Ziel: der Wocheneinkauf mit anschließender Heimfahrt per Servicetaxi. Ein Bräutigam wurde durch einen Sheriff mit Handschellen und amerikanischem Auto „vorgeführt“ und erklärte trotzdem freudig sein Jawort. Ein Brautpaar, Anhänger der Gothic Szene, erschien komplett schwarz gekleidet, mit schwarzem Brautstrauß und auch schwarzen Eheringen. Beeindruckend waren die Gewänder der Gäste von Brautpaaren aus Indonesien, Indien, Sri Lanka, Thailand, Syrien und Iran. Zum Schmunzeln auch der Hinweis einer Braut an ihren Zukünftigen auf dem Weg ins Trauzimmer: „Du kannst es dir jetzt noch kurz überlegen. Ich bin zickig und kann nicht kochen.“ Er hat nicht geantwortet, aber unter großem Applaus der anwesenden Gäste „Ja“ gesagt.

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Standesamt seit zehn Jahren in der Kaiserpfalz

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Archivfoto (Stadt Goslar): Ein Brautpaar posiert an der LoveHate-Skulptur vor der Kaiserpfalz

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