Goslarer Straßennamenkatalog - Am Stollen


Am Stollen

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Die Straße Am Stollen beginnt am Übergang des Zwingerwalls in die Wasserbreeke und verläuft stetig ansteigend an der Wall- und der Siemensstraße vorbei bis zur ehemaligen Rammelsbergkaserne, in der sich heute das Energieforschungszentrum Niedersachsen (EFZ) befindet. Dahinter beginnen die Goslarer Bergwiesen, und ab hier wird es auch für die Vierbeiner interessant. So nah am Landschaftsschutzgebiet lässt es sich in dieser verkehrsarmen Wohngegend beschaulich leben. Der alte Baumbestand entlang der Straße unterstreicht diesen Eindruck. Obwohl keine Einbahnstraße, ist sie durch die parkenden Autos nicht ohne Schwierigkeiten befahrbar und zwingt dazu, vom Gas zu gehen. Um dieses Problem abzumildern, hat man erst kürzlich die Parkflächen zur Hälfte auf den Bürgersteig verlegt.

Die Bebauung besteht aus gepflegten älteren Wohnanlagen mit mehreren Mieteinheiten. Der rechte Gehweg wurde wie oben beschrieben umfunktioniert. Der gegenüberliegende Fußweg, von dicken alten Alleebäumen flankiert, blieb davon verschont. Ein optisches Highlight sind die wunderschönen restaurierten Gebäude der ehemaligen Kaserne. Eine besondere Überraschung ist die Mitteilung auf einer Tafel am Eingang, dass die Kantine auch für die Öffentlichkeit preiswerte Mittagsmenüs und viele andere Gerichte bereithält. Als Krönung bieten sich hier viele Parkplätze an, die man sonst in Goslar nur unter der Rubrik „Raritäten“ finden kann, und auch holpriges Kopfsteinpflaster sucht man hier vergebens.

Den Namen erhielt die Straße nach dem in der Nähe verlaufenden Julius-Fortunatus-Stollen. Um 1484 beschloss der Rat, die Wasserhaltung im Bergbau zu erleichtern, indem unterhalb des Rathstiefstenstollens ein weiterer Stollen gegraben werden sollte. Bergsachverständige aus Meißen im Erzgebirge suchten nach einer günstigen Stelle, wo der Stollen enden sollte. Sie wurden fündig am Werderturm und trieben von hier aus die Grabungen voran. Das sogenannte„Mundloch“, also der Ausgang dieses neuen Stollens liegt auf der Rückseite des Werderturms in den Wallanlagen, westlich des Breiten Tores. Eine Hinweistafel, die Länge und Beschaffenheit des Stollens erklärt, befindet sich unterhalb des „Wasserloches“, an der die Abzucht aus der Stadt heraustritt. Die Arbeit am neuen Stollen gestaltete sich schwierig und kostspielig. Sie wurde viermal unterbrochen, und Jahre vergingen, bis sie wieder aufgenommen werden konnte. Erst 1585, nach dann 21 Jahren ununterbrochener Arbeit, konnte Herzog Julius von Braunschweig die fast 100 Jahre dauernde Stollengrabung erfolgreich beenden. Der zunächst nach den Meißner Bauarbeitern benannte Meißner Stollen erhielt nun zu Ehren seines Fertigstellers den Namen „Tiefen-Julius-Fortunatusstollen“.

Der Stollen kam 45 m unterhalb des Rathstiefstenstollen an, der jetzt den Namen Oberer Julius-Fortunatusstollen erhielt. Nun waren die Wasserprobleme im Bergwerk gelöst, was eine ungeheuere Erleichterung der Arbeit unter Tage bedeutete.

Zu Ehren der Fertigstellung dieses Bauwerkes pflanzte man um 1585 auf der Halde des 28 Meter tiefen Lichtschachtes Nasser Herbst eine Linde. Die prächtige alte „Stollenlinde“, die sich auf dem kleinen Hügel eines Privatgrundstücks befindet, gehört zu den Naturdenkmalen, die 1906 erstmals dokumentiert wurden. Sie misst in ihrem Umfang heute 13,5 Meter und ist ca. 426 Jahre alt. Somit ist sie wohl der schönste und bekannteste Baum im Landkreis Goslar. Nachdem ein Blitz in diese Linde eingeschlagen hatte, haben die Anwohner den hohlen, aufgeplatzten Stamm liebevoll mit feinmaschigem Draht umhüllt, damit sich keine Tiere in ihm einnisten können und die Stollenlinde keinen weiteren Schaden nimmt.

Apropos Stollen:

Treffen sich zwei Rosinen auf der Straße,
die eine trägt einen Helm.
Fragt die andere:
„Warum trägst Du denn einen Helm?“
Darauf die erste:
„Ich muss heute noch in den Stollen…“

Quellen:

  • Archivbild, Am Stollen; Rammelsberg und die Stollenlinde
  • Auberg, Günter; Goslar Rundwege
  • Kätzel, Anke und Bollmeier, Martin; Naturschätze im Landkreis Goslar
  • Vollbrecht, Ursula; Kleine Goslarer Volkskunde

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.