Goslarer Straßennamenkatalog - Bozener Straße


Bozener Straße

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Die Bozener Straße verläuft parallel zum Zwingerwall und verbindet den Bleicheweg mit der Straße Am Stollen. Dazwischen überquert sie die Ludwig-Jahn-Straße. Sie führt bis zu dieser Kreuzung an einer schönen, mit Hecke eingefassten Grünanlage vorbei. Diese liegt an der Rückseite einer Seniorenresidenz und der daneben liegenden Stadtvilla, die in der Dr.-Wilhelm-Kempe-Straße erwähnt werden. Dadurch ist die Bozener Straße nur einseitig mit zweigeschossigen Wohnblocks mit Gauben bebaut. Diese verhältnismäßig lange Straße ist nur mit abenteuerlichen Ausweichmanövern zu durchqueren. Die vielen geparkten Autos verengen den Fahrweg derart, dass man sich häufig unversehens einem entgegenkommenden Fahrzeug gegenübersieht. Der Fahrer mit der geringsten Überzeugungskraft wird den Rückwärtsgang einlegen müssen.

Ihren Namen erhielt die Bozener Straße am 30.05.1927 in Erinnerung an den Verlust des deutschen Gebietes in Tirol. Bozen war bis 1918 deutsch, heute ist es italienisch. Bolzano, Tor zu den Dolomiten, wie die Stadt Bozen auch genannt wird, schmiegt sich, eingerahmt von Berghängen in eine einmalig schöne Naturlandschaft. Die Hauptstadt Südtirols, mit ihrem südländischen Ambiente, ihrer vielfältigen Kultur und Geschichte, beherbergt heute den berühmten „Mann aus dem Eis“, den Ötzi im Archäologiemuseum. Mehr als zwei Drittel der Tiroler Bevölkerung sprechen deutsch und das ist neben italienisch eine gesetzliche Amtssprache.

Bei einer Versammlung des „Vereins für das Deutschtum im Ausland“ (V.D.A.) im Jahre 1923 trafen sich in der Rathsschiefergrube Goslar ca. 6.000 Teilnehmer. Im Anschluss daran erhielt die Straße nach einem Vorschlag des V.D.A in Berlin den Namen Bozener Straße.

1947 wohnten in der Bozener Straße die Engländer der North German Timber Control Commission (NGTC), zu deutsch „Norddeutsche Holzkontrolle“. Die Behörde der britischen Militärregierung in der Besatzungszone war zuständig für verschiedene forstwirtschaftliche Erzeugnisse, für Brennholz und Einschlag von Nutzholz, sowie die Verteilung und Verarbeitung dieser Ressourcen. Eine Führungskraft Namens Miss Flodder..., nein sorry Miss Flodnert beschäftigte damals eine junge Deutsche, die dort so gerne arbeitete, dass sie freiwillig Englischunterricht nahm, der damals mit 10 Mark die Stunde sehr teuer war. Im Spiegel erschien 1947 ein Artikel mit der Überschrift „Holzhacker in Uniform“, der über 3.000 englische Soldaten berichtete, die täglich 900 t Holz schlugen. Von Juni 1946 bis November 1947 verschiffte man für den brit. Wiederaufbau 150.000 t nach England. Im Harz und Solling bekam man kahle, nackte Hänge, Berge und Täler zu sehen.

Quellen:

  • Adressbuch Goslar von 1933, S. 19
  • Fuchs, Emma; Erinnerung an vergangene Tage, Senioren schreiben Geschichte(n), Teil 2, Goslarsche Zeitung 2008
  • Hillebrand, Werner; Wittke, Heinz; Grundriß der ehemals Kayserlich freyen Reichs-, jetzt Königlich Preussische Stadt Goslar e.V. 1973
  • Stadtarchiv 163, R.R. Abt. I Fach 203 Nr. 14

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.