Goslarer Straßennamenkatalog - Dörpkestieg


Dörpkestieg

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Der Dörpkestieg beginnt an der Kreuzung Bleicheweg und Karsten-Balder-Stieg und führt nach einer langgestreckten Linkskurve auf die Schützenallee. Dort wird ein Ablageplatz für Gartenabfälle mit dem Schild „Paradiesgrund“ bezeichnet. Wie poetisch ist doch unsere Stadt!

Die Straße wurde 1972 nach dem Bachlauf Dörpke umbenannt, denn davor hieß sie Hüttenweg. 1706/07 wird im Flurnamenverzeichnis des Stadtkreises Goslar noch ein Höhlwagenwege unter der Harisdrift im Bauernholze geführt. Dieser stößt auf den Hüttenweg, der genutzt wurde um zu den Hütten zu fahren. Hohlwagenweg bedeutete damals „Hohler Fahrweg“.

Der kleine Bach Dörpke entspringt heute auf dem Gelände des Berufsförderungswerkes, führt teilweise ausgetrocknet, zur Schützenallee und verschwindet dabei zeitweise unter der Erde. Dann kommt er wieder hervor und führt -oh Wunder- etwas Wasser, das in dem verhältnismäßig tiefen Bachbett als unscheinbares Rinnsal bald wieder versickert. In Höhe des Rosenberges verschwindet er letztendlich ganz in der Erde und führt unterirdisch weiter Richtung Abzucht, in die er früher auch mündete. Nach dem Motto „Wasser sucht sich seinen Weg“ kann man davon ausgehen, dass der Dörpke, wenn er denn Wasser führt, den gleichen Verlauf nimmt wie dazumal; bergab bis in die Abzucht. Die zweite Wortsilbe des Dörpkestieg bezeichnet eine am Hang liegende Straße, die entweder selbst steil ansteigt oder nur durch einen steilen Anstieg zu erreichen ist. Hier muss man in jedem Fall steigen. Im ebenen Flachland findet die Bezeichnung „Stieg“ im Normalfall keine Verwendung.

Die wenigen Häuser des Dörpkestiegs, 3 flache langgezogene Bungalows mit Walmdächern, befinden sich hinter prächtigen Vorgartenanlagen auf der rechten Straßenseite. Links begleitet ein gepflasterter Fußweg hinter einem breiten, mit Bäumen bestandenen Grünstreifen die Straße. Ungefähr in der Mitte der dahinter befindlichen Gärten zweigt links eine sehr schmale, aber befahrbare Seitenstraße ins „Roseneck“ ab. Das Wohnidyll, das seinesgleichen sucht, wird im Roseneck näher beschrieben.

Es könnte sein, dass die Bewohner im Dörpkestieg auf „Altlasten“ bei der Gartenarbeit stoßen, denn nicht weit entfernt lag früher ein abgesperrtes Militärgebiet. Am 2.7.1897 wurde eine Waldarbeiterin am Rammelsberg von einem Gewehrgeschoss am Hals getroffen, obwohl sie sich 500 m vom Militärgebiet im Dörpketal entfernt aufhielt. Das Geschoss muss eine Strecke von ca. 1900 m zurückgelegt haben. Die leeren Geschosshülsen hat man früher aufbewahrt und neu mit Schwarzpulver und Blei bestückt, falls man sie im Gestrüpp wieder gefunden hat. Also aufgepasst bei der Gartenpflege.

An einem der Häuser des Dörpkestiegs begleitete mich ein Windhund am Zaun des riesigen Grundstücks. Mit dem in braun und beige gehaltenen, pyjamaartigen Anzug wirkte er etwas overdressed, aber er war von herablassender Sanftmut. Vielleicht hat er gehofft, dass ich ihn von diesem Outfit befreie.

Quellen:

  • Grundner-Culemann, Alexander; Die Flurnamen des Stadtkreises Goslar
  • Stadt Goslar, Bauamt; Akte 13, Ordner I
  • Stadt Goslar, Straßenbauamt
  • Steinecke, Ernst; Museumsverein Goslar e.V. 2008
  • Theuerkauf, Armin; Chronik der Stadt Goslar, Band IV 1881 -1932

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.