Goslarer Straßennamenkatalog - Dr.-Wilhelm-Kempe-Straße


Dr.-Wilhelm-Kempe-Straße

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Die sehr kurze Dr.-Wilhelm-Kempe-Straße beginnt am Zwingerwall und führt direkt zwischen der alten MTV-Halle und dem neuen Supermarkt zum „Stadthaus am Zwingerwall“, einem Seniorenheim. Ein Abzweig nach rechts ist klar als Privatweg gekennzeichnet und führt zu der einzigen, von 3 geplanten Stadtvillen, die auch bisher erbaut wurde. So kurz und unbedeutend diese Straße auch sein mag, der Namensgeber war es mit Sicherheit nicht. Dr.-Wilhelm- Kempe wurde 1924 in Berlin geboren und starb 2000 im Alter von 75 Jahren. Wer mehr über diesen passionierten Arzt und sein umfangreiches Lebenswerk in Erfahrung bringt, wird den Tod dieses wundervollen Menschen betrauern, auch wenn er ihn nicht persönlich gekannt hat.

Er war bis 1959 Werksarzt bei der Fa. H.C. Starck. Damals bekam er die Anerkennung als Facharzt für innere Krankheiten und 8 Jahre später die für Anästhesie. Danach baute er im Goslarer Kreiskrankenhaus eine Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin auf.

Er betrieb den Aufbau des Rettungsdienstes im Landkreis Goslar. Diese Einrichtung war für die ganze Bundesrepublik wegführend. Früher wurden die Unfallopfer nur notdürftig an der Unfallstelle versorgt und schnellstmöglich in ein Krankenhaus gebracht. Oft war der Zustand des Patienten dann so schlecht, dass intensivste Maßnahmen ihn nicht mehr retten konnten.

Er baute im Krankenhaus den Krankentransport und den Rettungsdienst auf. 1983 wurden auf sein Betreiben Vorgaben herausgegeben, in denen das nötige Wissen für die Unfallmedizin vermittelt wurde. 1984 führte er eine Ausbildung zum Arzt im Rettungsdienst durch; zusammen mit dem Zentrum für Anästhesiologie der Universität Göttingen.

Er hat die anästhesiologische Versorgung im Goslarer Krankenhaus und in noch 3 weiteren Krankenhäusern aufgebaut.

Er setzte 1978 durch, dass im Krankenhaus eine hauptamtliche Seelsorge eingerichtet wurde. Dieser freundlich lächelnde Mann war aber kein bequemer Verhandlungspartner, wenn es um Ziele ging, die ihm wichtig waren. Selbst wenn andere das für utopisch hielten. Mit hartnäckiger Beharrlichkeit als „Meister der sanften Gewalt“ erreichte er sie doch, z.B. den Hubschrauberlandeplatz, wie sich der Verwaltungschef noch seufzend erinnert.

Er sorgte für die Verlegung der DRK-Rettungsschule nach Goslar. Bis 1998 wurden fast 5000 „Ärzte im Rettungsdienst“ und 524 „leitende Notärzte im Rettungsdienst“ unter seiner Leitung ausgebildet. Seine Frau und sein Sohn waren ebenfalls im DRK aktiv. So konnten sie den Mann oder Vater wenigstens gelegentlich einmal sehen.

Er arbeitete auch nach seiner Pensionierung 1989 weiter als DRK-Landesarzt und kümmerte sich um medizinische Hilfe für Krankenhäuser in Minsk und Berenzniki am Ural.

Er war bis 1992 noch Leiter der zentralen Weiterbildungsstätte für Fachpflegekräfte in der Anästhesie und Intensivmedizin am Kreiskrankenhaus und bildete Krankenpfleger aus Burundi, Äthiopien und Liberia zu Anästhesieassistenten aus.

Er setzte sich für Leprakranke ein und half bei der Erforschung von Ursachen für den plötzlichen Kindstod oder rief zur Knochenmarkspende für ein krankes Kind auf.

Er rief 1996 eine Stiftung für Diagnostik und Behandlung von Leukämie und anderen bösartigen Erkrankungen ins Leben. Die Dr.-Wilhelm-Kempe-Stiftung des DRK-Blutspendendienstes NSOB Springe. Im Jahr 2000 kurz vor seinem Tod saß er noch im dreiköpfigen Vorstand, der über die Vergabe der Forschungsstipendien beriet.

Er hat stets mehr gegeben, als man von ihm jemals hätte fordern können. Mit dem Zitat des DRK-Oberkreismeisters Müller überreichte Oberstadtdirektor Primus 1997 die höchste Auszeichnung des Landes Niedersachsens, das Verdienstkreuz am Bande und fügte hinzu: “Dr. Kempe ist ein Synonym für praktizierende Nächstenliebe, für Hilfe am kranken und verletzten Menschen“

Er impfte gegen Tetanus und Grippe und ist gemeinsam mit dem Gesundheitsamt bei der Kinderlähmungsschluck- und Pockenschutzimpfung dabei, so dass die Impfpistole schon fast ein Symbol für ihn wurde.

Er wäre eigentlich gern Kinderarzt geworden und liebte klassische Musik. Zu seinem 70. Geburtstag lud er seine Gäste zu einem Konzert in die Klosterkirche Grauhof ein und bat um eine Spende für das DRK statt Geburtstagsgeschenke.

Quellen:

  • Goslarsche Zeitung; Artikel vom 15.06.1978, 10.07.1989, 08.07.1994, 25.02.1997, 24.04.1998 und 20.05.2000

 

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.