Goslarer Straßennamenkatalog - Dr.-Nieper-Straße


Dr.-Nieper-Straße

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Die Dr.-Nieper-Straße beginnt am Bleicheweg, überquert die Ludwig-Jahn-Straße und endet wie ihre beiden Parallelstraßen, die Bozener Straße und die Siemensstraße, Am Stollen. Sie gehört zum sogenannten Siemensviertel. Die Bebauung besteht einheitlich aus großen zweigeschossige Wohnanlagen, Mehrfamilienhäuser mit ausgebauten Dachgeschossen. Die Mansardenwohnungen verfügen meistens über Gauben. Die Dr.-Nieper-Straße ist etwas breiter und komfortabler zu befahren, als die unter ihr liegende Bozener Straße. Die noch höher gelegene Siemensstraße läuft ihr hier allerdings wieder den Rang ab.

1928, anlässlich seines 80. Geburtstages und für seine vielen Verdienste benannte der Goslarer Magistrat eine Straße nach Dr. Herbert Nieper. Er wurde 1848 in Hannover geboren und starb am 23. Mai 1939 in Goslar. Er stammte aus einer alten, angesehenen Familie, die im 18. und 19. Jahrhundert hohe Staatsämter in Hannover bekleidete. Nach dem Abitur studierte er in Göttingen von 1868-1873 Medizin. Dazwischen nahm er noch am deutsch-französischen Krieg teil. Sein Staatsexamen bestand er mit Bravour und seine Doktorarbeit verfasste er über die chirurgischen Empyems. (Entfernung von Eiteransammlungen in Körperhöhlen). Zuerst blieb er als junger Assistent in Göttingen, dann ging er als 2. Arzt in die Wahrendorffsche Anstalt in Ilten bei Hannover. Nebenbei betrieb Dr. Nieper- dort noch eine umfangreiche Landpraxis. Die Psychiatrie alleine genügte ihm nicht und so bildete er sich in Wien und Berlin bei berühmten Chirurgen weiter fort. 1878 kam er mit seiner Frau nach Goslar und ließ sich als 4. Arzt hier nieder. Da er hier der einzig chirurgisch gebildete Mediziner war, erhielt er die Leitung des 1883 erbauten Vereinskrankenhauses. Als Kreisarzt betreute er auch die Schulkinder, erstellte Gutachten und machte seuchenhygienische Untersuchungen für Behörden, Berufsgenossenschaften und für die örtliche Krankenkasse. Außerdem untersuchte er die Boden- und Wasserverhältnisse für die 1905 geplante Erweiterung des jüdischen Friedhofes. Viele Jahre war er noch Knappschaftsarzt in der Hütte in Oker, Vorsitzender des Ärztevereins in Goslar und vertrat den Kreis Goslar in der Ärztekammer. Unentwegt bildete er sich weiter und besuchte ständig Kongresse. Deshalb galt er als, auf vielen Gebieten sehr gut ausgebildeter, Hausarzt und war trotz seiner großen Neigung zur Chirurgie kein einseitiger Spezialist. 1919 trat er als Kreisphysikus (Kreisarzt) zurück und 1923 fand zu seinem 50jährigen Jubiläum eine eindrucksvolle Feier statt.

Es ranken sich viele „urige“ Geschichten um seine Person und eine sei hiermit erzählt: Bei diesem Festakt im damaligen Vereinskrankenhaus sollte eine Büste mit seinem Bildnis enthüllt werden. Die Feierstunde wurde durch Musik und die Reden hoher staatlicher und medizinischer Autoritäten eingeleitet. Soweit es sich um seine eigene Person handelte legte der Jubilar keinen großen Wert auf Feierlichkeit. Also wandte er sich kurz entschlossen an die Oberschwester, die neben der noch verhüllten Büste stand und sagte laut: „Na, Oberschwester, nun lassen Sie mal endlich die Hüllen fallen!“

1928 legte Dr. Nieper auch sein letztes Amt als Stadtarzt nieder. Danach sah man ihn nur noch mit seinem Kutscher auf dem Bock im Zweigespann durch die holprigen Straßen fahren. Gravitätisch legte er den Elfenbeinkopf seines Stockes zum Gruß an seine Hutkrempe. Das gab ihm irgendwie etwas Majestätisches. Man nannte ihn ohnehin „König von Goslar“.

Nachdem er sich 1931 einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen hatte, verließ er kaum noch das Haus, verfolgte aber trotzdem mit regem Interesse besonders die Entwicklung in der Medizin. Als er am 23. Mai 1939 nach kurzer Krankheit verstarb, trauerte die ganze Bevölkerung. Die Trauerfeier fand auf dem Friedhof an der Hildesheimer Straße statt und seine sterblichen Überreste wurden anschließend zur Einäscherung nach Hannover überführt. Jetzt hatte ein großer Mann, ein hervorragender Mediziner, ein treuer Helfer, ein Unikat von einem Menschen die Stadt Goslar für immer verlassen.

Quellen:

  • Goslarsche Zeitung; Artikel vom 23.05.1939, 23.05.1964, 24.05.2004
  • Stadt Goslar, Bauamt; Straßenverzeichnis der Stadt Goslar
  • Steinecke, Ernst; Museumsverein e.V. 2008
  • Theuerkauf, Armin; Chronik der Stadt Goslar, Band IV 1881-1932
  • Ulrich, Hans-W.; Da lacht die Butterhanne

 

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.