Goslarer Straßennamenkatalog - Kupferrauchgasse


Kupferrauchgasse

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Die Kupferrauchgasse zweigt kurz vor dem oberen Ende der Kaisertorstraße nach rechts ab und ist nur eingeschränkt – für Anlieger, Feuerwehr, Notarzt o. ä. - befahrbar. Den ersten Abschnitt befährt man über einen abgesenkten Bordstein. Nach etwa 50 Metern mündet die Gasse bereits in einen quer verlaufenden zweiten Abschnitt. Dieser endet linksseitig wiederum nach ca. 50 Metern an einer Treppe mit Auffahrrampe, die maximal für kleinere Fahrzeuge nutzbar ist. Nach rechts führt sie zunächst etwa 100 Meter, bevor sie einen Linksknick macht und nach weiteren 50 Metern in zwei Fußwegen ausläuft. Über diese kann man die Straßen Breiter Weg und Hainholz erreichen. Zu letzterer Straße führt noch ein weiterer Fußweg mit Treppenabgang und vollendet somit das kleine Labyrinth der Kupferrauchgasse.

Als Briefträger muss man sich hier besonders gut auskennen, denn die Hausnummern 1-5 liegen an der Kaisertorstraße und die Nummern 3 bis 5 sind auch nur von dort zu erreichen. Zum Erreichen der Nummern 1 bis 2 sowie 6-9 muss man in die Gasse eintauchen, wo die Häuser zum Teil vom Grün versteckt werden und nicht ohne weiteres zu finden sind.

Sucht man nach dem Namensursprung der Kupferrauchgasse, liegt der Gedanke nahe, dass die Benennung abgeleitet wird von dem Metall Kupfer. Das ist aber eine Fehlannahme. Des Rätsels Lösung heißt Vitriol. Dieser Uraltname für die kristallwasserhaltigen Sulfate der Metalle Eisen, Kupfer und Zink hängt unmittelbar mit dem Namen Kupferrauch zusammen. Vitriol ist zu unterscheiden durch folgende Farben: weißes Zinksulfat, blaues Kupfersulfat und grünes Eisensulfat. Für unsere Erklärung steht das grüne Vitriol im Vordergrund, denn die Bezeichnung „Kupferrauch“ entstand vermutlich daraus, dass man im Mittelalter das grüne Eisenvitriol als eine Kupferverbindung ansah, obwohl es nur einen winzigen Kupfergehalt aufweist.

Bestehend aus Schieferbruchstücken, die durch auskristallisierte Vitriole in den alten abgeschiedenen Gruben verhärtet und zu einer stabilen Menge verbunden wurden, konstituierte dieser „Rauch“ den Rohstoff für die Vitriolgewinnung. Es ist wahrscheinlich, dass die Gewinnung von grünem Vitriol bereits früh am Rammelsberg ausgeübt worden ist. Aber erst in der Notzeit des Rammelsberger Bergbaus wird die Gewinnung von Kupferrauch und damit auch die Bereitung von Vitriol belegbar.

So fand bereits 1352 ein Verkauf von Kupferrauch statt. Durch Rechnungen von 1409 und 1410, welche die Löhne für die Abfuhr von Kupferrauch beinhalten, wird die Vitriolherstellung ebenfalls bezeugt. Aber nicht nur Goslar hatte Interesse an dem grünen Sulfat, auch in der Umgebung und im Ausland wurde gesiedet. So ist nachgewiesen, dass im Jahre 1453 und 1455 eine Ausfuhr nach Holland erfolgte. Obwohl Goslar lange an der Vitriolgewinnung festhielt, wurden 1820 der Vitriolhof und die wenigen Gruben, die die Stadt noch besaß, an die Kommunionverwaltung verkauft.Verarbeitet wurde der Kupferrauch noch bis 1872.

Die Lage der Kupferrauchgasse außerhalb der Stadt im Hainholzviertel ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass der erzeugte Rauch mit großer Wahrscheinlichkeit eine starke Geruchsbelästigung darstellte. Dies mag einer der Gründe sein, warum das Gebiet Hainholz lange Zeit nicht als Wohnbezirk diente, sondern lediglich mit kleinen Gassen und Erzabfuhrwegen angelegt wurde. Dazu gehörten der Hainholzweg, die Hainholzgasse, die Hundegasse, die Kohlengasse und eben auch die Kupferrauchgasse. Sie wurden viele Jahrhunderte benutzt, um vom Claustor zum Rammelsberg zu gelangen. Erst ab 1974/75 entstand hier eine neue Wohngegend. Heute ist die Kupferrauchgasse zu einer beliebten und schönen Gegend geworden, in der man gerne und ruhig lebt.

Quellen:

  • Bornhardt, Wilhelm; Die Flurnamen des Stadtkreises Goslar Teil I
  • Goslarer Adressbuch 1974/75 (S. 86) und 1976 (S.109) Namen aus dem Bereich des Rammelsberger Bergbaus
  • Rosenhainer, Franz; Die Geschichte des Unterharzer Hüttenwesens von seinen Anfängen bis zur Gründung Kommunionsverwaltung im Jahre 1635

 

 

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Katalog für Goslar, Rammelsberg, Steinberg, Georgenberg, Sudmerberg und Ohlhof

Der Katalog ist das Ergebnis eines Projektes der Oskar-Kämmer-Schule in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Jobcenter, das von der Stadt Goslar, der GMG, der Stadtbus Goslar GmbH und dem Heimatforscher Hans-Günther Griep unterstützt wurde. Ein Team aus 13 Projektteilnehmern hat sich mit der Historie und Namensgebung der Goslarer Straßen beschäftigt und erfasste Straßennamen, fotografierte Straßen, recherchierte bei Bedarf im Stadtarchiv und befragte Zeitzeugen.

Auch wenn das Projektteam stets einen hohen Qualitätsstandard vor Augen hatte, so erhebt dieser Katalog nicht den Anspruch, den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens zu genügen. Auch können Fehler inhaltlicher oder sonstiger Art leider nicht ausgeschlossen werden. Hierfür bitten wir um Verständnis.