Goslarer Straßennamenkatalog - Karsten-Balder-Stieg


Karsten-Balder-Stieg

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Der Karsten-Balder-Stieg zweigt von der Siemensstraße ab und führt ansteigend in einem Bogen bis zu den Goslarer Bergwiesen. Dort zieht er sich bis zum Bleicheweg hin und bildet somit den oberen Abschluss des Siemensviertels. Am unteren Ende besteht noch ein zusätzlicher Weg vor den ersten Häusern, da man solch steile Auffahrten zu den Häusern nicht hätte errichten können. Die Besonderheit dieser oben am Hang einseitig bebauten Straße besteht darin, dass sie über einen unverbaubaren Blick auf Goslars Bergwiesen verfügt. Die völlig naturbelassenen Wiesen steigen steil an und enden oben am Horizont mit dichtem Fichtenbestand.

Wiese, Wald und Himmel beruhigen des Betrachters Auge, denn mehr ist nicht zu sehen. Die überwiegend 1945 erfolgte Bebauung besteht aus gepflegten Eigenheimen, nur ein erdbeerrotes setzt einen abrupten Farbpunkt. Im unteren Abschnitt der Straße ist die Bebauung eine völlig andere. Villenartige, mehrgeschossige Gebäude säumen beidseitig die sehr steile schmale Straße. Trotz ihres höheren Alters machen sie einen gepflegten Eindruck und signalisieren Wohlstand. Man kann davon ausgehen, dass hier die Bebauung begonnen hat und die Häuser vor den Bergwiesen erst später folgten.

Schon 1527 wurde eine Schmelzhütte nordöstlich vor dem Breiten Tor eine „Karsten Balder-Hütte“ genannt. Außerdem hat der Goslarer Bürger Karsten Balder den Nikolaus von Amsdorf nach Goslar berufen, um die Reformation voran zu treiben. Karsten Balder war von 1529 bis zu seinem Tod im Jahr 1547 Bürgermeister. Den Namen der Schmelzhütte kann auch sehr wohl ein gleichnamiger Vorfahr dieser Familie gegeben haben. Karsten Balder versuchte 1527 die Zerstörung der Klöster zu verhindern und als das nicht gelang, rettete er die Kleinodien von St. Georg und verbrachte sie in sein Wohnhaus in der Schreiberstraße. Dieses Haus, eine wunderschöne Kemenate mit 2 Fensterstürzen aus Stein, ist heute an der Nr. 10 zu bewundern und wird von einem Nach-kommen von Karsten Balder bewohnt.

Im Jahr 1528 zog Kaiser Karl V nach Italien und Goslar konnte sich etwas erholen. Die Reformation, die Karsten Balder in Gang gesetzt hatte, erwachte erneut und am Sonntag Judica las man in der Marktkirche eine Messe. Noch in diesem Jahr hat man Nikolaus von Amsdorf von Magdeburg nach Goslar gerufen. 1930 entsandt Goslar eine Deputation auf den Reichstag vor den Kaiser um ihr Glaubensbekenntnis abzulegen.

Während der Abwesenheit Karsten Balders wurden die Unruhen immer bedenklicher und man holte Nikolaus von Amsdorf erneut nach Goslar. Dieser stellte mit den Streitenden eine Unterredung vor dem versammelten Rat her und 1531 enthob man diese von ihren Ämtern. 1934 wird diese Straße nach dem Bürgermeister Karsten (oder Carsten) Balder benannt. Der Grund hierfür war seine verdienstvolle Tätigkeit in schwierigen Zeiten.

Quellen:

  • Crusius, G.F.Eduard; Geschichte der vormals kaiserlichen freien Reichsstadt Goslar; persönliche Aussage des Nachkommen
  • Grundner-Culeman, Alexander; Die Flurnamen des Stadtkreises Goslar, Bd. III, Selbstverlag des Geschichts- und Heimatschutzvereins Goslar e.V. 1966
  • Gottschalk, Werner; Chronik der Stadt Goslar 919 – 1919 Band 1
  • Krause, Klaus u. Müller, Ursula; Im Fluge gesehen - Goslar, Kleinod im Kreise seiner Nachbarn, . Verlag Goslarsche Zeitung 1995

 

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.