Goslarer Straßennamenkatalog - Bruchchaussee


Bruchchaussee

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Die Bruchchaussee zweigt von der Rammelsberger Straße ab. Der Straßenverlauf führt schlangenförmig bergauf bis zum Maltermeisterturm und wird von unberührter Natur geprägt. Bäume, Büsche, Wiesen und sogar Heidelandschaft bestimmen das Bild. Sie führt vorbei an der wunderschön gelegenen DJH Jugendherberge Goslars. Diese gehört postalisch allerdings zur Rammelsberger Straße, ebenso wie der Maltermeisterturm und die wenigen Häuser am unteren Ende der Straße, obwohl alle per Fahrzeug nur über die Bruchchaussee zu erreichen sind.

Die Jugendherberge wurde 1937/38 im Auftrag der Hitlerjugend gebaut. Sie war nicht nur für wandernde Jugendliche gedacht, sondern auch als Gebietsführerschule. Doch schon bald erfüllte sie noch einen ganz anderen Zweck: Durch den Krieg wurde aus der Herberge ein Lazarett und nach dem Krieg ein Asyl für Seuchenkranke. Erst 1949 konnte der Herbergsbetrieb wieder aufgenommen werden. Später erhielt das Haus einen Anbau und ist bis heute eine beliebte Unterkunft. Oberhalb der Jugendherberge hat man die Gelegenheit Galloway-Rinder zu entdecken, die friedlich hinter ihrem Gatter auf einer Weide grasen. Das Übungsgelände des Polizeihundevereins befindet sich ebenfalls dort. Wo hier nun genau die männlichen Rinder (Bullen) stehen, muss der Besucher allerdings selbst herausfinden…

Folgt man der Straße weiter, so beginnt schon bald Heidelandschaft. Ein Teil davon ist mit hohen Zäunen abgesperrt und als Sprenggebiet ausgewiesen. Dort befand sich früher die alte Schiefermühle. Weiter oben liegt der sogenannte „Blaue Haufen“, ein wunderbarer Aussichtsbereich auf die Altstadt Goslars. Er erhielt seinen Namen nach dem früher hier geförderten Schiefer, der sich auffällig mit seiner bläulich wirkenden Farbe von dem umgebenden Wiesengrün abhob. Die riesige Wiese ist Landeplatz der Drachen- und Gleitschirmflieger, die bei entsprechend gutem Wetter vom Startplatz auf dem Rammelsberg abgehoben haben und hier nun auf die Erde zurückkehren. Im Sommer eignet sie sich hervorragend zum Picknicken, im Winter lässt sich dort wunderbar rodeln. Im Jahr 2006 wurde die Kulisse als Drehort für die Filmkomödie „7 Zwerge- Der Wald ist nicht genug“ genutzt und während der Fußballweltmeisterschaft 2010 fand hier ein „Public Viewing“ statt.

Die Bruchchaussee endet am Maltermeisterturm, der neben einem herrlichen Ausblick auch kulinarisch dem erschöpften Wanderer einiges zu bieten hat. Der Maltermeisterturm gilt als das älteste erhaltene Übertagegebäude im deutschen Bergbau. Er wurde vermutlich im 13. oder 14. Jahrhundert erschaffen und 1548 das erste Mal urkundlich erwähnt. Der Turm diente vor 1360 wohl als Hohe Warte zur Sicherung gegen Angriffe. Seinen Namen hat der Maltermeisterturm aus folgendem Grund: Da man seinerzeit beim Bergbau mit Schlägel und Eisen nur schwierig voran kam und Sprengmittel bis dato noch unbekannt waren, wurden die Gesteinsmassen zunächst mit Feuer zermürbt. Man sprach vom sogenannten „Feuersetzen“. Das Holz dafür wurde von einem Beamten nach einem alten Raummaß, dem Malter ausgeben. Ein Malter entspricht etwa zwei Raummeter. Der zuständige Beamte erhielt den Namen Maltermeister und wohnte ab etwa Mitte des 18. Jahrhunderts in dem Turm. Mit der Entwicklung von Dampfmaschinen und Sprengstoff wurde das Feuersetzen im 19. Jahrhundert schließlich überflüssig und die Zeit des Malterns war vorbei. Vermutlich fungierte der Maltermeisterturm auch als Zechenturm, denn vor Mitte des 18. Jahrhunderts hieß der Turm „Anläuteturm“. Die Glocke zersprang 1896 und befindet sich heute im Goslarer Museum.

Die Bruchchaussee ist Teil des Europaradwegs R1, über welchen man nach Oker und Bad Harzburg radeln kann. Während eines Streifzugs durch die Natur fallen dem aufmerksamen Beobachter zu beiden Seiten der Straße mitunter tiefe Furchen und Rillen im Waldboden auf. Dies sind ehemalige Erzabfuhrwege, die unter anderem in die Stadt Goslar führten, in der das Erz bis zum weiteren Transport in die Schmelzhütten zwischengelagert wurde. Am Rande des Marktviertels konnte solch ein Erzzwischenlager aus dem 12. Jahrhundert nachgewiesen werden. Die Anzahl der Erzabfuhrwege wuchs damals stetig, ebenso die Kosten für das Verfrachten der Erze. Auf Anweisung des damaligen Oberbürgermeisters Johann Christoph Roeder (1764 bis 1810 im Dienst) wurde ein Stollen vorgetrieben, die heute so genannte „Roedersche Tagesförderstrecke“. Dieser reichte vom Fuße des Berges bis zu den beiden Hauptförderschächten. Seit der Inbetriebnahme des Stollens 1804 verloren damit die Wege am Rande des Rammelsberges weitgehend ihre Bedeutung.

Quellen:

  • Bornhardt, Wilhelm; Die Flurnamen des Stadtkreises Goslar Teil I, S. 19, 27
  • Dettmer, Hans Georg; Bergbauspuren auf Schritt und Tritt – 30 Gründe den Rammelsberg zu erwandern, S. 57-58
  • www.harzlife.de/
  • Friedhelm Geyer; Goslar im Krieg und den Jahren danach 1939-65
  • Informationstafel an der Bruchchaussee „Bergbau Goslar“
  • Bergkalender 1924

 

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.