Goslarer Straßennamenkatalog - Am Klusteich


Am Klusteich

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Die Straße Am Klusteich befindet sich im östlichen Außenbereich der Innenstadt. Sie hat einen sehr ungewöhnlichen Verlauf, da sie mit ca. 100 m Länge sehr kurz ist und in zwei Sackgassen endet. Vom Osterfeld kommend biegt man links zur Straße Am Klusteich ab. Am Anfang der Straße ist sie beidseitig bebaut, wobei die Wohnhäuser auf der linken Seite noch zum Osterfeld gehören. Im unteren linken Bereich der Straße trifft man auf eine abgesperrte Parkplatzanlage, hinter der sich der Klusteich befindet. Auf der rechten Seite stehen Ein- und Mehrfamilienhäuser. Am Ende der Straße gelangt man zur ersten Sackgasse, die in einem Waldgebiet am Fuße des Petersberg endet. Folgt man dem angelegten und leider nicht beschilderten Wanderweg, gelangt man zu den Ruinen der St. Peters-Basilika, auch Stiftskirche St. Petri genannt, zum Klusteich und zum Klusfelsen. Auf der rechten Seite kurz vor Ende der Straße gelangt man durch eine sehr schmale Zufahrt in die zweite Sackgasse. Nach ca. 50 Metern befindet man sich auf einem Vorplatz, auf dem einige Garagen ins Auge fallen und links wie rechts Wohnhäuser stehen.

Die Straße wurde 1963 erstmals im Adressbuch der Stadt erwähnt und hat ihren Namen dem Klusfelsen und dem davor liegenden Klusteich zu verdanken. Der Felsen besteht aus Sandstein und ragt als knapp 20 Meter hoher Felsen in dem nahezu ebenen Gelände hervor. Der Klusfelsen stammt aus der Unterkreide und bildete sich vor ca. 110 Millionen Jahren im Flachmeer. Der Klusfelsen leitet seinen Namen aus dem lateinischen Verb „claudere“ (schließen) ab, von dem das mittelhochdeutsche Wort „Kluse“ (Klause) abstammt. Das war ein abgeschlossener Raum oder eine Einsiedelei, die seit 1169 urkundlich nachgewiesen ist. Im frühen Mittelalter wurden so die Behausungen von Eremiten bzw. Klausnern genannt.

Im Goslarer Stadtgebiet gab es kaum natürliche Wasserflächen. Vor allem Klöster brauchten das Wasser. So wurden überall, wo es möglich war, Teiche angelegt. Es wurde ein künstlicher Graben gebaut, wodurch der Klusteich seine Wasserzufuhr über den Bollrichteich erhielt. Er leitete nicht nur dem Klusteich Wasser zu, sondern ermöglichte auch den Betrieb einiger Mühlen auf der Gefällstrecke. Der Klusteich steht unter Naturschutz und befindet sich heute in Privatbesitz. Er ist schlecht zugänglich, da der Weg dorthin sehr zugewuchert ist.

Agnes, die Gemahlin von Kaiser Heinrich III. (1017-1056), stiftete die St. Peters-Basilika auf dem Petersberg. Von der Basilika sind heute nur noch die Grundmauern erhalten geblieben, welche dem Betrachter noch heute einen Eindruck von der Größe der einstigen Basilika vermitteln.

Einer Sage zufolge ließ Agnes im Klusfelsen die Kapelle errichten, um bereits in der Bauphase dort beten zu können. Im 19. Jahrhundert wurde die Höhle als Stall und Lagerraum für das Wohn- und Wirtshaus „Zur Clus“ genutzt. Das Haus wurde im April 1968 abgerissen. Zuletzt wurde die Kapelle 1982/83 vom Rotary Club restauriert. Vor den Überresten der Basilika kann man auf einer Bank platz nehmen und genießt einen fantastischen Blick auf den Harz und die Kaiserpfalz.

Vom Osterfeld blickend wird der Klusfelsen von einem großen Wohnhaus verdeckt und gerät so leider langsam in Vergessenheit, da er weder für Touristen noch für Einheimische sichtbar ist. Man erreicht ihn am besten über die Straße Petersberg, dort befindet sich eine kleine Gasse, von der man das grüne Gelände und den Klusfelsen sieht. Der Klusfelsen ist von Treppen und Wegen nach einer Art romantischer Wallfahrtsanlage umgeben. Wenn man den Treppen folgt, gelangt man zur Kapelle. Der Felsen steht heute unter Denkmalschutz. Dies bedeutet, dass man keine Proben schlagen und der Felsen nicht bestiegen werden darf. Die Kapelle und der „Keller“ sind durch Gitter vor Zerstörung geschützt.

Quellen:

  • Machalett, Günther; Die Kluskapelle in Goslar
  • Dr. Hermerding, Siegfried, Lassen, Nils, Raub, Eva; Die Magier vom „Klus“
  • Griep, Hans-Günther; Goslar, Geologie u. Topographie;
  • Stadt Goslar, Bauamt; Ordner 4, Akte 52

 

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.