Goslarer Straßennamenkatalog - Bleicheweg


Bleicheweg

Bleicheweg1
Bleicheweg2
Bleicheweg3

Der Bleicheweg beginnt am Reiseckenweg, verläuft stetig bergan und geht an der Abzweigung zum Karsten-Balder-Stieg vor einer lang gezogenen Linkskurve in den Dörpkestieg über. Hier befindet sich rechts noch ein kleiner Parkplatz. Dahinter beginnt ein Landschaftsschutzgebiet und ein Schild macht darauf aufmerksam, dass sich „irgendwo im Nirgendwo“ noch das Haus Bleicheweg Nr. 22 befindet.

Vom Bleicheweg zweigen mehrere Querstraßen ab, allerdings nur nach rechts. Nach der Bozener Straße folgen die Dr.-Nieper-Straße, die Siemensstraße und der Karsten-Balder-Stieg. An der Ecke Siemensstraße befindet sich ein kleiner Spielplatz und an der Ecke Bleicheweg erstrahlt eine Litfaßsäule zumeist in jungfräulichem Weiß und hat nichts mehr mitzuteilen. Doch manchmal finden sich auf ihrer Rückseite Hinweise (!?!) auf ein Rittertreffen in Blankenburg, die Festwochen in Wolfsburg und – ganz wichtig – auf das Schützenfest in Goslar. Ob Ortsfremde die Litfaßsäule wohl umrunden, um auf der Rückseite nach wichtigen Nachrichten zu suchen? Oder die Anwohner? Aber die werden das Goslarer Schützenfest sicher auch so bemerken. Stellt sich also die Frage nach Sinn und Unsinn dieser Säule. Zumal die in unmittelbarer Nähe liegenden Straßen mit rotweißem Band abgesperrt und die dortigen Parkplätze mit Gebühren belegt sind.

Die Straße hat ihren Namen erhalten, weil sie früher zur Rennebergs Bleiche führte, einem beliebten Ausflugs- und Tanzlokal. Der Name wiederum leitet sich von dem Flurstück „bei der Bleiche“ ab. Auf der dort befindlichen Wiese haben die Hausfrauen zu früheren Zeiten das Leinen für ihre Aussteuer gebleicht. Der Flachs, aus dem die Stoffe hergestellt wurden, war ursprünglich braun. Es bedurfte einer aufwendigen, langwierigen Bearbeitung, bis dieses Material annähernd weiß war. Die Rennebergs Bleiche am Auslauf des Dörpketales war der Grund dafür, dass dort ein Ausflugslokal eröffnet wurde. Zeitweise gab es bei diesem Lokal einen kleinen Tierpark zur großen Freude der Gäste. Nach Kriegsende avancierte es zu einem beliebten Tanzlokal und manches flotte Tänzchen wurde dort aufs Parkett gelegt.

Im unteren Bereich der stetig bergan führenden Straße befinden sich linker Hand einheitliche Mehrfamilienhäuser, teilweise mit Balkon. Je höher man in dieser Straße kommt, umso schöner und größer werden die Eigenheime. Im oberen Bereich findet man eine Bank, die zu einer längeren Rast beim „Bergwandern“ einlädt. In Höhe der Bozener Straße führt linksseitig eine breite Treppe mit tiefen Stufen zu einem hinter den Häusern liegenden Park. Leider ist diese Treppe fast zugewachsen und lädt nicht zum Benutzen ein. Dies würde sich aber durchaus lohnen, wenn man Ruhe, Erholung und Natur zu schätzen weiß. Der rechtsseitig verlaufende geteerte Fußweg wird von Alleebäumen und einem breiten Grünstreifen gesäumt. Dahinter befinden sich die Grundstücke der Häuser mit zum Teil weit ausladenden Vorgärten.

Es gab im Bleicheweg auch interessante Vorkommnisse, wie zum Beispiel am 25.11.1884. Da wurde die 17jährige Magd Minna Trenkner zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Sie hatte bei Rennebergs Bleiche ein Kind geboren und es dort liegen lassen. Danach machte sie sich auf den Weg zu ihren Eltern nach Oker. Obwohl sie am nächsten Tag auf dem Rückweg das Kind noch lebend vorfand, leugnete sie vor der Hebamme immer noch jede Geburt. Schließlich führte sie die Polizei doch zum „Tatort“ und das Baby konnte gerettet und in Pflege gegeben werden. Im August 1920 wurde in Goslar der Film „Hamlet“ gedreht. Die Hauptrolle spielte Asta Nielsen. Drehort war auch unter anderen bei der Bleiche.

Quellen:

  • Adressbuch Goslar von 1933
  • Steinecke, Ernst; Museumsverein Goslar e.V., 2008
  • Theuerkauf, Armin; Chronik der Stadt Goslar, Band IV 1881-1932

Straßenprofil als PDF Dieses Straßenprofil als PDF herunterladen.

Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.