Goslarer Straßennamenkatalog - Kaisertorstraße


Kaisertorstraße

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Die Straße ist nach dem ehemaligen Kaiserstadttor in der Stadtbefestigung nahe der Kaiserpfalz im alten Dombezirk benannt. Sie befindet sich südlich der Kaiserpfalz mit Zugang über den Breiten Weg und die Werenbergstraße. Das Besondere an ihrer Straßenführung ist, dass sie mit einer begehbaren Sackgasse beginnt und als solche auch wieder endet. Der Breite Weg zerschneidet die bergaufführende Straße in zwei Teile. Die Kaisertorstraße führt von der Clausthaler Straße, mit der sie nur per Fußgängerweg verbunden ist, bergauf über die Straße Breiter Weg hinweg und endet als zweiarmige Sackgasse ohne Wendemöglichkeit in grüner Botanik. Hier beginnt jeweils ein Wald- und Wiesenweg. Die verkehrsberuhigte Hanglage im Stadtteil Hainholz nahe den Bergwiesen gehört zu den schönsten Wohngebieten in Goslar. Die Häuser im oberen Abschnitt sind villenartige Stadthäuser neueren Datums und verfügen über große gepflegte Gartenanlagen. Die Häuser im unteren Abschnitt sind früher entstanden.

Die Bebauung samt Hausnummernvergabe ist insgesamt allerdings sehr außergewöhnlich und erfordert von Postzustellern detaillierte Ortskenntnisse und gute Nerven. Im unteren Teil finden sich lediglich auf der linken Seite die Häuser mit den Hausnummern 1, 2, 2a und 3. Im oberen Abschnitt tritt dann große Verwirrung ein. Die Eckhäuser an der Straßenkreuzung (Nr.11 und 12) gehören zum Breiten Weg. Auf der linken Straßenseite oberhalb des Eckhauses mit riesigem Grundstück liegen die Hausnummern 6 bis 9 der Kaisertorstraße. Rechts folgen dann die Nr. 4 und 5, die zur Kaisertorstraße gehören, unmittelbar gefolgt von den Nummern (Achtung:) 5, 4 und 3 ! Diese Häuser gehören postalisch zur Kupferrauchgasse, haben aber ihre Zufahrt und den Eingang zur Kaisertorstraße. Zwischen Nr. 3 und 2 liegt dann auch die einzig brauchbare Zufahrt zur Kupferrauchgasse. Es folgen die Häuser Nr. 2 und 1, die ebenfalls zur Kupferrauchgasse gehören, auch von dort betreten werden, deren Garagenzufahrt aber in der Kaisertorstraße liegt.

Manche Chronisten berichten, dass das Stadttor nahe der Kaiserpfalz auf Befehl von Kaiser Friedrich I. zugemauert worden sei. Der Grund dafür soll der hohe Lärmpegel der Erzwagen gewesen sein, der den kirchlichen Frieden störte. Über das Kaisertor fand man Zugang zum Bergdorf und zu den Erzaufbereitungsanlagen am Rammelsberg. Dem zufolge wurden die Erzfuhrwerke von der Höhe des Hainholzes (Bergwiesen) über den südlichsten Stadtausgang durch das größere Klaustor umgelenkt. Daraus ist eine kleine Sage entstanden, in der es heißt, dass Kaiser Barbarossa (Friedrich I.) nach dem glanzvollen Reichstag 1188 durch dieses Tor reitend die Stadt verließ. Daraufhin wurde das Stadttor Kaisertor benannt und hinter ihm bis zu seiner Rückkehr verschlossen, die heilige Pforte in Rom als Vorbild nehmend. Kaiser Barbarossa sollte aber vom 3. Kreuzzug nicht wieder zurückkehren. Der Kaiser verunglückte tödlich am 10. Juni 1190 in der heutigen Türkei im Taurusgebirge, nahe der Stadt Seleucia, beim Durchqueren des Flusses Saleph. Er sollte Goslar und das Reich nicht wiedersehen.

Das Kaisertor wurde im Mittelalter auch Franken-, Erz- oder Pipentor (ca.1285) bzw. Pipenturm genannt. Durch das Tor wurde im 16. Jahrhundert eine hölzerne Frischwasserleitung (Pipe) in Richtung Goslarer Dom verlegt. Erst 1886 mussten beim weiteren Ausbau der 1832 errichteten Krahmer-Möllenberg-Kaserne (Wallstraße 13) auch das alte quadratische Kaisertor und große Teile der Stadtbefestigung (Klaustor 1828) weichen.

Die Kaisertorstraße selbst hatte vor ihrer straßenbaulichen Erschließung in den 1920er Jahren die Bezeichnung Zwingerwall-Promenade Heute noch finden sich am unteren Straßenrand parallel zur Clausthaler Straße Grenzsteine aus Sandstein. Die zu beiden Seiten begrünte Sackgasse wird zur Clausthaler Straße hin von einem großen Baum nebst Litfaßsäule begrenzt. Urkundlich erwähnt wurde die Straße erstmals im September 1924, wo das erste Baugrundstück an der Kaisertorstraße Nr. 8 ausgehoben wurde. Ihre Erschließung begann erst 1925 mit dem Bau von gepflegten Einzelwohnhäusern.

Um 1946 befand sich an der Kaisertorstraße 1 das britische Quäker- Domizil. Hier brachten die britischen Besatzer nach dem verlorenen 2. Weltkrieg den Goslarer Schülern in einem Hilfsprogramm Englisch bei.

Quellen:

  • Adressbücher Goslar 1927/28
  • Stadt Goslar, Bauamt; Straßenverzeichnis der Stadt Goslar
  • Stadtarchiv R.R. VII Fach 99 -1924
  • Geyer, Friedhelm; Goslar im Krieg und den Jahren danach 1939-1965, S. 38
  • Griep, Hans-Günther; Goslar um 1200, Beiheft Goslar um 1500, 4. Aufl. 1999
  • Griep, Hans-Günther; Harzer Legenden - Geschichte in Geschichten, S. 95
  • Griep, Hans-Günther; Karte von Goslar um 1800
  • Jung, Ursula; Goslar und Reichsstadt am Harz, 2010 Stadt Goslar

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.