Goslarer Straßennamenkatalog - Bergdorfstraße


Bergdorfstraße

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Die Bergdorfstraße ist eine zunächst sehr steil aufwärtsführende Nebenstraße der Wallstraße, später verläuft sie fast eben. Auffällig bei dieser Straße ist, dass dieser erste Abschnitt der Fahrbahn aus Kopfsteinpflaster besteht, erst im oberen Bereich ist sie asphaltiert. Am Anfang der Straße befindet sich auf der linken Seite ein großes altes Gebäude, das Teil der früheren Kaserne der Goslarer Jäger ist. Derzeit ist es ungenutzt und dem Verfall preisgegeben. Das Gelände hinter dem auffälligen Kasernenzaun gehört zur TU Clausthal und wird von dieser genutzt.

Auf der rechten Straßenecke steht ein schönes Fachwerkhaus, das postalisch aber zur Wallstraße gehört. Im weiteren Verlauf der Straße gibt es Ein- und Mehrfamilienhäuser aus den 60er und 70er Jahren sowie Gästehäuser. Die meisten wurden zwischenzeitlich restauriert und machen einen gepflegten Eindruck. Sie verfügen zumeist über schöne begrünte Vorgärten, Bäume sind in der Straße ebenfalls zu finden. Die Bergdorfstraße mündet in den Breiten Weg.

Da sich der obere Bereich der Bergdorfstraße jahrelang in einem beklagenswerten Zustand befand, wurde sie Mitte 2009 saniert. Eine neue Fahrbahndecke wurde gelegt, moderne und energiesparende Vulkanleuchten lösten die alte Straßenbeleuchtung ab. Auch die Straßenentwässerung läuft seitdem wieder ordnungsgemäß, da die existenten Naturborde und Gossen aufgenommen und um ca. vier Zentimeter höher gesetzt wurden.

Das Bergdorf war eine frühere Siedlung der Bergleute mit der Kirche St. Johannis und einem Hospital. Bis ins 7. Jahrhundert reichen die Wurzeln der Bergmannssiedlung zurück. Die Bergdorfkirche St. Johannis wurde erstmals 1180 urkundlich erwähnt. Es gilt als sicher, dass das schnelle Wachsen des Bergdorfes deshalb zustande kam, weil die Menschen sich raschen Reichtum durch den Silbererzbergbau im Rammelsberg erhofften.

Über das Leben in der ersten Bergmannssiedlung stehen kaum Kenntnisse zur Verfügung. Ihr wirkliches Alter und Aussehen kann auch durch vereinzelte Bodenfunde nicht bestimmt werden. Denkbar ist allerdings, dass auch Grubenbesitzer in der Siedlung wohnten. Diese These stützt sich darauf, dass belegte Urkunden für zahlreiche massive Steinhäuser mit Unterkellerung, die als Kemenaten bezeichnet wurden, existieren. Im Gegensatz zu den Grubenbesitzern wohnten die Bergleute in schlichten Einraumhäusern aus Lehmfachwerk, in so genannten „Buden“. In der Altstadt Goslars sind sowohl Kemenaten aus dem 13. Jahrhundert als auch Buden aus der Zeit um 1500 erhalten geblieben.

In der Rechtsgeschichte Goslars spielte das Bergdorf eine tragende Rolle. Es besaß das „judicium trans aquam“, („Gericht jenseits des Wassers“), was soviel bedeutet wie eine eigene Gerichtsbarkeit. Sie war eine kleine Vogtei, wurde anfänglich vom Reichsvogt verwaltet, später vom städtischen Gerichtsbezirk. Die Gose oder Abzucht, wie der Wasserverlauf innerhalb der Stadt heißt, bildete die räumliche Trennung. Der das 16. Jahrhundert prägende Streit mit Herzog Heinrich dem Jüngeren von Braunschweig und die Erschaffung von Feuerwaffen führten dazu, dass die Bürger ihre Befestigungsanlagen deutlich verstärken mussten. Ein doppelter, zum Teil mit Wasser gefüllter Graben, ein Wall und die äußere Feldmauer wurden vor der Stadtmauer angelegt. Zum Schutz zogen fortlaufend immer mehr Bewohner des Bergdorfes hinter die um einiges sichereren Stadtmauern, die dürftige Befestigung des Bergdorfes genügte nicht mehr. Dies ist der Grund, warum die Häuser dort verschwanden, es werden nur noch wenige Grundstücke um 1500 bebaut gewesen sein. 1527 zerstörten die Bürger Goslars die letzten Wohngebäude und die Bergkirche St. Johannis.

Quellen:

  • Griep, Hans-Günther; Goslar um 1500, S. 5, 18-19
  • Griep, Hans-Günther; Harzer Legenden, S. 39
  • GZ: Der Rammelsberg – Tausend Jahre Mensch – Natur – Technik, 2001, S. 146, 348 (Artikel vom 21.07.09)
  • Stadt Goslar, Bauamt; Straßenverzeichnis der Stadt Goslar

Hinweis: Zu dieser Straße wurden zwei Textversionen erstellt. Die vorliegende Version stammt aus dem zweiten Straßennamenkatalog. Für die Version aus dem ersten Katalog klicken Sie bitte hier.

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.